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Brasilien: Außenminister wirft israelischem Kollegen im Holocaust-Streit »Lügen« vor

February 21
04:36 2024

Normalerweise laufen diplomatische Streitigkeiten zwischen befreundeten Ländern – zumindest öffentlich – in eher gedämpften Ton ab. Das ist im aktuellen Disput um den Vergleich des israelischen Vorgehens im Gazastreifen mit dem Holocaust durch den brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva ein wenig anders.

Brasiliens Außenminister Mauro Vieira seinem israelischen Kollegen Israel Katz nun Unehrlichkeit vorgeworfen. Katz' Aussagen seien »ihrer Art nach inakzeptabel und inhaltlich gelogen« sowie »empörend«, erklärte Vieira.

Worauf er sich konkret bezieht, wurde dabei nicht restlos klar. Katz hatte am Montag erklärt, Israel werde »weder vergessen noch vergeben«. Er nannte Lulas Aussagen »einen schwerwiegenden antisemitischen Angriff«.

Die Vorgeschichte: Lula hatte Israel wegen des Krieges gegen die radikalislamische Hamas am Sonntag auf einem Gipfel der Afrikanischen Union in Addis Abeba einen »Genozid« im Gazastreifen vorgeworfen. Dann fügte der 78-Jährige hinzu: »Was im Gazastreifen mit dem palästinensischen Volk passiert, hat sich noch nie in der Geschichte abgespielt. Doch, das ist schon passiert: Als Hitler entschieden hat, die Juden zu töten.«

Israel bestellte daraufhin den brasilianischen Botschafter Frederico Meyer zu einem Treffen mit Außenminister Katz an der Holocaustgedenkstätte Jad Vashem ein und erklärte Lula zur unerwünschten Person. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu sagte, Lula habe eine »rote Linie überschritten«.

Im Gegenzug bestellte das brasilianische Außenministerium den israelischen Botschafter Daniel Zonshinem ein und holte Meyer zu Konsultationen nach Brasilien zurück.

Unterstützung für Lula aus anderen Ländern

Unterstützung erhielt Lula am Dienstag von zwei südamerikanischen Staatsoberhäuptern. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro schrieb im Onlinedienst X, vormals Twitter: »In Gaza findet ein Völkermord statt.« Lula habe »nur die Wahrheit gesagt und Wahrheit muss verteidigt werden«. Boliviens Präsident Luis Arce erklärte ebenfalls auf X, Lula habe »die Wahrheit über den Völkermord« gesagt.

Die USA, Israels größter Unterstützer, haben Lulas Aussagen widersprochen. US-Außenminister Antony Blinken, der am Mittwoch zum Treffen der G20-Außenminister in Brasilien landete, soll bei seinem Besuch auch mit Lula zusammentreffen.

Am 7. Oktober waren Kämpfer der von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Hamas nach Israel eingedrungen und hatten dort Gräueltaten überwiegend an Zivilisten verübt. Israelischen Angaben zufolge wurden dabei etwa 1160 Menschen getötet und rund 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Israel hat als Reaktion auf den Angriff der Hamas deren Vernichtung als Ziel ausgegeben. Bei dem massiven Militäreinsatz im Gazastreifen wurden nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 29.100 Menschen getötet.

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