Bidens Wahlsieg: Die Welt erwartet keine Wunder
Icon: vergrößernWahlsieger Biden: Kaum eine Regierung, kaum eine Weltregion trauert der Präsidentschaft von Donald Trump nach, doch Euphorie herrscht trotzdem nicht.
Foto: Brian Snyder / REUTERS
Nein, Donald Trump hat den Rechtspopulismus nicht erfunden – und doch war er dessen Schutzpatron mit weltweiter Signalwirkung. Der Impresario eines auftrumpfenden, verächtlichen Politikstils. Seine Tweets haben die politische Debatte nicht nur in den Vereinigten Staaten vulgarisiert: Fake News statt Argumente. Sein Nationalismus, sein offener Rassismus haben die Demokratieverachtung seiner Geistesverwandten weltweit legitimiert.
Tenor: Wenn der Anführer der mächtigsten Demokratie so redet, kann es doch Ungarns oder Serbiens Premier nicht verboten sein? Oder: Warum soll Brasilien die Regenwälder schützen, wenn doch der US-Präsident den Klimaschutz gleich ganz aufgibt?
"Es fühlt sich an, als haben wir gerade einen Exorzismus vollzogen", sagt der US-Politologe Francis Fukuyama nach der langen Stimmauszählung. Ist die Ära Trump jetzt vorbei? Kann Präsident Joseph Robinette Biden das Image der USA reparieren? Kann er Bündnisse und Verträge erneuern? Werden die USA unter Biden den Weg des rüpelhaften Nationalegoismus verlassen? Kann er den enormen Flurschaden an der politischen Kultur wieder gutmachen? Wer freut sich? Wer bedauert den Wahlausgang? SPIEGEL-Korrespondenten in aller Welt haben Politiker, Intellektuelle und Wissenschaftler befragt. Hier sind deren Einschätzungen:

