Galeria Karstadt-Kaufhof weckt Hoffnung auf Erhalt einzelner Filialen von Schließungsliste
Die Nachricht hat vielerorts für Verunsicherung gesorgt: 52 Filialen will Galeria Karstadt Kaufhof dichtmachen. Bei manchen Standorten könnte das Unternehmen aber noch einlenken – sofern etwa Vermieter entgegenkommen.
Die Betroffenheit über das angekündigte Aus von 52 Filalen von Galeria Karstadt Kaufhof ist riesig. Nun schließt der Warenhauskonzern ein Umdenken bei einzelnen zur Schließung vorgesehenen Filialen nicht aus – vorausgesetzt, es gibt weitere Zugeständnisse von Vermietern oder Kommunen.
»Sollten sich an der aktuellen Fortführungsperspektive der Filialen signifikante Änderungen ergeben, kann es durchaus zu einer Neubewertung kommen«, sagte ein Unternehmenssprecher in Essen der Nachrichtenagentur dpa.
Zuvor hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz dem »Handelsblatt« zufolge bereits betont, dass die Frage, ob ein Standort erhalten bleibt, auch von möglichen Zugeständnissen der Vermieter abhängt. Womöglich besteht für einige Filialen also doch noch Hoffnung – und damit für manche der Tausenden betroffenen Beschäftigten. Dies gilt erst recht, nachdem auch im ersten Insolvenzverfahren 2020 sich die Zahl der Schließungsfilialen aufgrund von Zugeständnissen in letzter Minute noch verringert hat.
Übernahme durch Modehandelskette Aachener?
Nach wie vor steht offenbar auch noch die Übernahme einzelner Warenhausstandorte durch andere Händler im Raum. Bereits im Januar hatte Galeria berichtet, mehrere Bieter hätten Interesse an der Übernahme von Geschäften geäußert. Darunter war auch die Dortmunder Modehandelskette Aachener. Ein Durchbruch ist in den Gesprächen aber offenbar bislang nicht erzielt worden. »Zum jetzigen Zeitpunkt konnte keine Einigung mit einem Übernehmer geschlossen werden«, sagte der Firmensprecher.
Deutschlands letzte große Warenhauskette hatte am Montag angekündigt, im Zuge des laufenden Insolvenzverfahrens 52 der bislang noch 129 Warenhäuser schließen zu wollen. Die Schließung soll in zwei Wellen bis Ende Januar kommenden Jahres erfolgen. Dadurch werden auch mehrere Tausend Arbeitsplätze wegfallen.
Nach den Plänen des Warenhauskonzerns sollen die verbleibenden 77 Filialen in den kommenden drei Jahren allesamt umfassend modernisiert werden. In Zukunft will sich der Konzern bei seinem Angebot vor allem auf die Bereiche Bekleidung, Schönheitspflege und Wohn-Accessoires konzentrieren. Allerdings muss vor dem Neustart noch die Gläubigerversammlung am 27. März in Essen zustimmen. Lehnt sie den Insolvenzplan ab, droht dem Unternehmen das sofortige Aus.
Unterdessen wächst die Kritik an den Schließungsplänen. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sagte mit Blick auf den Eigentümer der Kaufhauskette, René Benko: Der Bund müsse »den Milliardär Herrn Benko zur Verantwortung ziehen«. Die Kette sei mit viel Steuergeldern unterstützt worden und nun solle es für viele Standorte trotzdem keine Zukunft mehr geben.
Laut »Handelsblatt « übt auch der Gerrit Heinemann, Handelsexperte von der Hochschule Niederrhein, Kritik. »Die Listen, welche Häuser geschlossen werden und welche nicht, sind überhaupt nicht konsistent und nicht nachvollziehbar«, wird er zitiert.
Galeria hatte Ende Oktober zum zweiten Mal innerhalb von weniger als drei Jahren Rettung in einem Schutzschirm-Insolvenzverfahren suchen müssen. Als Grund für die bedrohliche Lage des Unternehmens nannte Konzernchef Miguel Müllenbach damals die explodierenden Energiepreise und die Konsumflaute in Deutschland. Der Gesamtbetriebsrat macht aber auch Managementfehler dafür mitverantwortlich.

