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Sasha Aruntyunova
Zadie Smith, 44, gehört zu den wichtigsten Stimmen der Weltliteratur. Bereits ihr erster Roman "Zähne zeigen", erschienen 2000, wurde zum internationalen Bestseller. Seitdem hat die Britin zahlreiche Essays und Erzählungen veröffentlicht.
Irgendwann fängt man an, Verachtung als Virus zu betrachten. Erst befällt es Einzelpersonen, dann verbreitet es sich rasant in Familien, Gemeinschaften, Völkern, Machtgefügen, Nationen. Weniger spektakulär als Hass. Tödlicher.
Wenn Verachtung tötet, dann geschieht das nicht unbedingt im Rahmen eines Rachefeldzugs, ja nicht einmal ganz bewusst. Es kann auch eine flüchtige Laune sein. Verachtung ist weitverbreitet und dadurch lebensgefährlich. "Das Virus interessiert sich nicht für uns." So ist es auch mit der Verachtung: Aus ihrer Sicht steigt man nicht einmal richtig zum Hassobjekt auf – das würde ja eine komplette Anerkennung der eigenen Existenz erfordern. Vor der Verachtung gilt man einfach nicht so viel wie andere, man zählt nicht als ganze Person, ist kein vollständiges Mitglied der Gesellschaft. Man ist eine statistische Größe. Man ist als Verlust schon einkalkuliert. Man kann auf nichts zurückgreifen. Man verkörpert kein Kapital, und damit verkörpert man auch keine Macht. Man ist zu vernachlässigen.
