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Alexej Nawalny: Mutter durfte Leichnam sehen – über die Beerdigung bestimmen andere

February 22
19:57 2024

Eine knappe Woche lang haben russische Behörden den Leichnam des verstorbenen Kremlgegners Alexej Nawalny unter Verschluss gehalten – obwohl Angehörige und Anwälte vor seinem Straflager in Sibirien ausharrten. Nun durfte die Mutter des Verstorbenen, Ljudmila Nawalnaja, den Leichnam ihres Sohnes kurz sehen. Das meldete die Sprecherin des Oppositionellen auf dem Kurznachrichtendienst X. Demnach sei der Mutter jedoch nicht erlaubt worden, den Leichnam mitzunehmen.

Im russisch-orthodoxen Glauben ist es eigentlich üblich, den Toten nach drei Tagen zu beerdigen. Die russischen Behörden schlugen diese Bitte jedoch aus. »Sie wird erpresst«, schreibt nun das Nawalny-Team über den Umgang der Behörden mit Nawalnys Mutter. Demnach wolle der Kreml darüber bestimmen, wann und wo Nawalny beerdigt werde. »Sie wollen dies heimlich tun«, werfen die Unterstützer Nawalnys der Regierung vor, ohne dass sich die Familie verabschieden könne.

»Stattdessen erpressen sie mich«

Ljudmila Nawalnaja selbst meldete sich ebenfalls per Video zu Wort. Die Ermittler hätten sie am Mittwochabend heimlich in die Leichenhalle gebracht, dort durfte sie ihren Alexej sehen. »Die Ermittler behaupten, die Todesursache sei bekannt«, sagte Nawalnaja im Video. Sie hätte medizinischen und rechtlichen Dokumente einsehen können und die ärztliche Bescheinigung über den Tod unterschrieben. »Nach dem Gesetz hätten sie mir Alexejs Leiche sofort übergeben müssen, aber das haben sie bis heute nicht getan«, wirft Nawalnaja den Behörden vor. »Stattdessen erpressen sie mich und stellen Bedingungen, wo, wann und wie Alexej beerdigt werden soll. Das ist illegal.«

Die Mutter wirft dem Kreml vor, bedroht zu werden. »Sie sehen mir in die Augen und sagen, dass sie etwas mit der Leiche meines Sohnes machen werden, wenn ich nicht in eine geheime Beerdigung einwillige.« Die Beerdigung solle laut Anweisungen aus dem Kreml heimlich geschehen, ohne Abschiedsmöglichkeit durch die Familie. »Sie wollen mich an den Rand des Friedhofs zu einem neuen Grab bringen und sagen: Hier liegt dein Sohn. Damit bin ich nicht einverstanden.« Sie sagt weiter, dass sie keine Sonderbehandlungen verlange, sondern nur, dass alles nach dem Gesetz geschehe.

Nawalny war am 16. Februar nach Behördenangaben in seinem Straflager in der sibirischen Arktisregion Jamal ums Leben gekommen. Der durch einen Giftanschlag im Jahr 2020 und wiederholte Einzelhaft im Lager geschwächte Politiker soll bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Zum Zeitpunkt seines Todes war er 47 Jahre alt. Die Todesursache bleibt nebulös, offizielle Aussagen gibt es nicht.

International wird der Tod scharf verurteilt, viele Politikerinnen und Politiker werfen dem Regime von Kremlchef Wladimir Putin direkt oder indirekt Mord vor. Auch in Russland selbst sorgt der Todesfall für Aufruhr, Hunderte Demonstrierende wurden von der Polizei festgenommen, Oppositionelle rufen zum Durchhalten auf.

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