Benzin-Export in USA verdoppelt: Darum ist Diesel wieder billiger als Superbenzin
Wirtschaft
Benzin-Export in USA verdoppeltDarum ist Diesel wieder billiger als Superbenzin
26.05.2026, 17:06 Uhr Von Max BorowskiArtikel anhören(05:09 min)00:00 / 05:09
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Diesel hatte sich nach Beginn des Iran-Kriegs viel stärker verteuert als Superbenzin. Wochenlang lag der Dieselpreis an den Tankstellen weit über dem des höher besteuerten Ottokraftstoffs. Zuletzt hat sich das Verhältnis wieder umgekehrt.
Die Preise an den deutschen Tankstellen liegen trotz der Steuervergünstigungen weiter deutlich über dem Niveau von vor der Iran-Krise. In einer Hinsicht haben sich die Verhältnisse allerdings normalisiert: Diesel ist wieder günstiger als Superbenzin, beziehungsweise E10 und E5 sind wieder deutlich teurer. Experten zufolge hängt das unter anderem mit einer Verschiebung der Nachfrage zusammen, die auch auf die bevorstehende Ferienzeit und die Sorge um die Kerosinversorgung zurückzuführen ist.
Dass Diesel billiger ist als Superbenzin, ist der Normalzustand. Grund ist das historische Dieselprivileg: Während auf einen Liter Superbenzin gut 65 Cent Energiesteuer entfallen, sind es bei Diesel nur 47 Cent pro Liter. Der Schock durch die Blockade der Straße von Hormus traf Diesel und Benzin allerdings in unterschiedlichem Maß. Diesel verteuerte sich auf dem Höhepunkt der Krise um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorkriegspreis und damit viel heftiger als Superbenzin. E10-Kraftstoff etwa war auf dem Höchststand rund 25 Prozent teurer als zuvor. Diesel war wochenlang teurer als das deutlich höher besteuerte Superbenzin – zeitweise betrug der Aufschlag bis zu 25 Cent gegenüber E10.
Ein Grund für diese Verschiebung war, dass Deutschland und andere europäische Länder in ihren Raffinerien mehr als genug Superbenzin für den heimischen Markt produzieren, beim Diesel aber von Importen abhängig sind. Diese Lieferungen sind durch die Hormus-Blockade ausgefallen oder zumindest sehr viel teurer geworden. Das Verhältnis des Ausstoßes von Benzin und Diesel in den hiesigen Raffinerien kann nicht einfach je nach Bedarf beliebig angepasst werden. Um die Dieselproduktion deutlich zu erhöhen, müssen die Hersteller auch mehr Benzin produzieren. Zeitweise fiel die Marge für Benzin europäischer Raffinerien sogar unter null, das heißt, sie verkauften Superkraftstoff unter den rechnerischen Herstellungskosten, um die Dieselnachfrage zu extrem hohen Preisen zu bedienen.
Flugausfälle könnten Benzin-Nachfrage erhöhen
Normalisiert hat sich der globale Dieselmarkt keineswegs. Die Straße von Hormus ist weiter blockiert, wichtige Raffinerien am Persischen Golf sind weiterhin vom Weltmarkt abgeschnitten. Immerhin haben aber in anderen Teilen der Welt einige Hersteller ihre Dieselproduktion wieder etwas erhöhen können. Auch Importe aus anderen europäischen Ländern hätten zuletzt die fehlenden Dieselmengen teilweise ausgleichen können, sagt Gabriele Zindel, Expertin für den Kraftstoffmarkt bei dem Informationsanbieter für Rohstoffmärkte Argus Media. "Zudem hatten Gespräche zwischen USA und Iran über eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus zwischenzeitlich die Hoffnung auf mögliche zusätzliche Dieselzuflüsse aus dem Nahen Osten gemacht." Diese Hoffnung wurde allerdings durch die jüngste Eskalation inzwischen teilweise wieder zunichtegemacht.
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Verändert hat sich in den vergangenen Wochen nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage. Während die Dieselnachfrage sich in den kommenden Wochen eher abschwächen dürfte, steigt die nach Benzin in den Sommermonaten an – und damit der Benzinpreis im Verhältnis zum Dieselpreis. Diesel wird zu einem erheblichen Teil für gewerblichen Verkehr und Lkw verwendet, Superbenzin fast ausschließlich für Pkw. Während die schwächelnde Wirtschaft tendenziell weniger Diesel verbraucht, steigt der Benzinverbrauch in der Ferienzeit an. Für die kommenden Sommermonate rechneten Marktteilnehmer mit einem deutlichen Effekt auf die Benzinnachfrage, "da hohe Kerosinpreise und die damit verbundenen Flugausfälle dazu führen könnten, dass mehr Verbraucher für ihren Sommerurlaub aufs Auto umsteigen", so Kraftstoff-Expertin Zindel.
Stark zugenommen hat zudem die Nachfrage nach europäischem Benzin in Nordamerika. Auch dort sind die Spritpreise seit Kriegsbeginn gestiegen. Das Verhältnis von Diesel- und Benzinnachfrage ist aber umgekehrt im Vergleich zu Deutschland: Es wird eher mehr Diesel produziert, als auf dem heimischen Markt benötigt wird, während Superbenzin teilweise importiert werden muss – unter anderem aus Europa. Diese Exporte aus Europa in die USA seien derzeit hochprofitabel und zuletzt doppelt so hoch gewesen wie noch im April, so Zindel.

