Coronavirus: Angela Merkel lässt schärfere Corona-Maßnahmen prüfen
Icon: vergrößernBundeskanzlerin Merkel will der wohl noch ansteckenderen Corona-Mutation aus Großbritannien offenbar mit verschärften Maßnahmen entgegentreten
Foto: Markus Schreiber / AP
Deutschland stehen womöglich abermals verschärfte Corona-Maßnahmen bevor. Um die Ausbreitung des Coronavirus und weiterer, wohl noch ansteckenderer Mutationen zu verhindern, lässt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) offenbar unter anderem die Möglichkeiten für eine bundesweite Einstellung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs sondieren. Zuvor hatte die »Bild«-Zeitung darüber berichtet.
Nach SPIEGEL-Informationen werden in den Gesprächen zwischen der Kanzlerin und ihren Ministerinnen und Ministern derweil noch weitere Maßnahmen geprüft. So wird etwa beraten, ob zum Schutz vor der Mutation wieder Grenzkontrollen eingeführt werden müssen oder ob das Tragen von FFP2-Masken verordnet werden soll, wie es in Bayern bereits der Fall ist. Auch eine mögliche Vorschrift an die Wirtschaft, wonach mehr Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten sollen, wird diskutiert.
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Es handele sich bislang aber nur um eine Sammlung von Vorschlägen, sagte ein Kabinettsmitglied dem SPIEGEL. Beschlossen ist bislang keine der Maßnahmen, einige der Vorschläge wurden bislang auch als unrealistisch verworfen. Beschlüsse könnten ohnehin nicht ohne die Zustimmung der jeweiligen Länderchefinnen und -chefs gefasst werden.
Bund und Länder sollen regulär am 25. Januar über die weiteren Pandemie-Maßnahmen beraten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte am Donnerstag indes für ein Vorziehen der Beratungen plädiert. Laut der Nachrichtenagentur dpa machte auch Merkel bereits in einer Online-Sitzung des CDU-Präsidiums deutlich, dass sie nicht erst wie geplant am übernächsten Montag mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten wolle.
Derzeit sondiert die Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten in Telefonaten einen früheren Termin. Die Regierungschefs der SPD-geführten Länder wollen sich noch heute Abend abstimmen.
Zuletzt hatte auch das Robert Koch-Institut (RKI) einen schärferen Shutdown angeregt. »Wir müssen die Fallzahlen unbedingt reduzieren und daher weiterhin unsere Kontakte reduzieren«, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Donnerstag bei einem Pressebriefing. Wieler befürwortete eine Verschärfung der derzeit geltenden Maßnahmen als »Option«.
Zuletzt hatten die Gesundheitsämter binnen 24 Stunden 25.164 neue Corona-Infektionen gemeldet. Mehr als 1200 Menschen starben laut RKI an oder mit dem Virus, ein neuer Höchststand. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 151,2 Fällen pro 100.000 Einwohner.
Laut RKI muss davon ausgegangen werden, dass die in Großbritannien nachgewiesenen Corona-Mutationen die Lage in Deutschland noch verschlimmern. Sie sind offenbar deutlich ansteckender als die bisherige Virusvariante. Bisher sind hierzulande laut RKI 16 Fälle der Mutationen nachgewiesen worden.
Die neuen Virusvarianten treiben offenbar auch die Kanzlerin um. Am Mittwoch diskutierte sie im Kabinett, was geschehen müsse, wenn Frankreich die Einreisen aus Irland nicht unterbinde: Dann müsse man womöglich Kontrollen an der Grenze zu Frankreich einrichten – eine weitreichende Maßnahme, die man in dieser Pandemie gern verhindern würde.
Icon: Der Spiegel

