Lorenz Caffier zu Waffenkauf aus Nordkreuz-Umfeld – Interview
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Foto: Jens Büttner / dpa
SPIEGEL: Seit Tagen fragen sich Journalisten und Öffentlichkeit, ob der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern beim Geschäftsführer der Firma "Baltic Shooters", der mit dem Rechtsextremisten-Netzwerk "Nordkreuz" in Verbindung gebracht wird, eine Waffe gekauft hat. Haben Sie?
Caffier: Ja, habe ich. Eine Kurzwaffe. Anfang 2018, auf Basis der gesetzlichen Grundlagen und zu einem Zeitpunkt, als der Mann noch nicht unter Verdacht stand und im In- und Ausland als zuverlässiger Ausbildungspartner der Polizei galt. Seit 2009 haben auf seinem Trainingsgelände bei Güstrow Spezialeinheiten unter anderem aus Thüringen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen trainiert. Auch die Österreichische Bundespolizei und Polizisten aus der Schweiz haben dort geübt. Keiner hat bei Frank T. mögliche Kontakte zu Rechtsextremisten vermutet.
SPIEGEL: Schon im August 2017 gab es Durchsuchungen des Bundeskriminalamts bei Marko G., der als Mitglied eines Sondereinsatzkommandos des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern auf dem Schießplatz der "Baltic Shooters" als Ausbilder tätig war.
Caffier: Meinen Behörden und mir lagen Anfang 2018 keine Verdachtsmomente zu der Firma vor. Deshalb war ich beim Kauf auch arglos. Anfang 2019 übermittelte das Bundeskriminalamt auf Drängen des Landkriminalamtes Mecklenburg-Vorpommern erste Unterlagen zum Nordkreuz-Komplex, sodass wir auch im Land die Ermittlungen aufnehmen konnten. Diese Ermittlungen förderten mehrere Vorfälle mit rechtsextremistischem Bezug beim SEK zutage, über die ich Mitte 2019 die Öffentlichkeit informiert habe. Dabei ging es um Kontakte zu Marko. G. und dem Umfeld auf dem Schießplatz Güstrow. In der Folge habe ich die Zusammenarbeit des Landeskriminalamtes mit der Firma Baltic Shooters sofort gestoppt. Mit dem Wissen von 2019 hätte ich natürlich keine Waffe dort erworben.
SPIEGEL: Wofür brauchen sie überhaupt eine Waffe? Als Innenminister haben Sie doch bewaffnete Personenschützer?
Caffier: Ich bin seit 40 Jahren Jäger, da gehören Kurzwaffen zur normalen Ausrüstung. Und ich führe sie ausschließlich zur Jagd.
SPIEGEL: Warum sind Sie nicht einfach in ein Waffengeschäft gegangen und haben die Kurzwaffe dort gekauft?
Caffier: Bin ich doch. Frank T. war ein offiziell zugelassener Waffenhändler, ist es übrigens noch immer. Und da ich dort auch dienstlich war, weil auch unsere Spezialeinheiten bei ihm trainiert haben und ich die Waffe dort einschießen konnte, war dies eine nahe liegende Entscheidung.
SPIEGEL: Anfragen von taz-Journalisten zum Waffenkauf haben Sie über Monate mit dem Hinweis abgeblockt, man möge Sie privat fragen. Haben Sie wirklich geglaubt, die Angelegenheit, angesichts der schwer wiegenden Verdachtsmomente gegen Frank T., sei ihre Privatangelegenheit? Sie sind Innenminister!
Caffier: So blöde es klingen mag: Ja, das habe ich. Nun muss ich aber zur Kenntnis nehmen, dass mir offenbar eine Nähe zu Nordkreuz oder dem Nordkreuz-Umfeld angedichtet werden soll. Das ist kompletter Unsinn und ehrverletzend.
SPIEGEL: Das hätten Sie schon Anfang 2019 mit einer dienstlichen Erklärung zum Waffenkauf vermeiden können.
Caffier: Ja, das wäre richtig und wichtig gewesen. Dies nicht getan zu haben, war ein Fehler, den ich bedauere. Aber ich hatte damals andere Sorgen, schließlich war auch ein Angehöriger unserer Spezialeinheiten federführend bei "Nordkreuz" dabei. Da mussten wir disziplinarisch handeln, wir haben eine Untersuchungskommission eingesetzt, unser SEK umstrukturiert ….
SPIEGEL: … und da ist Ihnen niemals der Gedanke gekommen, dass in diesem Kontext der Waffenkauf für Sie ein Problem werden könnte?
Caffier: Nein. Das kann man naiv finden, aber es war so. Wie gesagt: Zum Zeitpunkt des Kaufs galt Frank T. als unbescholtener Top-Experte. Und an meinem Engagement gegen den Rechtsextremismus gab es nie einen Zweifel. Schon 2008 hat mir der SPIEGEL eine führende Rolle im Kampf gegen Rechts bescheinigt. Ob beim NPD-Verbotsverfahren oder bei der Bekämpfung rechtsextremistischer Kameradschaften, Mecklenburg-Vorpommern mit mir als Innenminister war immer ganz vorn dabei. Und wir sind es auch, die als erste bei Bewerbern für den Polizeidienst die Regelanfrage beim Verfassungsschutz wieder einführen wollen.
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