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Corona-Krise in den USA: Michelle Obama wirft Donald Trump “vorsätzliches Missmanagement” vor

October 07
02:13 2020
Michelle Obama bei ihrer Videobotschaft zum Parteitag der Demokraten im August Icon: vergrößern

Michelle Obama bei ihrer Videobotschaft zum Parteitag der Demokraten im August

Foto: POOL / REUTERS

"Im Moment herrscht in unserem Land Chaos wegen eines Präsidenten, der seinem Job nicht gewachsen ist": Die frühere First Lady Michelle Obama hat US-Präsident Donald Trump knapp einen Monat vor der Wahl scharf attackiert. Alle Amerikaner spürten die Konsequenzen der Tatsache, dass der Präsident die Pandemie nicht ernst genommen habe und immer noch keinen schlüssigen Plan zu deren Bekämpfung habe, sagte Obama in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft.

Andere Länder hätten die Pandemie unter Kontrolle bekommen. "Sie wurden vom gleichen Virus getroffen wie wir. Sie hatten die gleichen Mittel wie wir. Aber womit sie nicht fertig werden mussten, war dieser Präsident", sagte die Frau von Trumps Vorgänger Barack Obama. Sie rief daher zur Wahl des Demokraten Joe Biden auf. Barack Obamas früherer Vizepräsident tritt bei der Wahl am 3. November gegen den Republikaner Trump an.

Michelle Obama bezichtigte Trump, die Amerikaner zu belügen und die Bedrohung der Pandemie weiter herunterzuspielen. "Wir können diesem Präsidenten nicht vertrauen, uns die Wahrheit über irgendetwas zu sagen", sagte Obama. Zudem warf sie Trump "vorsätzliches Missmanagement" der Pandemie vor.

Inzwischen seien mit mehr als 200.000 Menschen mehr Amerikaner nach einer Corona-Infektion gestorben als in den Kriegen im Irak, in Afghanistan, in Vietnam und Korea zusammengenommen. "Nehmen Sie all diese heldenhaft geopferten Leben und verdoppeln sie die Zahl. Das ist in etwa das Ausmaß dieser Tragödie", sagte Obama.

Trump, der selbst mit dem Coronavirus infiziert ist, verglich Covid-19 nach seinem Krankenhausaufenthalt erneut mit der Grippe. "Die Grippesaison steht vor der Tür! Jedes Jahr sterben viele Menschen an der Grippe, manchmal mehr als 100.000, und trotz der Impfung. Legen wir unser Land still? Nein, wir haben gelernt, damit zu leben, so wie wir lernen, mit Covid zu leben, das in vielen Bevölkerungen weit weniger tödlich ist!!!", schrieb Trump auf Twitter (warum der Vergleich von Covid-19 mit der Grippe nicht angemessen ist, lesen Sie hier).

Trumps Corona-Infektion war am Freitag bekannt geworden. Am Montag rief er die Amerikaner auf, keine Angst vor dem Virus zu haben. In den USA sind seit Beginn der Pandemie mehr als 210.000 Menschen nach einer Infektion gestorben, in absoluten Zahlen mehr als in jedem anderen Land der Welt. Der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge starben in den USA seit 2010 jährlich zwischen 12.000 und 61.000 infolge einer Grippe.

Der Kurznachrichtendienst verbarg den Grippe-Vergleich mehrere Stunden später hinter einem Hinweis, in dem zu lesen war, dass der Tweet "irreführende und potenziell gefährliche Informationen" über Covid-19 verbreite. Da möglicherweise ein öffentliches Interesse daran bestehe, bleibe er aber zugänglich. Der Tweet kann allerdings nur noch mit einem Kommentar weiterverbreitet werden. Auf Facebook war die Nachricht gar nicht mehr zu finden.

Besonders zu Beginn der Pandemie hatte Trump Covid-19-Erkrankungen wiederholt mit einer Grippe-Infektion verglichen. Im September wurde bekannt, dass Trump die gravierenden Risiken des Virus bewusst waren: Im Gespräch mit dem Investigativjournalisten Bob Woodward hatte er im Februar gesagt, Covid-19 sei "tödlicher" als eine schwere Grippe.

Trump zeigt angeblich "keine Symptome" mehr

Trumps Leibarzt Sean Conley teilte am Dienstag mit, der Präsident habe sich in der ersten Nacht nach der Rückkehr ins Weiße Haus ausgeruht und zeige "keine Symptome". Die Werte des 74-Jährigen seien stabil, seine Sauerstoffsättigung liege zwischen 95 und 97 Prozent. Insgesamt gehe es Trump "extrem gut".

Am Wochenende hatte Conley eingeräumt, dass Trump am Freitagmorgen "hohes Fieber" gehabt habe und seine Sauerstoffsättigung im Blut zwischenzeitlich auf "unter 94 Prozent gefallen" sei.

Wegen seiner Corona-Infektion sind Trump eine Reihe von Medikamenten verabreicht worden, darunter ein noch experimentelles Antikörpermittel. Nach Einschätzung des renommierten Immunologen Anthony Fauci könnte dies entscheidend zu einer schnellen Verbesserung von Trumps Gesundheitszustand beigetragen haben.

Im Weißen Haus sollen nach Trumps Rückkehr Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter ergriffen werden. Wegen der Erkrankung des Präsidenten und dessen Frau werde mehr Vorsorge betrieben als ohnehin üblich, sagte die Kommunikationsdirektorin des Präsidialamtes, Alyssa Farah, dem Sender Fox News. Einzelheiten nannte sie nicht. Mit Blick auf den Wahlkampf sagte Farah, sie erwarte, dass Trump eine "neue Mentalität" in Bezug auf das Coronavirus an den Tag legen werde. Er habe ja bereits Freunde durch das Virus verloren und mit den Amerikanern getrauert. "Aber jetzt kommt er selbst als Überlebender. Und ich denke, das wird man in dieser Debatte hören." Trump ist fest entschlossen, am Donnerstag kommender Woche (Ortszeit) an der zweiten TV-Debatte mit seinem Herausforderer Joe Biden teilzunehmen.

Dessen Team verstärkte ebenfalls die Schutzmaßnahmen. Der 77-Jährige lässt sich nun mehrmals die Woche testen, nachdem er zuvor dies nur einmal pro Woche gemacht hat. Seine Maske nimmt Biden mittlerweile auch nicht mehr ab, wenn er allein vor einem Rednerpult steht. Am Montag desinfizierte ein Mitarbeiter Bidens ein Podium in Miami vor einem Auftritt des Demokraten. Viele Wahlkampfveranstaltungen spielen sich in nahezu leeren Räumen ab – teils auch aufgrund von Vorschriften der Bundesstaaten.

Icon: Der Spiegel

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