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Erleichterung hält nicht lang: Angst treibt den Ölpreis stärker als Militärschläge

March 12
23:45 2026

Wirtschaft

Erleichterung hält nicht langAngst treibt den Ölpreis stärker als Militärschläge

12.03.2026, 18:59 Uhr IMG_4708Von Juliane KipperArtikel anhören(06:12 min)00:00 / 06:12

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Dass die Intervention der IEA die Händler nicht beruhigte, erscheint auf den ersten Blick paradox. (Foto: Eli Hartman/Odessa American/AP/d)

Die größte Öl-Intervention der Geschichte verpufft: Trotz der Freigabe von 400 Millionen Barrel schießen die Preise weiter nach oben. Experten warnen: Die Straße von Hormus ist unersetzbar. Hält die Krise an, drohen Ölpreise von bis zu 150 Dollar – und der Sturz in eine globale Rezession.

Obwohl die USA und ihre Partner eine historisch beispiellose Freigabe der strategischen Ölreserven angekündigt haben, hält der Preisanstieg beim Rohöl unvermindert an. Die koordinierte Maßnahme angesichts des Iran-Krieges zielte eigentlich darauf ab, die Ölmärkte zu stabilisieren. Doch am Markt verpuffte der Effekt: Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Morgen um neun Prozent auf 100,22 Dollar. US-Rohöl WTI legte ebenfalls um neun Prozent auf 95,41 Dollar zu.

Dass die Intervention die Händler nicht beruhigte, erscheint auf den ersten Blick paradox. Von ntv.de angefragte Experten begründen die Skepsis damit, dass die Reserven einerseits den Markt nicht dauerhaft stabilisieren können. Das Defizit am Ölmarkt durch die Blockade der Straße von Hormus ist schlicht zu groß. Andererseits wächst unter den Händlern offenbar die Angst vor einer noch größeren Eskalation in der Region.

Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank sieht in der Freigabe lediglich eine temporäre Lösung. Seiner Einschätzung zufolge lassen sich die massiven Lieferausfälle infolge der Blockade der Straße von Hormus mit der Freigabe der Ölreserven nur für etwa einen Monat abfedern.

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Die IEA, ein Zusammenschluss der großen Ölverbraucherländer, hatte am Mittwoch die Freigabe von 400 Millionen Barrel aus den weltweiten strategischen Reserven empfohlen. Es ist die bislang größte derartige Intervention. Durch sie soll einer der schwersten Ölschocks seit den 1970er Jahren abgefedert werden. Allerdings dürfte es Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Öl ankommt.

Die Freigabe der Notfallreserven nach Beginn des Ukraine-Krieges hatte laut Fritzsch dafür gesorgt, dass der damalige Preisanstieg endete und die Ölpreise im Jahresverlauf fielen. Er gibt aber zu bedenken: Damals sei das russische Öl nicht vom Markt verschwunden, sondern habe schnell neue Abnehmer gefunden. "Im Gegensatz dazu gelangt das Öl aus der Golfregion aktuell nicht an den Markt", sagt Fritsch. Die Situation heute sei deswegen nicht mit der vor vier Jahren vergleichbar.

Jetzt komme es zwingend darauf an, den Schiffsverkehr durch die Meerenge wieder zu ermöglichen. "Daran führt kein Weg vorbei", sagt Fritsch. Der Ölpreis werde nicht nachhaltig fallen, bevor der Krieg beendet ist oder die Öltanker wieder die Straße von Hormus passieren können.

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Das sieht auch Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets, so. Seiner Einschätzung zufolge werden sich die Preise erst dann wieder erholen, wenn die Marktteilnehmer den nachhaltigen Eindruck bekommen, dass sich die Situation im Nahen Osten stabilisiert oder bestenfalls deeskaliert. "Solange dies nicht der Fall ist, bleiben die Preise weiter angespannt und der spekulative Charakter hoch", sagt Lipkow.

Der Ölpreisschock lasse sich unter Umständen abfedern, indem weitere Lieferanten in Betracht gezogen werden. "Des Weiteren könnten Staaten durch das Aussetzen beziehungsweise Reduzieren ihrer jeweiligen Benzinsteuern einen Beitrag zur Entspannung auf der Inflationsseite leisten", sagt Lipkow. In den USA werde bereits über eine Aussetzung der Benzinsteuer gesprochen.

Sollte die Situation unverändert bleiben, hält Lipkow einen Brent-Preis von 150 Dollar für möglich. Bei einer Beruhigung im Iran-Krieg hält Lipkow Preise zwischen 70 und 75 US-Dollar für realistisch. "Die Preise enthalten derzeit einen hohen Grad an Spekulation und wenig tatsächliche physische Nachfrage", sagt Lipkow.

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Diese Einschätzung teilt die Hamburg Commercial Bank (HCOB). Sollte der Krieg und die Blockade in vier bis fünf Wochen enden, rechnet auch Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia damit, dass der Ölpreis kurzzeitig auf 150 US-Dollar steigen könnte, bevor er nach der Öffnung des Seewegs wieder auf ein Niveau zwischen 70 und 80 Dollar fallen könnte. Sollte der Konflikt jedoch mehrere Monate anhalten, würde der Ölpreis dauerhaft über der Marke von 150 Dollar verharren. "Diese Entwicklung würde die Weltwirtschaft sehr wahrscheinlich in eine Rezession stürzen", sagt de la Rubia.

Entscheidend für die Konjunktur ist dabei weniger die absolute Spitze als die Dauer der Belastung. Laut Lipkow wird es ab einem Niveau von 100 US-Dollar kritisch: "Es ist nicht entscheidend, wie hoch der Preis steigt, sondern wie lange er dort verweilt." Ein Verharren auf diesem Niveau über mehrere Quartale würde die wirtschaftliche Entwicklung massiv ausbremsen.

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Zusätzlichen Druck erzeugen neue Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Bahrain, Saudi-Arabien und dem Oman. Laut Lipkow wird die zerstörte Infrastruktur noch monatelang für Lieferengpässe sorgen. „Das wird ein grundsätzlich höheres Preisniveau von vielleicht 5 bis 10 US-Dollar vom Ausgangspreisniveau nach sich ziehen können.“ Viel wichtiger sei jedoch, die Unsicherheit aus den Märkten zu bekommen und dadurch den spekulativen Charakter aus den Energiemärkten zu bekommen. „Der Krisenaufschlag macht aktuell den größten preistreibenden Faktor aus.“

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