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Mike Pence versus Kamala Harris: Corona, der Supreme Court und ein respektvollerer Ton

October 08
07:26 2020
Kamala Harris und Mike Pence bei ihrem TV-Duell in Utah: Heftige Vorwürfe, respektvoller Umgangston Icon: vergrößern

Kamala Harris und Mike Pence bei ihrem TV-Duell in Utah: Heftige Vorwürfe, respektvoller Umgangston

Foto: LUCY NICHOLSON / REUTERS

Im ersten und einzigen TV-Duell der Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten hat Kamala Harris die Bilanz der Regierung von Präsident Donald Trump heftig attackiert. Die Senatorin und Wahlkampfpartnerin des demokratischen Herausforderers Joe Biden nannte die Coronapolitik des Präsidenten "das größte Versagen in der Geschichte" der USA. Sie verwies insbesondere auf die Zahl von mehr als 210.000 Corona-Toten in den USA – die höchste Zahl weltweit – und warf der Regierung Inkompetenz vor.

Ihr Widersacher in der Debatte, Trumps Vizepräsident Mike Pence, verteidigte das Vorgehen der Regierung. Der Präsident habe "vom ersten Tag an" die Gesundheit der US-Bürger an erste Stelle gestellt. Ohne die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen wären noch viel mehr Menschen ums Leben gekommen. Pence warf Harris im Gegenzug vor, das Vertrauen der Bürger in einen künftigen Corona-Impfstoff zu "untergraben".

Eine Debatte im Zeichen der Corona-Pandemie

Die TV-Debatte zwischen Harris und Pence weniger als vier Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Nach Trumps Corona-Infektion saßen die Vize-Kandidaten in Salt Lake City im Bundesstaat Utah durch Plexiglas getrennt auf der Bühne. Zwischen ihnen bestand zudem ein Sicherheitsabstand von mehr als dreieinhalb Metern.

Das einzige TV-Duell zwischen Pence und Harris wurde mit besonderer Spannung erwartet: Nicht nur hatten Trump und sein Herausforderer Joe Biden sich vergangene Woche eine chaotische erste Fernsehdebatte voller Attacken geliefert, in der wenig Raum für politische Inhalte blieb. Wegen Trumps Corona-Infektion ist derzeit zudem unklar, ob die beiden weiteren geplanten Fernsehdebatten zwischen dem Präsidenten und seinem Rivalen stattfinden werden.

Der Supreme Court und das Recht auf Abtreibung

Ein weiteres Thema der Debatte war die mögliche Ernennung der konservativen Juristin Amy Coney Barrett zur Richterin am Obersten Gericht – und die damit verbundene Frage nach der Zukunft des Rechts auf Abtreibung. Sollte Trumps Nominierte ernannt werden, dürfte das die konservative Mehrheit am Obersten Gericht über Jahrzehnte zementieren.

Pence sagte, er hoffe, dass Barretts Glaube bei ihrer bevorstehenden Anhörung im Senat nicht zum Gegenstand von Attacken durch die Demokraten gemacht werde. Harris wies das zurück. Beim Thema Abtreibung wiederholte sie ihren Standpunkt, dass eine Frau über ihren Körper entscheiden können sollte. Sie warnte, dass eine Ernennung Barretts das Ende von Barack Obamas Gesundheitsreform bedeuten würde. Die Senatorin warf den Republikanern außerdem vor, die Personalie nur wenige Wochen vor der Wahl durchpeitschen zu wollen.

Pence erwiderte, er sei "pro life" und entschuldige sich nicht dafür. Er hielt Biden und Harris vor, die Zahl der Richter am Supreme Court erhöhen zu wollen. Harris wich dem Vorwurf aus.

Ein respektvollerer Ton

Trotz der teils heftigen Vorwürfe war der Umgangston – gerade im Vergleich zur ersten Debatte zwischen Trump und Biden – im Großen und Ganzen respektvoll. Es gab nur eine längere Unterbrechung durch Pence.

Moderatorin Susan Page, Chefin des Washingtoner Büros von "USA Today", hatte die Debatte deutlich besser im Griff als "Fox News"-Journalist Chris Wallace das Duell zwischen Trump und Biden vor gut einer Woche.

Der einzige unsachliche Angriff des Abends kam von außen: durch einen Tweet von Donald Trump. "Sie ist eine Ausrutscher-Maschine", schrieb Trump über Harris. Voll des Lobes war Trump in seinem Tweet für seinen Vizepräsidenten: "Mike Pence macht das großartig!"

Eine Fliege auf dem Haar von Pence sorgt für Heiterkeit

Für Belustigung sorgte eine Fliege auf dem Kopf Pence. Das Insekt setzte sich auf das weiße Haar des Stellvertreters von Präsident Trump und blieb dort – für die Fernsehzuschauer gut sichtbar – in aller Ruhe eine Zeit lang sitzen. In den sozialen Netzwerken brach Heiterkeit aus. Internetnutzer übertrafen sich mit Wortspielen und feierten die Fliege als wahre Heldin des Debattenabends.

Manche Kommentare fielen derb aus: Das Lincoln Project, eine Gruppe konservativer Trump-Gegner, schrieb auf Twitter: "Wie passend, dass eine Fliege auf dem Kopf von Mike Pence landet, während er noch mehr Sch… verbreitet."

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden nutzte die Episode gar für einen ironischen Aufruf zu Wahlspenden: Der Herausforderer von Präsident Trump veröffentlichte auf Twitter ein Foto von sich mit einer Fliegenklatsche und schrieb dazu: "Steuert fünf Dollar bei und helft, dass dieser Wahlkampf fliegt" – fliegen und Fliege sind im Englischen das gleiche Wort "fly".

China, Klima, Wirtschaft

Zu den weiteren Themen der Debatte gehörten

  • Der Gesundheitszustand von Trump und die Rolle eines Vizepräsidenten,

  • die Wirtschaft und die Programme der Kandidaten,

  • die Klimakrise,

  • das Verhältnis der USA zu China,

  • Polizeigewalt, die Proteste dagegen und mögliche Reformen der Justiz und der Sicherheitsbehörden,

  • die Frage, ob Trump eine Niederlage akzeptieren würde und

  • die Polarisierung im Land.

Icon: Der Spiegel

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