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Donald Trump und seine Steuern: Präsident im Schuldenpalast

September 29
12:58 2020
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Donald Trump vor dem Weißen Haus: Seine Schulden seien "eine Frage der nationalen Sicherheit"

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Die unter chronischen Geldnöten leidende Karibikinsel Puerto Rico bekam vor ein paar Jahren einen Gratis-Ratschlag vom späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten. Das US-Territorium solle sein Schuldenproblem doch auf die Weise lösen, die er selbst bei vielen seiner Unternehmen erfolgreich genutzt habe, empfahl Donald Trump: erst die Pleite erklären, um die Gläubiger loszuwerden – und dann ab zurück ins Geschäft.

"Vergessen Sie nicht, ich bin der König der Schulden", brüstete sich der New Yorker Immobilienmogul damals. "Ich weiß mehr über Schulden als praktisch jeder andere. Ich liebe Schulden. Ich liebe es auch, Schulden zu verringern. Und ich kann das besser als jeder andere."

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Die sich selbst zugeschriebene Fähigkeit muss Trump nun womöglich bald unter Beweis stellen. Laut der "New York Times" haftet der amerikanische Präsident persönlich für Schulden seines Geschäftsimperiums im Umfang von 421 Millionen Dollar. Der Großteil der Kredite werde in den nächsten vier Jahren fällig. Doch es macht nicht den Anschein, als sei der Mann im Weißen Haus flüssig.

Anhand von Trumps Steuererklärungen hat die Zeitung herausgearbeitet, dass die meisten seiner Golfressorts und Hotels notorisch Verluste schreiben. Und die Corona-Pandemie, die die Branche in eine tiefe Rezession gestürzt hat, hat auch seine Luxusabsteigen nicht verschont.

  • Die Recherchen der "New York Times" lesen Sie hier: "Trump's Taxes Show Chronic Losses and Years of Tax Avoidance"

So hat das Unternehmen, dem Trumps Hotel in Vancouver gehört, im August Insolvenz angemeldet. Im Trump International in Washington logierten nach einem Bericht des "Wall Street Journal" an einem Tag im März gerade mal elf Gäste in den 263 Räumen an der Pennsylvania Avenue. Der "New York Times" zufolge hat die Trump-Organisation die Trump-Regierung gebeten, die Leasingraten für das ehemalige Postgebäude zu reduzieren.

Auch bei der Deutschen Bank, die für den Schuldenkönig zur bevorzugten Kredit-Anlaufstelle wurde, nachdem viele andere Geldgeber das Weite gesucht hatten, klopften Firmenvertreter an, um über mögliche Erleichterungen beim Schuldendienst zu sprechen.

Dass Trump Schulden besonders dann liebt, wenn er sie auf Kosten anderer loswerden kann, haben viele seiner Geschäftspartner schmerzhaft erlebt. Seine Casino-Investments endeten in den Neunzigerjahren mit sechs Pleiten. Doch im Gegensatz zu anderen Finanziers ließen sich die Deutschen davon nicht abschrecken. Seit 1998 hat die Deutsche Bank Trump und seinen Unternehmen der "New York Times" zufolge rund zwei Milliarden Dollar geliehen. Als er 2017 ins Weiße Haus einzog, schuldete er dem Institut demnach schlappe 350 Millionen Dollar.

Ob die Deutsche Bank der oder zumindest einer der Gläubiger von Trumps persönlichen Schulden von 421 Millionen Dollar ist, darüber darf nun spekuliert werden. Er selbst behauptete am Dienstag auf Twitter, im Gegensatz zu dem Zeitungsbericht nicht nur "viele Millionen Steuern" gezahlt zu haben, sondern sogar zu wenig Fremdkapital einzusetzen: "Verglichen mit meinen Vermögenswerten habe ich sehr wenig Schulden."

Doch nicht nur die "New York Times", auch der "Forbes"-Journalist Dan Alexander beschreibt, dass Trumps Schuldenberg real ist. Auf Twitter veröffentlichte Alexander Dokumente, die zeigen, dass Trump sogar für seinen alten New Yorker Wohnsitz, den Trump Tower, noch keinen Cent eines 100-Millionen-Dollar-Kredits abgelöst hat. Alexander, Autor des gerade erschienenen Buchs "White House, Inc. How Donald Trump Turned the Presidency into a Business", taxiert die Außenstände des Imperiums auf 1,1 Milliarden Dollar – bei einem Wert der Immobilien und sonstigen Investments von etwa 3,7 Milliarden Dollar. Die meisten von Trumps Bankern "sollten da nachts noch schlafen können", urteilt Alexander.

Aber gilt das auch für den Rest der Amerikaner? Kritiker warnen, dass sich der US-Präsident durch seine Geschäftsinteressen erpressbar gemacht hat. "Kein Regierungsangestellter mit Problemen wie die Trumps mit Schulden und Steuern würde eine Sicherheitsfreigabe bekommen, angesichts der Möglichkeit, unter Druck gesetzt oder erpresst zu werden", erklärte die Rechtsprofessorin Joyce Alene, die während der Obama-Administration Generalstaatsanwältin in Alabama war, und warnte: "Aber Trump hat die Atomcodes."

"Trump stellt ein ernstes nationales Sicherheitsrisiko dar", urteilt auch der "Bloomberg"-Autor Tim O'Brien – und nach seiner Ansicht wächst dieses Risiko, wenn der Präsident wiedergewählt wird. Denn Trump sei nicht nur hoch verschuldet. Er hänge trotz seines – formalen – Rückzugs aus dem Management seiner Unternehmen finanziell von den Einkünften seiner Firmen im Ausland ab. Der "New York Times" zufolge hat Trump in den ersten zwei Jahren seiner Präsidentschaft insgesamt 73 Millionen Dollar im Ausland verdient – darunter auch in den autoritär regierten Ländern Türkei und Philippinen.

Wenn Trump seine Kredite nicht mehr bedienen könne, dann müsse er entweder Vermögenswerte verkaufen oder sich "von einem Freund mit Fonds heraushauen lassen", so O'Brien. Trump werde sich im Zweifel für die zweite Option entscheiden, mutmaßt der Autor des Buchs "TrumpNation: The Art of Being the Donald". Wenn dann in einem solchen Fall der russische Präsident Wladimir Putin dafür sorgen würde, dass dem US-Kollegen geholfen werde, "wie hart wird Trump noch gegen Russland vorgehen?", fragt O'Brien.

Die Demokraten sehen das naturgemäß ähnlich. Trumps Schulden seien "eine Frage der nationalen Sicherheit", erklärte Nancy Pelosi, die Sprecherin im Repräsentantenhaus. Die amerikanische Öffentlichkeit müsse wissen, wer die Geldgeber seien und welche Gegenleistungen sie bekommen würden.

Für den Ökonomen Paul Krugman ist ein anderer Aspekt der Enthüllungen noch wichtiger: Sie würden verdeutlichen, dass Trump vor dem persönlichen Ruin stehe, wenn er nach der Wahl im November das Präsidentenamt verliere. Krugmans düstere Vorhersage: Trump werde sich mit allen Mitteln ans Amt klammern, egal wie die Wahl ausgehe: "Er wird nicht einmal ein Lippenbekenntnis für die Idee abgeben, friedlich die Wahl zu verlieren."

Icon: Der Spiegel

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