AfD bestätigt Parteivorsitzende: Weidel verbessert sich, Chrupalla fällt zurück
Politik
AfD bestätigt ParteivorsitzendeWeidel verbessert sich, Chrupalla fällt zurück
04.07.2026, 13:40 Uhr

Für den seit sieben Jahren amtierenden AfD-Chef Chrupalla ist das Wahlergebnis vom Parteitag in Erfurt ein Dämpfer. Seine Co-Vorsitzende Weidel legt dagegen leicht zu. Ein Konflikt mit dem Thüringer Landeschef Höcke wird am Rande des Parteitags abgeräumt.
Die Parteivorsitzenden der AfD sind auf dem Parteitag in Erfurt in ihren Ämtern bestätigt worden. Alice Weidel erhielt von den Delegierten 81,3 Prozent. Zuvor war ihr Co-Chef Tino Chrupalla mit 70,05 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden. Vor zwei Jahren beim Parteitag hatte er noch 82,7 Prozent erhalten, Weidel 79,8 Prozent.
Im Vorfeld des Parteitags war parteiintern mit rund zwei Dritteln für beide Parteichefs gerechnet worden. Beide sind in der AfD nicht unumstritten: AfD-Politiker aus Westdeutschland werfen Chrupalla eine zu große Nähe zu Russland sowie seine Kritik an US-Präsident Donald Trump vor. Weidel dagegen gilt seit Jahren nicht als die Fleißige von den beiden – mit ihrem Lebensmittelpunkt bei ihrer Frau in der Schweiz, den sie außer für Sitzungswochen des Bundestags ungern zu verlassen scheine, wie es in der AfD heißt.
Kampfansage auf ParteitagAfD-Chefin Weidel: "Wir sind die neue Volkspartei"
Chrupalla, 51-jähriger Malermeister aus Sachsen, und die 47-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin Weidel führen die AfD seit Sommer 2022 gemeinsam. Chrupalla steht schon seit November 2019 an der Spitze der Partei, zunächst an der Seite von Jörg Meuthen, der später die AfD verließ, weil diese ihm zu radikal wurde. Damit ist Chrupalla der inzwischen dienstälteste Chef, den die AfD seit ihrer Gründung 2013 hatte.
In ihren Reden hatten beide den Machtanspruch der AfD formuliert. "Wir sind die neue Volkspartei in Deutschland", sagte Weidel. "Wir werden gewinnen", sagte Chrupalla mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September. "Vielleicht können wir bald schon allein regieren."
Höcke zieht Antrag zurück
Ein potenziell konfliktreicher Antrag des rechtsextremen Thüringer Landeschefs Björn Höcke war schon am Vormittag von der Tagesordnung genommen worden. Höcke will die sogenannte Unvereinbarkeitsliste der Partei überarbeiten lassen. Diese Liste regelt, welchen extremistischen Organisationen Parteimitglieder nicht angehören dürfen. Höcke will die AfD auch für Personen aus dem noch radikaleren Milieu öffnen, etwa für Mitglieder der "Identitären Bewegung", mit denen er und andere aus der Partei allerdings ohnehin im regen Austausch stehen.
Tausende Demonstranten in ErfurtPolizei und AfD-Gegner geraten vor Parteitag aneinander
Aus Höckes Sicht sollten nur solche Organisationen als extremistisch gelten, die die parlamentarische Demokratie gewaltsam durch eine Diktatur ersetzen wollen. Offenbar auf Druck der Parteispitze zog eine Gruppe von Delegierten um Höcke den Antrag dann am heutigen Samstag zurück. Vor dem Parteitag hatte Weidel versichert, der neu gewählte AfD-Bundesvorstand werde "innerhalb eines Jahres selbstverpflichtend die Unvereinbarkeitsliste überarbeiten mit einem klaren Kriterienkatalog".
In Teilen gab sie Höcke recht: Die Antragsteller hätten "zugegebenermaßen einen Punkt", sagte Weidel. "Der Bundesvorstand hätte das schon längst gemacht. Und ich muss zugeben, wir haben das ein bisschen vor uns hergeschoben."
AfD umgeht Blockaden mit früher Anreise
Der Parteitag wurde wie erwartet von umfangreichen Protesten begleitet. Zehntausende Demonstranten waren in Erfurt unterwegs. Trotz Blockaden von Zufahrtsstraßen begann das Delegiertentreffen aber ohne Verzögerungen, da die meisten der rund 600 AfD-Mitglieder bereits in den frühen Morgenstunden angereist waren. Begleitet von der Polizei wurden sie in Bussen zur Messe Erfurt gebracht. Einem Sprecher zufolge waren vor 5 Uhr bereits 540 Delegierte auf dem Gelände.
Neben der Wahl der Parteichefs stehen in Erfurt zwölf weitere Vorstandsposten zur Abstimmung. Dabei kommt es auf mehreren Positionen zu Kampfkandidaturen. Teilweise treten AfD-Politiker aus demselben Landesverband gegeneinander an. Neu in die Führungsriege aufrücken soll der Thüringer Stefan Möller, Co-Chef und Vertrauter von Höcke. Beide stuft der Thüringer Verfassungsschutz als Rechtsextremisten ein. Die AfD an sich wird vom Verfassungsschutz unter anderem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft.

