“Wow, das wäre was Besonderes”: Auf einmal will Trump den Iran in die Abraham-Abkommen einbinden – was soll das?
Politik
"Wow, das wäre was Besonderes"Auf einmal will Trump den Iran in die Abraham-Abkommen einbinden – was soll das?
26.05.2026, 18:33 Uhr
Von Hubertus VolmerArtikel anhören(11:33 min)00:00 / 11:33
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US-Präsident Trump drängt Saudi-Arabien, ein Abraham-Abkommen mit Israel zu schließen. Selbst der Iran könne beitreten. Beides ist völlig unrealistisch. Vermutlich will Trump ablenken – oder Israel eine Einigung mit dem Iran schmackhaft machen.
In einem seiner vielen Beiträge auf seiner Plattform Truth Social forderte US-Präsident Donald Trump am Sonntag sechs mehrheitlich muslimische Staaten auf, den sogenannten Abraham-Abkommen mit Israel beizutreten. Er habe mit einigen "großen Anführern" der Region gesprochen. In einer sprachlich etwas unklaren Wendung deutete er an, diese hätten gesagt, es wäre eine Ehre für sie, wenn auch der Iran Teil der Abraham-Abkommen würde.
"Wow, das wäre was ganz Besonderes", fügte Trump hinzu. "Dies wird der wichtigste Deal sein, den diese großen, aber (sich) immer im Konflikt (befindenden) Länder jemals unterzeichnen werden", schrieb der US-Präsident mit den für ihn typischen Superlativen. "Nichts in der Vergangenheit oder in der Zukunft wird dies übertreffen."
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Trump zählt in seinem Posting auf, mit wem er entsprechende "Diskussionen" geführt habe: mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Katar, Pakistan, der Türkei, Ägypten, Jordanien und Bahrain. Die Aneinanderreihung dieser Länder wirkt willkürlich. Die VAE und Bahrain haben bereits 2020 Abraham-Abkommen mit Israel geschlossen. Seither können israelische Touristen nach Dubai reisen, der größten Stadt der VAE. Auch der Handel zwischen den Emiraten und Israel hat seither stark zugenommen. Ägypten und Jordanien haben sich den Abkommen nicht angeschlossen, haben allerdings seit Jahrzehnten Friedensverträge mit Israel. Pakistan hat eine Anerkennung Israels ausgeschlossen, solange es keinen palästinensischen Staat gibt. Zugleich fungiert das Land als Vermittler zwischen dem Iran und den USA.
"Da war Stille in der Leitung"
Saudi-Arabien wiederum kooperierte nach 2020 auch ohne Abraham-Abkommen verstärkt mit Israel. So erhielten israelische Airlines Überflugrechte, auch die Geheimdienste tauschten sich aus. Diesen Prozess zu stoppen, war ein zentrales Ziel der Terrororganisation Hamas, als sie am 7. Oktober 2023 Israel angriff – nicht durch den Angriff selbst, sondern durch die so provozierte Reaktion Israels. Die Hamas-Terroristen ermordeten damals Hunderte Zivilisten und verschleppten 364 Personen in den Gazastreifen. Unmittelbar danach begann der Gaza-Krieg.
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Das Beispiel Saudi-Arabien zeigt, wie seltsam Trumps Posting vom Sonntag ist: Aktuell ist ein Beitritt des Landes zu den Abraham-Abkommen höchst unwahrscheinlich. Bis zum Oktober 2023 wäre dies vielleicht noch denkbar gewesen – seither nicht mehr. "Angesichts der Szenen der Zerstörung im Gazastreifen und der öffentlichen Empörung in der gesamten arabischen Welt sah sich Saudi-Arabien gezwungen, seinen Kurs gegenüber Israel abzukühlen und strengere Bedingungen für eine Normalisierung festzulegen", schreibt der israelische Sicherheitsexperte Yoel Guzansky von der Universität Tel Aviv in einer Analyse. Die Unterstützung der Palästinenser sei für das saudische Königshaus seither "entscheidend" geworden, um die eigene Legitimität zu sichern und die Stellung von Kronprinz Mohammed bin Salman zu schützen.
