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Gesundheitssystem und Profitgier: “Wir verkaufen Operationen, weil es sich lohnt”

October 08
20:01 2020
Umes Arunagirinathan: "Eigentlich müsste der Mensch im Mittelpunkt stehen"

Umes Arunagirinathan: "Eigentlich müsste der Mensch im Mittelpunkt stehen"

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Ulrike Hage

Die schwer kranke Seniorin im Rollstuhl, 85 Jahre alt und dement, sollte eine neue Herzklappe bekommen. "Profitieren wird sie davon nicht", gab der Stationsarzt zu bedenken, auch sei das Risiko für Komplikationen sehr hoch. "Ich weiß", antwortete der Klinikchef, "aber haben Sie sich mal unsere Zahlen angesehen?"

"Es geht fast immer ums Geld", sagt der 42-jährige Herzchirurg Umes Arunagirinathan, genannt Umes, der solche Situationen immer wieder erlebt. Er praktiziert seit mehr als zwölf Jahren, arbeitete in privaten und kommunalen Krankenhäusern, darunter drei Unikliniken. Derzeit steht er fast täglich im Operationssaal einer Bremer Einrichtung, erneuert Herzklappen, legt Bypässe, assistiert dem Chefarzt. Und kriegt ständig mit, wie Kostendruck, Sparzwänge und Gewinnstreben den Klinikalltag bestimmen, meist zulasten der Kranken.

Krankenhäuser, die ums Überleben kämpfen

In seinem Buch "Der verlorene Patient", das Mitte Oktober bei Rowohlt erscheint, prangert der Mediziner vor allem zunehmendes Profitstreben an, das nach seiner Auffassung im Medizinbetrieb nichts zu suchen hat. "Gesundheit ist kein wirtschaftliches Gut und kein industrielles Produkt, das man herstellen kann wie ein Auto oder einen Computer", mahnt er. Das Ziel, damit Gewinne zu machen, sei grundfalsch.

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