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Silvio Berlusconi: Spitzenpolitiker, Stars und Tausende Anhänger nehmen Abschied in Mailand

June 15
00:36 2023

Silvio Berlusconi scheute den großen Auftritt zeitlebens nicht. Die nun für den vierfachen italienischen Ministerpräsidenten in seiner Heimatstadt Mailand abgehaltene Trauerfeier fügt sich in dieses Bild.

Spitzenpolitiker, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Unterhaltung und Sport sowie viele Anhänger nahmen in beziehungsweise vor dem Mailänder Dom Abschied von Berlusconi: Rund 2000 Trauergästen waren in die Kirche geladen, vor der Kathedrale verfolgten Tausende Anhänger auf vier Leinwänden den Gottesdienst.

Als der Sarg des am Montag im Alter von 86 Jahren gestorbenen Politikers in die Kirche getragen wurde, applaudierten die Menschen. Es wurden Fahnen des AC Mailand, Berlusconis früherem Fußballklub, sowie seiner Partei Forza Italia geschwenkt. Hinter dem Sarg betraten die Kinder Berlusconis und seine Lebensgefährtin Marta Fascina die Kirche.

Staatspräsident Sergio Mattarella, Regierungschefin Giorgia Meloni und ihre Minister gehörten ebenso zur Trauergesellschaft wie Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Auch Emir Tamim bin Hamad Al Thani aus Katar und der irakische Präsident Abdul Latif Raschid standen auf der Gästeliste.

Berlusconis Sarg war kurz vor 15 Uhr vor den Dom gefahren worden. Medien hatten die Anfahrt zuvor unter anderem per Helikopter begleitet. An den Straßen auf dem Weg ins Mailänder Zentrum standen ebenfalls etliche Menschen Spalier.

Kritik an massiven Feierlichkeiten

Das Staatsbegräbnis hatte zuletzt auch weitreichende Folgen für den italienischen Politikbetrieb. Vor der Trauerfeier hatte die Regierung für drei Tage ihre Arbeit weitgehend niedergelegt. Im Parlament wurden Sitzungen und Abstimmungen gar für rund eine Woche abgesagt.

»Was für eine Übertreibung, völlig deplatziert«, sagte dazu die frühere Ministerin und EU-Kommissarin Emma Bonino in der Zeitung »La Repubblica«.

Dass die Regierung einen nationalen Trauertag samt Halbmastbeflaggung an öffentlichen Gebäuden ausrief, ist zudem ein Novum nach dem Tod eines früheren Ministerpräsidenten. Üblicherweise geschieht dies nach schweren Katastrophen mit vielen Opfern – etwa verheerenden Erdbeben oder zuletzt der schlimmen Flut in der Emilia-Romagna. »Wir werden uns an keiner Heiligsprechung beteiligen«, sagte Chiara Gribaudo, die stellvertretende Parteichefin der Sozialdemokraten.

Kritiker erinnerten daran, dass selbst nach den brutalen Bombenattentaten der Mafia 1992 gegen die Juristen Giovanni Falcone und Paolo Borsellino oder dem Mord an Ex-Ministerpräsident Aldo Moro durch Terroristen 1978 die Parlamente einberufen worden waren. Eine »Trauer, die spaltet«, titelte die Zeitung »La Stampa«.

Berlusconi stand von 1994 bis 2011 mit Unterbrechungen insgesamt vier Regierungen vor, kein anderer war in der italienischen Nachkriegszeit länger Ministerpräsident. Er war Immobilienmogul, Medientycoon und führte den AC Mailand an die europäische Fußballspitze. Unzählige Justizermittlungen – darunter wegen Steuerhinterziehung, Betrug, Verbindungen zur Mafia und Begünstigung von Prostitution Minderjähriger – überstand der Selfmade-Milliardär unbeschadet.

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