Krieg in Gaza: Israels Militär soll Warnungen vor Hamas-Angriff abgetan haben
Vor sieben Wochen griffen Hamas-Terroristen in einer bis dahin beispiellosen Attacke Israel an. Das israelische Militär war auf den Angriff aus dem Gazastreifen weitestgehend unvorbereitet – dabei soll es zuvor konkrete und sehr detaillierte Warnungen gegeben haben, wie die »Financial Times« nun berichtet .
Ein mit der Sache betrauter hochrangiger Offizier des israelischen Militärgeheimdienstes habe die Meldungen jedoch als »imaginäres Szenario« zurückgewiesen. Das meldet die Zeitung unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.
Konkret geht es um Aussagen von Soldaten und Soldatinnen, die in den Wochen vor der Attacke die Lage im Gazastreifen und den elektronischen Sicherheitszaun überwacht hatten. Aus ihren Einschätzungen soll ein detaillierter Bericht entstanden sein, der vor der Gefahr eines Angriffs warnte. Diese Warnungen sollen sehr genau dem entsprochen haben, was dann später tatsächlich geschah.
Der Bericht sei an den ranghöchsten für Südisrael zuständigen Geheimdienstoffizier weitergeleitet worden. Darin wurde aufgeführt, dass die Hamas an mehreren Orten Grenzposten in die Luft sprengen, israelisches Territorium betreten und Kibbuzim übernehmen könne.
Genau dieser Plan wurde am 7. Oktober tatsächlich von den islamistischen Terroristen in die Tat umgesetzt. Mit Bulldozern rammten die Hamas-Kämpfer Breschen in den Hochsicherheitszaun um den Gazastreifen und drangen nach Israel ein. Bei der Attacke wurden mehr als 1200 Menschen getötet, 240 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Einige dieser Geiseln kamen nun nach einer Vereinbarung zwischen Israel und den Hamas nach sieben Wochen Gefangennahme frei.
Auf Nachfrage der »Financial Times« wollte sich das israelische Militär zunächst nicht zu der Recherche äußern. Man sei derzeit mit dem Kampf gegen die Hamas betraut. »Nach dem Krieg wird eine gründliche Untersuchung durchgeführt, um alle Details zu klären«, sagte ein Sprecher.
Der Artikel der »Financial Times« lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Aber er deckt sich mit anderen Berichten über das Thema. Die Zeitung »Haaretz« schrieb jüngst etwa über Frauen , die in Aufklärungseinheiten der israelischen Armee dienen. Sie berichteten, dass ihre Warnungen ebenfalls nicht ernst genommen worden seien. Sie hätten wiederholt bedenkliche Entwicklungen gemeldet, aber diese seien bei den Vorgesetzten zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus gegangen.
Konkret sei es um verdächtige Hamas-Aktivitäten nahe dem Grenzzaun, verstärkte Drohnenaktivität, den Versuch, Überwachungskameras auszuschalten und Übungen zum Beschuss von Panzern gegangen.
Auch der Sender N12 meldete jüngst , eine Soldatin habe über Monate gewarnt, die Hamas könne in großem Stil auf israelisches Territorium eindringen. Man habe entsprechende Übungen und Vorbereitungen an der Grenze registriert. Aber die Vorgesetzten hätten dies als Hirngespinst abgetan.
Ein ranghoher Offizier soll demnach gesagt haben, er wolle diesen Blödsinn nicht noch einmal hören. Wenn man ihn damit erneut behellige, werde man zur Verantwortung gezogen.

