Schwachstelle des Mullah-Regimes: Warum die Insel Kharg für den Iran so wichtig ist
Politik
Schwachstelle des Mullah-RegimesWarum die Insel Kharg für den Iran so wichtig ist
14.03.2026, 10:13 Uhr Artikel anhören(05:51 min)00:00 / 05:51
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Die USA greifen Ziele auf der iranischen Insel Kharg an. Dort steht der wichtigste Rohölexportterminal des Landes. Doch auch darüber hinaus ist die Insel bedeutend für das Mullah-Regime. Ein Angriff kann einem Insider zufolge einen Großteil der iranischen Ölexporte sofort zum Erliegen bringen.
Das US-Militär hat die für den Ölexport wichtige iranische Insel Kharg im Persischen Golf beschossen. Es seien dort militärische Ziele zerstört worden, teilte das US-Militär am Freitag mit. US-Präsident Donald Trump erklärte auf einer Social-Media-Plattform, die USA hätten "jedes MILITÄRISCHE Ziel vollständig ausgelöscht". Er drohte damit, dass auch die Ölinfrastruktur ins Visier genommen werden könne, sollte der Iran den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weiter behindern.
Auf den US-Angriff dürfte die Führung in Teheran mit einer harten Reaktion antworten. Die Streitkräfte des Irans erwiderten iranischen Medien zufolge die Attacke bereits mit der Drohung, jeder Angriff auf die Öl- und Energieinfrastruktur des Landes werde zu Angriffen auf die Energieinfrastruktur von Ölkonzernen führen, die mit den USA in der Region kooperieren.
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Für den internationalen Öl-Handel des Iran ist Kharg von zentraler Bedeutung. Die tiefen Gewässer rund um die Insel bieten im Gegensatz zu den flacheren Gewässern entlang der übrigen iranischen Küste des Persischen Golfs die notwendige Wassertiefe für Supertanker. Kharg ist etwa ein Drittel so groß wie Manhattan. Die Insel liegt 26 Kilometer vor der iranischen Küste und etwa 483 Kilometer nordwestlich der Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet und durch die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels geht.
Kharg wird seit Langem als eine entscheidende Schwachstelle des Landes angesehen, da über sie 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden. Seit den 1960er Jahren ist der Iran für seine Ölexporte auf dem Seeweg stark von der Insel abhängig. Ein Großteil des von dort aus verschifften Öls geht nach China, dem weltweit größten Rohölimporteur. Daten des Tanker-Trackers Kpler zufolge macht iranisches Öl in diesem Jahr 11,6 Prozent der chinesischen See-Importe aus. Trotz des Krieges, der am 28. Februar von Israel und den USA begonnen wurde, hat der Iran nach Daten von TankerTracker.com und Kpler weiterhin zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Barrel pro Tag exportiert.
Mögliche Auswirkungen auf den Energiemarkt
Der Iran ist der drittgrößte Opec-Produzent und fördert etwa 4,5 Prozent des weltweiten Ölbedarfs. Die Produktion beläuft sich auf etwa 3,3 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, hinzu kommen 1,3 Millionen Barrel Kondensat und andere Flüssigkeiten. Auf Kharg befinden sich Lagerstätten und Pipelines, die mit einigen der größten Öl- und Gasfelder des Iran verbunden sind. Eine Störung dieser Infrastruktur würde dem Iran schwer schaden und sich auch auf den globalen Energiemarkt auswirken.
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"Wenn man die Infrastruktur von Kharg ausschaltet, nimmt man zwei Millionen Barrel pro Tag für immer vom Markt", sagte Dan Pickering, Investmentchef bei Pickering Energy Partners. Patrick De Haan, Analyst beim US-Preisbeobachter GasBuddy, zeigte sich besorgt, dass der Konflikt angeheizt werde. "Der Iran hat weniger zu verlieren, und es scheint zu eskalieren." Wenn der Iran in die Enge getrieben werde, sei er sehr geneigt zu handeln.
Militärische Anlagen im Visier
Bei den US-Angriffen auf Kharg ist einer iranischen Nachrichtenagentur zufolge jedoch keine Ölinfrastruktur beschädigt worden. Die Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf Informanten auf der Insel, es seien 15 Explosionen zu hören gewesen, es gebe aber keine Schäden an Ölanlagen. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor erklärt, bei den US-Angriffen vom Freitag seien nur militärische Ziele zerstört worden. Fars zufolge versuchte die US-Armee, auf Kharg "die Verteidigungsanlagen der Armee, die Joschan-Marinebasis, den Flughafen-Tower und den Hubschrauber-Hangar des iranischen Unternehmens Continental Shelf Oil zu beschädigen".
Ein hochrangiger Beamter des iranischen Ölministeriums sagte nach den US-Angriffen auf Kharg vom Freitag gegenüber der "New York Times", die Angriffe seien enorm und zerstörerisch gewesen. Mitarbeiter der Ölraffinerien hätten von fast zwei Stunden andauernden, ununterbrochenen Explosionen berichtet, die die Insel wie ein Erdbeben erschüttert hätten. Laut dem Beamten, der anonym bleiben wolle, könne ein Angriff auf die Öl- und Gasinfrastruktur der Insel einen Großteil der iranischen Ölexporte sofort zum Erliegen bringen.
Das letzte Mal, dass die Insel unter größeren Beschuss geriet, war während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren. Das irakische Militär unter Saddam Hussein führte damals schwere Bombenangriffe auf die Ölinfrastruktur der Insel durch und verursachte dabei erhebliche Schäden. Iran war jedoch in der Lage, die Anlagen wieder aufzubauen.