Entsprechend überrascht muss Bin Salman bei seinem Telefonat mit Trump reagiert haben. "Da war Stille in der Leitung, und Trump witzelte, ob sie noch da seien", sagte ein US-Vertreter der Nachrichtenseite Axios über die Gespräche mit Saudi-Arabien, Katar und Pakistan.
Die Zukunft der Palästinenser wurde 2020 ausgeklammert
Trump schrieb, es könne sein, dass "das eine oder andere" der von ihm genannten Länder einen Grund habe, kein solches Abkommen abzuschließen, "und dies wird auch akzeptiert werden". Saudi-Arabien nimmt er jedoch ausdrücklich aus: "Es sollte mit der unverzüglichen Unterzeichnung durch Saudi-Arabien und Katar anfangen, und alle anderen sollten folgen." Er fordere "verbindlich", dass "alle Länder unverzüglich die Abraham-Abkommen unterzeichnen", schreibt Trump. Sollte der Iran eine Einigung "mit mir als Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnen, so wäre es mir eine Ehre, sie auch in dieser beispiellosen Weltkoalition dabei zu haben". Trump weiter: "Der Nahe Osten wäre vereint, mächtig und wirtschaftlich stark – wie vielleicht kein anderes Gebiet irgendwo auf der Welt!"
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Der Name "Abraham-Abkommen" betont das gemeinsame Erbe von Juden und Muslimen: Für die Juden ist Abraham einer der sogenannten Erzväter, für die Muslime ist er ein Vorfahr des Propheten Mohammed. Christentum, Judentum und Islam werden auch als die "abrahamitischen Religionen" bezeichnet. Ziel der Abkommen war die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den arabischen Staaten. Neben den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain haben Marokko und der Sudan entsprechende Abkommen mit Israel unterzeichnet.
Angesichts des jahrzehntelangen Nahost-Konflikts galten diese Abkommen damals als historisch. Inhaltlich waren sie eher dünn, aber genau das konnte man als Vorteil sehen. So wurden die Abkommen nur möglich, weil der Streit um den Status der palästinensischen Gebiete ausgeklammert wurde.
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Aus Sicht der US-Regierung sollten die Abraham-Abkommen auch dazu dienen, ein Bündnis gegen den Iran zu schmieden. Viele arabische Länder, allen voran Saudi-Arabien, sahen das schiitische Regime im Iran seinerzeit als Gefahr – eine Sicht, die sie mit Israel teilten.
Nicht nur der Gaza-Krieg, auch das militärische Vorgehen Israels gegen die Hisbollah im Libanon sowie der israelisch-amerikanische Krieg gegen den Iran haben die Lage verändert. Der Iran und seine Verbündeten Hisbollah und Hamas sind nicht besiegt, aber doch geschwächt.
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Dieselben Kriege hatten Einfluss auf die öffentliche Meinung in den arabischen Staaten. In Saudi-Arabien etwa gab es schon vor dem Gaza-Krieg keine Mehrheit für eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel – seither nahm die Ablehnung noch stark zu, wie eine Erhebung des Washington Institute for Near East Policy aus dem vergangenen Jahr zeigt. Diese Stimmung kann der saudische Kronprinz Bin Salman trotz seiner großen Machtfülle nicht ignorieren. Nahost-Experte Guzansky erwartet denn auch eine Verschlechterung der saudischen Haltung gegenüber Israel.
Drei mögliche Gründe
Warum verknüpft Trump dann eine Einigung mit dem Iran mit den Abraham-Abkommen? Dafür kann es mehrere Gründe geben. Erstens dürfte es Trumps Absicht sein, von den Verhandlungen mit dem Iran abzulenken, die derzeit offensichtlich stocken. Deshalb ruft er ein noch größeres Ziel aus: Frieden nicht nur an der Straße von Hormus, sondern im gesamten Nahen Osten.
