Corona-Horror in Indien: Ein Land mit täglich 90.000 Neuinfektionen
Icon: vergrößernCorona-Opfer vor Abtransport: "Uns sterben die Patienten weg"
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Anupam Nath / AP
Es dauerte vier Monate, bis das Virus die Klinik von Ajay Kumar Sinha erreichte. Der Beginn der Pandemie sei ruhig verlaufen, sagt er. Im Juli wurde es dann plötzlich ernst. Sinha ist 58 Jahre alt und arbeitet am Nalanda Medical College & Hospital in der Stadt Patna im Nordosten Indiens, einem von vier Corona-Zentren für mehr als zwei Millionen Menschen.
Der Monsun hatte, wie so oft, Hochwasser nach Patna gebracht. Die Fluten überschwemmten die Region, das Wasser drang auch ins Krankenhaus ein. Eine trübe, brackige Brühe umspülte die Betten der Patienten.
Zur selben Zeit stieg die Zahl der Corona-Patienten. Die Betten reichten auf einmal nicht mehr aus. Berichte von abgewiesenen Patienten häuften sich; von Menschen, die vor der Tür des Krankenhauses tot zusammenbrachen. "Weinende Ärzte riefen mich an", erzählt Sinha. "Sie riefen: Uns sterben die Leute weg." Videos aus dieser Zeit zeigen mit Decken verhüllte Leichen, die stundenlang in einem Raum mit Patienten liegen.
Familien bekamen es mit der Angst zu tun und ließen ihre Angehörigen im Stich. "Die Medien haben uns dafür kritisiert, dass wir die Leichen nicht fortschaffen würden. Uns hatte man gesagt, dass jemand kommen würde, um sie einzuäschern. Aber niemand kam."

