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Angela Merkel und Jens Spahn verteidigen AstraZeneca-Beschluss

March 30
23:17 2021
Kanzlerin Merkel, Gesundheitsminister Spahn Bild vergrößern

Kanzlerin Merkel, Gesundheitsminister Spahn

Foto: CLEMENS BILAN / POOL / EPA

Die Impfungen mit der Vakzine des Herstellers AstraZeneca sollen sich künftig in Deutschland auf Personen ab 60 Jahren konzentrieren. Darauf haben sich die Gesundheitsminister angesichts von Berichten über schwere Nebenwirkungen des Impfstoffs bei jüngeren Altersgruppen von Bund und Ländern geeinigt. Jüngere Menschen können sich zwar auch weiterhin mit dem AstraZeneca-Präparat impfen lassen – allerdings auf eigenes Risiko.

Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz folgte einer überarbeiteten Corona-Impfempfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko). Bei einer Pressekonferenz haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn die Entscheidung verteidigt.

Die Empfehlungen der Stiko seien nach intensiven Beratungen beschlossen worden, sagte Merkel. Es handle sich um »Erkenntnisse, die wir nicht ignorieren können«.

»Wir stehen nicht vor der Entscheidung AstraZeneca oder keinen Impfstoff«, sagte Merkel mit Blick auf andere Vakzinen. Sie bezeichnete es als großes Glück, dass verschiedene Impfstoffe zur Verfügung stünden. Bund, Länder und Kommunen wollten nun gemeinsam Änderungen bei den Plänen für die weitere Impfkampagne klären, etwa die stärkere Einbeziehung der Praxen. Mit immer größeren Lieferungen könne man Schritt für Schritt die Pandemie überwinden.

Zugleich betonte Merkel: »Wir müssen den Impfstoffen vertrauen können.« Vertrauen entstehe aus dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen werde. Dafür stünden Bund und Länder ein. Auch nach einer entsprechenden Einschätzung der Stiko seien die Meldungen über Auffälligkeiten sehr selten, aber nicht zu ignorieren.

Merkel bat um Vertrauen in die Entscheidung. »Das alles wird Verunsicherung mit sich bringen«, sagte sie. Doch Offenheit und Transparenz seien die beste Möglichkeit mit einer solchen Situation umzugehen. Die Alternative sei gewesen, etwas unter den Teppich zu kehren oder die Fälle ernst zu nehmen. »Und deshalb glaube ich, unter allen Abwägungen ist dies der Weg, der noch zu dem möglichst besten Vertrauen führt auf dem Weg zu einer Verwendung von AstraZeneca. Wenngleich ich die Verunsicherung nicht wegreden kann.«

Spahn sagte, es sei »ohne Frage ein Rückschlag« für die Impfkampagne, dass bei einem Impfstoff offenbar ein erhöhtes Gesundheitsrisiko bestehe. Es gelte, zwischen dem Risiko einer seltenen, aber ernst zu nehmenden Nebenwirkung und dem Risiko einer Corona-Erkrankung abzuwägen. Zugleich erneuerte Spahn sein Versprechen, allen Impfwilligen bis Ende des Sommers ein Impfangebot machen zu können.

Die Stiko hatte mitgeteilt, seltene, aber sehr schwere thromboembolischer Nebenwirkungen seien 4 bis 16 Tage nach der Impfung ganz überwiegend bei Personen im Alter unter 60 Jahren aufgetreten. Dabei geht es um Auffälligkeiten mit Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, die vor allem bei jüngeren Frauen gemeldet wurden. Es gab mehrere Todesfälle.

Einige Bundesländer, Kommunen und Kliniken hatten Impfungen mit AstraZeneca deshalb bereits für unter 60-Jährige ausgesetzt (mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier).

Spahn zufolge haben bislang 2,2 Millionen Menschen unter 60 bereits die Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten. Man wolle nun zügig mit Fachleuten beraten, wie die Zweitimpfung aussehen könne. Jeder könne sich entscheiden, die Zweitimpfung mit AstraZeneca anzunehmen. Unabhängig davon werde aber jeder ein Impfangebot bekommen, um den vollen Impfschutz zu erhalten.

Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz bedeutet nicht, dass eine Impfung mit AstraZeneca für jüngere Personen ausgeschlossen ist. Unter 60-Jährige sollen sich »nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung« weiterhin in Hausarztpraxen damit impfen lassen können, heißt es in dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz.

Wer jünger als 60 ist und eine Erstimpfung mit AstraZeneca bereits erhalten hat, hat nun dem Beschluss zufolge zwei Möglichkeiten:

  • Die Zweitimpfung unter den genannten Bedingungen zu erhalten

  • Zu warten, bis die Stiko zu der Frage Stellung genommen hat und dann gegebenenfalls eine weitere Impfung mit einem anderen Impfstoff zu bekommen. Es werde in jedem Fall sichergestellt, so der Beschluss, dass »alle Zugang zu einem Impfschema mit in der EU zugelassenen Impfstoffen haben werden, um eine volle Schutzwirkung zu erreichen«.

Zudem stellte die Gesundheitsministerkonferenz es den Ländern frei, bereits jetzt auch die 60- bis 69-Jährigen für den AstraZeneca-Impfstoff mit in ihre Impfkampagne einzubeziehen. Dies gebe die Möglichkeit, »diese besonders gefährdete und zahlenmäßig große Altersgruppe angesichts der wachsenden dritten Welle nun schneller zu impfen«.

Merkel sagte, angesichts des Beschlusses sei eine Impfung für sie nähergerückt – sie werde sich auch mit AstraZeneca impfen lassen. Derzeit laufen generell Impfungen in den ersten beiden Prioritätsgruppen, zu denen – bezogen auf das Lebensalter – Menschen ab 70 gehören.

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