Trump legt die Schwelle für eine Einigung mit dem Iran damit höher, kann die Verantwortung aber auch abschieben: Ein Scheitern der Friedensverhandlungen liegt nun nicht mehr in der Verantwortung der USA, sondern – folgt man der Logik seines Postings – bei Saudi-Arabien und Katar.
Und schließlich könnte der Vorschlag dazu dienen, es dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu leichter zu machen, einem Friedensabkommen mit dem Iran zuzustimmen. Es handele sich um den "Versuch, Netanjahu zu beruhigen und zu sagen: Wir kümmern uns auch auf diplomatischer und politischer Ebene um die Sicherheit für Israel", sagte die Nahost-Expertin Kristin Helberg bei ntv. Hintergrund ist, dass die israelische Regierung befürchtet, das iranische Atom- und Raketenprogramm könne in einer Einigung zwischen den USA und dem Iran unangetastet bleiben. Helberg zufolge hat Trump selbst die Wahl zwischen einem schlechten Deal mit dem Iran – oder der Rückkehr zu einem massiven Krieg "mit dem Ziel, dieses Regime zu stürzen".
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Auch Netanjahu telefonierte am Wochenende mit Trump, wie er auf X schrieb. Eine Reaktion auf den Vorstoß des US-Präsidenten gab es von ihm indessen nicht. Vor gut zwei Wochen hatte er im Interview mit dem US-Sender CBS News gesagt, er sehe aktuell die Möglichkeit, die Abraham-Abkommen auf weitere Länder auszuweiten und die bestehenden Abkommen zu vertiefen. Das sei das Ergebnis der neuen Stärke Israels. Die Tatsache, dass Israel "diesem mörderischen Regime im Iran" die Stirn biete, "hat etliche arabische Länder näher an Israel herangeführt. Das ist gut für den Frieden."
Vor allem eine Antwort bleibt Trump schuldig
Nach Einschätzung des früheren US-Diplomaten Dan Shapiro ist das exakte Gegenteil der Fall. Shapiro war in der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama Botschafter in Israel. Auf X betonte er, dass er die Abraham-Abkommen immer befürwortet habe und eine Ausweitung begrüßen würde. Die Verknüpfung der Abraham-Abkommen mit einer Einigung mit dem Iran sei jedoch unrealistisch.
"Nach fast drei Jahren Krieg in Gaza, Libanon und Iran ist Benjamin Netanjahu eine sehr unbeliebte Figur in der arabischen und muslimischen Welt", so Shapiro. "In der aktuellen Atmosphäre dieser ungelösten Kriege, einer Welle extremistischer israelischer Gewalt im Westjordanland und der völligen Ablehnung eines Weges zur palästinensischen Staatlichkeit durch die israelische Regierung gibt es keine Chance, dass die von Trump genannten Politiker ihre Beziehungen zu Israel normalisieren würden – insbesondere nicht vier Monate vor Wahlen in Israel, bei denen Netanjahu abgesetzt werden könnte." Im Oktober dürften in Israel vorgezogene Neuwahlen stattfinden.
Vor allem eine Antwort bleibt Trump schuldig: Warum sollte ausgerechnet der Iran den Abraham-Abkommen beitreten? Der von Trump und Netanjahu ursprünglich erhoffte Regimewechsel in Teheran ist bekanntlich ausgeblieben. Viele der bisherigen Machthaber sind tot, aber an der Grundausrichtung des Regimes hat dies nichts geändert: Die Vernichtung Israels ist weiterhin Staatsdoktrin. Ein Beitritt dieses Iran zu den Abraham-Abkommen wäre nicht "etwas Besonderes", sondern gehört ins Reich der Fantasie.

