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“Diktatorenartige Huldigung”: Trump unterwirft die KI-Riesen

March 14
16:56 2026

Wirtschaft

"Diktatorenartige Huldigung"Trump unterwirft die KI-Riesen

14.03.2026, 14:36 Uhr image (2)Von Hannes VogelArtikel anhören(08:38 min)00:00 / 08:38

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Trump beim "KI-Gipfel" in Washington vergangenes Jahr. Unternehmen, die dem Präsidenten huldigen und nicht widersprechen, winken einträgliche Geschäfte mit der US-Regierung. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Das Pentagon plant seine Militärschläge inzwischen mit KI-Modellen wie Claude, Gemini und ChatGPT. Für OpenAI, Google und Anthropic heißt das: Sie müssen bei Trumps autoritärer Wende mitmachen – oder riskieren seinen Zorn. Dabei hätten sie die Macht, sich zu widersetzen.

Intern machte sich Anthropic-Gründer Dario Amodei keine Illusionen darüber, warum seine Firma bei der US-Regierung in Ungnade gefallen war. Die Beziehung zwischen dem KI-Startup und dem Weißen Haus sei aus mehreren Gründen zerrüttet, sinnierte er Anfang März in einem internen Post: "Wir haben Trump nicht diktatorenartig gehuldigt. Wir sind für die Regulierung von KI, was ihrer Agenda widerspricht. Wir haben offen die Wahrheit über eine Reihe von KI-Themen gesagt (etwa Jobverluste), und wir haben unsere roten Linien mit Integrität verteidigt, statt mit ihnen zu klüngeln."

Nur wenige Tage danach ruderte er zurück. "Ich möchte mich ausdrücklich für dieses Memo entschuldigen", sagte Amodei im Interview mit dem "Economist". "Es ist keine durchdachte oder ausgereifte Version meiner Überlegungen. Das würde ich heute nicht mehr sagen. Ich habe mich bereits bei den Kollegen im Kriegsministerium entschuldigt und bin offen für Gespräche auch mit anderen Vertretern der Regierung."

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Wie sehr sich Amodei bei der verbalen Rolle rückwärts vor Trump quälte, war ihm deutlich anzusehen. Doch der US-Präsident ließ ihm keine Wahl. Anthropic sei ein "radikal linkes, wokes Unternehmen" hatte Trump zuvor gepoltert: "Wir brauchen sie nicht, wir wollen sie nicht und werden nie wieder mit ihnen Geschäfte machen!" Verteidigungsminister Pete Hegseth strich den 200-Millionen-Dollar-Vertrag des Pentagon mit Anthropic, erklärte das KI-Startup zum "Lieferketten-Risiko für die nationale Sicherheit" und verbannte es damit von der Zusammenarbeit mit allen US-Behörden – ein Schritt, der bisher nur Firmen aus China vorbehalten war. Anthropic klagt nun dagegen.

Hinter diesem Konflikt steckt mehr als nur ein Streit um Aufträge. Er zerrt den Machtkampf zwischen der US-Regierung und den Tech-Riesen, die sich mit Trump verbündet haben, ins Rampenlicht. Es geht um die Frage, wer die künftig vielleicht wichtigste Technologie der Welt kontrolliert: künstliche Intelligenz. Längst ist klar: Trump und die KI-Giganten können nicht ohneeinander. Google, OpenAI und Anthropic sind unverzichtbar für das US-Militär geworden. Trump versucht nun, sie um jeden Preis auf Linie zu bringen. Denn durch ihre wachsende Bedeutung haben sie das Potenzial, seine autoritäre Machtwende zu bremsen. Für die hochverschuldeten und zu schnellem Wachstum verdammten KI-Startups wie Anthropic wiederum kann ein umfassender Bann durch die US-Regierung den Ruin bedeuten.

KI wird zum Rückgrat der US-Militärmacht

Auslöser des aktuellen Streits war die Frage, unter welchen Bedingungen Trumps Generäle die KI von Anthropic für militärische Zwecke nutzen dürfen. Das Startup verlangt, dass eine Massenüberwachung von US-Bürgern ausgeschlossen ist – ebenso wie eine Verwendung zur Steuerung vollkommen autonomer Waffen ohne menschliche Kontrolle. Die Forderungen sind schon immer Teil der Satzung von Anthropic gewesen. Doch für Trump und Verteidigungsminister Hegseth ist Anthropics Widerspruch ein Affront. Sollte er Schule machen, hätten sie ein großes Problem.

