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Donald Trump: Weißes Haus vernachlässigt offenbar Aufklärung von Infektionsketten

October 04
21:30 2020
Nominierung von Amy Coney Barrett als nächste Supreme-Court-Richterin im Rosengarten des Weißen Hauses: Viele hochrangige Politiker haben sich wahrscheinlich auf dieser Veranstaltung mit dem Coronavirus infiziert Icon: vergrößern

Nominierung von Amy Coney Barrett als nächste Supreme-Court-Richterin im Rosengarten des Weißen Hauses: Viele hochrangige Politiker haben sich wahrscheinlich auf dieser Veranstaltung mit dem Coronavirus infiziert

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Nach Donald Trumps Ansteckung mit dem Coronavirus mehrt sich Kritik am Weißen Haus, mögliche Infektionsketten nicht konsequent zu verfolgen. Die "Washington Post" listet entsprechende Vorwürfe gegen das Krisenmanagement der US-Regierung auf.

Die verantwortliche Gesundheitsbehörde CDC hat demnach zwar ein Team bereitgestellt, um Kontakte nachzuverfolgen. Bislang habe aber noch niemand diesem Team gesagt, es solle sich an die Arbeit machen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mehrere Insider. Trumps Leibarzt Sean Conley hatte zuvor gegenüber der Presse mitgeteilt, sein Ärzteteam arbeite mit der CDC zusammen.

Conley hatte ebenfalls gesagt, er stimme sich mit lokalen Gesundheitsbehörden ab. Doch die entsprechenden Behörden in Minnesota, Ohio und New Jersey teilten auf Nachfrage mit, sie hätten bislang nichts vom Weißen Haus gehört und würden Kontakte möglicher Infizierter nun auf eigene Faust nachverfolgen. Trump hatte sich in den vergangenen Tagen, als er womöglich schon infiziert war, in den drei US-Bundesstaaten aufgehalten.

Rosengarten-Besucher noch nicht kontaktiert

Der Staat New Jersey besorgte sich auf eigene Initiative die Teilnehmerliste einer Spendengala in einem Golfklub, die Donald Trump nur wenige Stunden vor seinem positiven Corona-Test besucht hatte. An der Veranstaltung nahmen demnach mehr als 200 Menschen teil. Das nationale Organisationsgremium der Republikanischen Partei empfahl den Teilnehmern später per Mail, zum Arzt zu gehen, falls sie oder ihre Angehörigen typische Corona-Symptome entwickelten. Das Weiße Haus blieb untätig.

Mehrere hochrangige Politiker, die inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, haben sich wahrscheinlich während der Nominierung von Amy Coney Barrett als nächste Supreme-Court-Richterin angesteckt, bei einer Veranstaltung am 26. September im Rosengarten des Weißen Hauses. Insgesamt waren rund 150 Gäste eingeladen – was gegen die Regeln des US-Bundesstaats Washington D.C. verstößt, in dem öffentliche Versammlungen derzeit auf 50 Menschen begrenzt sind. Die meisten Besucher des Rosengartens trugen keinen Mund-Nasen-Schutz, manche umarmten sich zur Begrüßung.

Mehrere Besucher des Rosengartens teilten auf Nachfrage mit, bis heute nicht vom Weißen Haus kontaktiert worden zu sein. Hinweise, sich vorsorglich 14 Tage in Quarantäne zu begeben, hätten sie nicht erhalten – obwohl dies eigentlich der Standard für alle ist, die sich länger als 15 Minuten in der Nähe von später positiv getesteten Menschen aufgehalten haben.

Mitarbeiter des Weißen Hausesgaben gegenüber der "Washington Post" ebenfalls an, kaum medizinische Anweisungen erhalten zu haben. Wer Corona-Symptome habe, solle sich fünf bis zehn Tage in Quarantäne begeben, habe man ihnen lediglich gesagt. Viele der befragten Mitarbeiter hätten nicht einmal gewusst, wer im Weißen Haus für die Nachverfolgung möglicher Infektionsketten verantwortlich sei, berichtet die Zeitung. "Die wollen den Eindruck erwecken, es sei nichts Schlimmes passiert", wird eine Mitarbeiterin zitiert.

Das Weiße Haus teilte auf Anfrage mit, man verhalte sich gemäß der CDC-Richtlinien und habe inzwischen ein robustes Programm zur Kontaktnachverfolgung aufgestellt. Aus dem Umfeld der US-Regierung hieß es, man werde, "sofern dies nötig ist", zusätzliche Hilfe von der Gesundheitsbehörde anfordern.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Weiße Haus wegen seiner knappen Informationspolitik in der Kritik steht. So war die Infektion von Trumps Beraterin Hope Hicks zunächst durch einen Artikel der Nachrichtenagentur Bloomberg bekannt geworden und nicht vom Weißen Haus kommuniziert worden. Auch Trumps Wahlkampfgegner Joe Biden wurde nicht über die Infektion des US-Präsidenten informiert, sondern erfuhr davon aus den Medien.

Icon: Der Spiegel

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