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Corona und Donald Trump: Offizielle Angaben passen nicht zum typischen Krankheitsverlauf

October 05
16:17 2020
In seinen Videobotschaften wirkt Trump gesund, doch ihm ging es offenbar schlechter als Ärzte zunächst glauben machen wollten Icon: vergrößern

In seinen Videobotschaften wirkt Trump gesund, doch ihm ging es offenbar schlechter als Ärzte zunächst glauben machen wollten

Foto: Tia Dufour / The White House / ZUMA Wire / imago images

Wann hat sich Donald Trump genau infiziert? Wann fiel der erste Corona-Test positiv aus? Wie schlecht geht es dem US-Präsidenten wirklich? Viele Fragen zu Trumps Covid-19-Erkrankung sind noch ungeklärt. Und die offiziellen Angaben passen nicht so recht zu dem, was bisher über einen typischen Verlauf der Krankheit bekannt ist.

Abweichungen bei Krankheitsverläufen sind durchaus möglich. Covid-19 entwickelt sich von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und kann eine ganze Reihe von Symptomen hervorrufen (Mehr dazu lesen Sie hier). Doch vor allem zwei Aspekte bei Trumps Krankheitsverlauf lassen aufmerken.

Warum bekam er Dexamethason?

Da sind zum einen die teils widersprüchlichen Angaben von Trumps Leibarzt, Sean P. Conley. Er hatte zunächst geleugnet, der US-Präsident sei auf eine Sauerstofftherapie angewiesen gewesen. Erst am Sonntag bestätigte Conley, dass die Sauerstoffwerte des Präsidenten am Freitagmorgen gefallen seien. Zuvor hatten mehrere US-Medien darüber berichtet. Trump sei zusätzlich mit Sauerstoff versorgt worden, so Conley. Der Präsident sei jedoch ziemlich sicher gewesen, die Therapie nicht zu brauchen.

Dass Covid-19-Patienten einen fitten Eindruck machen, obwohl ihre Sauerstoffwerte bereits deutlich gesunken sind, ist eine bekannte Tücke der Krankheit. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Normalerweise leiden viele Patienten mit einer Lungenentzündung unter Kurzatmigkeit. Warum das bei Covid-19 nicht immer der Fall, wissen Ärzte nicht genau. Möglicherweise werden die Lungenbläschen so geschädigt, dass es zwar an Sauerstoff mangelt, sich aber kein Kohlenstoffdioxid anreichert, das normalerweise für die Kurzatmigkeit sorgt.

So könnte zu erklären sein, warum Trump offenbar überzeugt war, keine Sauerstofftherapie zu benötigen. Trump hatte sich zuletzt in mehreren Videos zu Wort gemeldet und dabei keine Anzeichen für Kurzatmigkeit gezeigt. Das heißt jedoch nicht automatisch, dass er keine Lungenentzündung haben könnte. Leibarzt Conley sagte, er sei nicht sicher, ob Trump auch am Samstag mit Sauerstoff versorgt wurde, aber wenn, dann nur "sehr, sehr begrenzt". Seine widersprüchlichen Angaben erklärte Conley damit, er habe den Krankheitsverlauf des Präsidenten nicht negativ beeinflussen wollen.