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Die KI-Technologie ist zum Rückgrat der US-Militärmacht geworden. Schon seit über einem Jahrzehnt nutzen sowohl das Pentagon, als auch das FBI und andere US-Sicherheitsbehörden im großen Stil die Plattformen der Firma Palantir. Doch seit dem Durchbruch von ChatGPT wird KI überall beim US-Militär eingesetzt.

Die Entführung von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro planten die US-Militärstrategen mit Anthropics Chatbot Claude. Google hat dem Verteidigungsministerium seinen KI-Agenten Gemini zur Verfügung gestellt, um Routinejobs zu automatisieren. Elon Musks KI Grok soll laut Verteidigungsminister Hegseth bald "auf jedem geheimen und nichtgeheimen Netzwerk im Pentagon" laufen. Und im Iran-Krieg wird die schiere Masse von Aufklärungsdaten laut US-Zentralkommando nur noch mithilfe von KI-Tools bewältigt.

3000 Ziele in nur einer Woche haben die USA laut Pentagon bombardiert. Eine derartige Tötungskette lässt sich ohne KI nicht mehr organisieren. Claude soll dabei laut US-Medienberichten eine entscheidende Rolle spielen: Der Chatbot ist demnach eine von 150 Datenquellen, mit der die Missionsplattform "Maven Smart System" von Palantir gefüttert wird, über die im Iran-Krieg Ziele selektiert werden.

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Sperren sich die KI-Giganten gegen die Verwendung ihrer Software, ist die militärische Überlegenheit der US-Armee sofort gefährdet. Deshalb versucht Trump, jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken. Anthropic ist dabei ein besonders wichtiges Symbol. Denn bis zu seinem Zerwürfnis mit Trump war es kürzlich noch das einzige KI-Startup, das eine Freigabe für die Verwendung seiner Modelle mit streng geheimen Daten im Pentagon hatte. Trump will auf keinen Fall einen Präzedenzfall schaffen.

"Opportunistische" Deals mit Trump

Anthropic sticht auch heraus, weil es die einzige KI-Schmiede ist, die sich Trump nicht bedingungslos unterordnen will. Die Konkurrenz hat sich längst Trump und seiner autoritären Transformation der USA gebeugt: Elon Musks xAI hat inzwischen einen Deal mit dem Pentagon gemacht, über den Grok nun auch auf Top-Secret-Servern laufen darf. Anthropics größter Konkurrent, OpenAI, nutzte das Zerwürfnis, um sich Trump schonungslos anzubiedern. Nur Stunden nachdem Trump Anthropic auf die schwarze Liste setzte, machte OpenAI-Chef Sam Altman einen Deal mit dem Pentagon; der nach seinen eigenen Worten genau die Zusicherungen enthält, die Anthropic vom Pentagon zuvor gefordert hatte. Dies macht deutlich, dass es der Trump-Regierung in dem Streit nicht um konkrete Details in den Verträgen geht, sondern um die Machtfrage insgesamt. Sie konnte oder wollte den öffentlichen Widerspruch von Anthropic nicht dulden.

Altman ergeht sich öffentlich in der Lobhudelei, die Anthropic-Boss Amodei Trump verweigert hat: "Wir sind begeistert zu sehen, was Sie tun, um all unsere Unternehmen und unser gesamtes Land so erfolgreich zu machen", flötete er beim Dinner der Tech-Elite im Weißen Haus in Trumps Ohr. Persönlich spendete er eine Million Dollar für Trumps Inaugurationsfonds. OpenAI's Co-Gründer Greg Brockman hat sogar 25 Millionen Dollar an einen Trump-Wahlkampffonds gegeben und unterstützt auch seine KI-Agenda bei den anstehenden Zwischenwahlen im Kongress finanziell.

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Amodei versucht es dagegen mit Appellen an Trumps Gewissen: Anthropics Ausschluss sei "Vergeltung und Bestrafung" gewesen: "Wir stehen für die Verteidigung Amerikas. Die Überschreitung dieser roten Linien widerspricht amerikanischen Werten. Wir sind Patrioten. In allem, was wir getan haben, haben wir uns für die Werte dieser Nation starkgemacht."

Damit punktet Anthropic zwar in der Tech-Branche und bei vielen Kunden: Die Robotik-Chefin von OpenAI trat aus Protest gegen Sam Altmans Anbiederung an Trump zurück, Max Schwarzer, ein anderer KI-Forscher bei OpenAI, wechselte gar direkt zu Anthropic. Und seit Amodei Widerstand gegen Trumps Agenda leistet, gehen die Downloads seines Chatbots Claude durch die Decke. Doch die Macht, sich Trumps autoritären Staatsumbau wirklich zu widersetzen, hätten die KI- und Technologiekonzerne nur, wenn sie gemeinsam "nein" sagen würden.

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