Corona: Was taugt Markus Söders Plan für eine Ampel?
Icon: vergrößernLaut Epidemiologen reicht die Zahl der Neuinfektionen als Kriterium für die Ampel allein nicht aus
Foto: Richard Newstead / Getty Images
Ein Frosch, der in heißes Wasser geworfen wird, springt sofort davon. Setzt man ihn dagegen in lauwarmes Wasser und erhöht langsam die Temperatur, bleibt das Tier hocken, bis es kocht. Zwar haben Biologen diese Mär schon mehrfach ausgeräumt, doch sie hält sich hartnäckig als Umschreibung für das Unvermögen, adäquat auf schleichende Bedrohungen zu reagieren.
Wenn man so will, sitzt Deutschland derzeit auch in einem Glas mit unangenehm warmem Wasser, das sich allmählich erhitzt. Die Corona-Infektionszahlen steigen. Doch wie viel halten wir aus, und wann wird es Zeit, aus dem heißen Wasser zu springen?
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Genau darüber sollen Bund und Länder am Dienstag beraten. Zeitlich passend zu den bevorstehenden Verhandlungen brachte Bayerns Ministerpräsident und möglicher Kanzlerkandidat der Union (auch wenn er das selbst stets von sich weist), Markus Söder, in der "Süddeutschen Zeitung" eine bundesweit einheitliche Corona-Ampel ins Spiel. In Berlin gibt es ein solches System bereits, und Politiker mehrerer Parteien können der Idee etwas abgewinnen. Selbst NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der in der Coronakrise mit Söder mehrfach über Kreuz lag, ist für eine Corona-Ampel. In dem bereits durchgesickerten Entwurf der Beschlussvorlage ist zwar nicht ausdrücklich von einer Corona-Ampel die Rede, aber von einem "Frühwarnsystem".