Der Leibarzt bestätigte zudem, Trump sei mit Steroiden behandelt worden. Auch das spricht dafür, dass der Krankheitsverlauf des US-Präsidenten ernster ist, als Conleys erste Aussagen Glauben machten. Zudem bekam Trump das Medikament Remdesivir, das ebenfalls nur bei schwer erkrankten Patienten empfohlen wird. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Dexamethason ist ein schon seit Jahrzehnten in der Medizin eingesetztes Steroid und gehört zu den synthetischen Glucocorticoiden, umgangssprachlich oft einfach Kortison genannt. Es hemmt Entzündungen und schwächt die Immunreaktion des Körpers. Die Wirkung ist dabei etwa 30-mal stärker als bei natürlichen Glucocorticoiden, die der Körper selbst produziert. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Bei schweren Verläufen von Covid-19 kommt es häufig zu einem sogenannten Zytokin-Sturm: Einer lebensgefährlichen Fehlreaktion des Immunsystems. Dexamethason greift bei einer Covid-19-Erkrankung nicht das Virus selbst an, sondern wirkt dieser Fehlreaktion des Immunsystems entgegen. Bei milden Verläufen könnte die Einnahme von Dexamethason deswegen sogar schaden, weil das Immunsystem gedämpft wird. Es wäre deshalb ungewöhnlich, wenn sich Trumps Ärzte trotz eines milden Verlaufs für die Gabe von Dexamethason entschieden hätten.

Wie konnte der Präsident so schnell erkranken?

Ungewöhnlich an Trumps bekanntem Krankheitsverlauf ist auch, dass er so schnell nach einem ersten positiven Testergebnis Symptome zeigte, obwohl er routinemäßig in regelmäßigen Abständen auf das Coronavirus getestet worden sein soll.

US-Medien spekulieren deshalb, ein erster Test könnte schon früher positiv ausgefallen sein, Trump habe dies jedoch möglicherweise verschleiert. So berichtet die "New York Times", ein Schnelltest habe schon am Donnerstagmorgen (Ortszeit) ein positives Ergebnis geliefert, und beruft sich auf Insider.

Offiziell bestätigt wurde die Infektion nach einem zuverlässigeren PCR-Test in der Nacht zu Freitag. Noch am selben Tag sanken die Sauerstoffwerte des Präsidenten erstmals, wie aus den Angaben des Leibarztes hervorgeht. Das spricht dafür, dass sich Trump schon lange vor dem offiziellen ersten positiven Testergebnis angesteckt hat.

Zwischen Ansteckung und Erkrankung vergehen im Mittel zwischen fünf und sechs Tage. Deshalb gilt auch die Feier zur Nominierung von Amy Coney Barrett als Supreme-Court-Richterin am vergangenen Samstag als mögliches Superspreading-Event. Mehrere Teilnehmer der Veranstaltung waren positiv getestet worden.

Das wirft die Frage auf, wie zuverlässig die Teststrategie des Präsidenten war. Das Weiße Haus hatte Corona-Schnelltests bei jeder Person vorausgesetzt, die in den Regierungssitz vorgelassen werden wollte. Allerdings liefern diese Schnelltests laut Berichten der "New York Times" häufig unzuverlässige Ergebnisse. Bei Menschen, die noch keine Symptome haben, erkennt der Test demnach einen von drei Infizierten nicht. Das Weiße Haus setzt die Tests also offenbar zu einem Zweck ein, für die sie überhaupt nicht gedacht sind.

In einer Notfallzulassung empfiehlt die US-Arzneimittelbehörde den Einsatz nur innerhalb der ersten sieben Tage der Symptome. Da Infizierte jedoch sehr wahrscheinlich schon ansteckend sein können, bevor erste Beschwerden auftreten, ist ein negativer Schnelltest kein Garant für Sicherheit.

Deutlich zuverlässiger wären PCR-Tests, die in einer Studie bis zu sechs Tage vor dem Beginn von Symptomen eine Infektion mit Sars-CoV-2 nachweisen konnten. Doch deren Ergebnisse liegen nicht wie bei den vom Weißen Haus eingesetzten Schnelltests innerhalb von 15 Minuten vor. Das zeigt, dass Schnelltests kein Ersatz für das Einhalten von Abstands- und Hygieneregeln sind und sich nur bedingt zum Nachweis einer Infektion eignen. Doch im Weißen Haus reichte offenbar ein negatives Schnelltestergebnis aus, um an offiziellen Treffen teilzunehmen – ohne Maske.

Icon: Der Spiegel

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