News zum Russland-Ukraine-Krieg: Das geschah in der Nacht zu Dienstag (13. Juni)
Russische Luftangriffe
Russland hat in der Nacht auf Dienstag wieder Luftangriffe auf die Ukraine gestartet. Moskaus Luftschläge trafen unter anderem ein fünfstöckiges Haus in Krywyj Rih. »Es gibt Tote und Verwundete«, schreibt der Militärgouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Serhij Lyssak, bei Telegram . Der Bürgermeister der Stadt, Olexander Wilkul, teilt via Telegram mit: »Alle Rettungsdienste sind im Einsatz, das Löschen der Brände ist beendet.« Es gebe Verletzte in ernstem Zustand: »Vermutlich befinden sich Menschen unter den Trümmern.«
In der Region Kiew wurde der russische Luftangriff ukrainischen Angaben zufolge abgewehrt. Die Luftabwehrsysteme hätten alle auf die Hauptstadt gerichteten Raketen zerstört, teilt das Militär mit. »Es liegen noch keine Informationen über Opfer oder Schäden vor«, teilt Serhij Popko, Leiter der Militärverwaltung der Stadt, auf Telegram mit.
Die Gegenoffensive
Die Ukraine hat im Zuge ihrer Gegenoffensive nach eigenen Angaben in »harten« Kämpfen Erfolge erzielt und inzwischen sieben Dörfer von den russischen Streitkräften zurückerobert. »Sieben Siedlungen wurden befreit«, schreibt Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar bei Telegram . Die Ortschaften Lobkowo, Lewadne und Nowodariwka in der Region Saporischschja im Süden des Landes sowie das Dorf Storoschewe in der ostukrainischen Region Donezk seien wieder unter ukrainischer Kontrolle. Hinzu kommen drei Siedlungen in der Region Donezk, deren Rückeroberung Kiew am Sonntag gemeldet hatte. Damit habe die Ukraine ein Gebiet von »rund 90 Quadratkilometern« wieder unter ihre Kontrolle gebracht, sagte Maljar.
Das ukrainische Verteidigungsministerium meldete zudem Geländegewinne in Richtung der umkämpften Stadt Bachmut. Die Armee sei »250 bis 700 Meter vorgerückt«.
Kurz zuvor hatte Russland erklärt, ukrainische Angriffe in der gleichen Region in Donezk nahe des Dorfes Welyka Nowosilka abgewehrt zu haben. Auch nahe Lewadne in der benachbarten Region Saporischschja seien Angriffe zurückgedrängt worden. Die Darstellungen der Ukraine und Russlands konnten nicht unabhängig überprüft werden.
Das sagt Kiew
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat von einem Erfolg der ukrainischen Offensive gesprochen. »Dank unseren Männern für jede ukrainische Flagge, die an ihren rechtmäßigen Platz in den Dörfern der neu von der Besatzung befreiten Gebiete zurückkehrt«, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft: »Die Kämpfe sind hart, aber wir kommen vorwärts, und das ist wichtig.«
»Die Verluste des Feindes sind genau das, was wir brauchen«, sagte Selenskyj nach einem Treffen mit Generälen zur Lage im Frontgebiet. Besonders auch um die von Russland für eingenommen erklärte Stadt Bachmut werde die ukrainische Kontrolle ausgebaut. Bei der Zusammenkunft mit der Militärführung sei es um die »Erfolge« gegangen, aber auch um Fragen, wo an der Front Verstärkung gebraucht werde, um russische Verteidigungsstellungen zu durchbrechen.
Selenskyj erwähnte außerdem, dass die Bedingungen für die Kampfhandlungen in diesen Tagen wegen des Wetters ungünstig seien. Regen weicht die Böden auf und macht das Gelände für schwere Technik weniger gangbar. Besonders lobte Selenskyj auch, dass russische Kriegsgefangene genommen würden. Das helfe dabei, die Reserven für einen Austausch gegen eigene Soldaten aus russischer Gefangenschaft auszubauen.
Beratungen zwischen Polen, Frankreich und Deutschland
Deutschland, Frankreich und Polen beraten über langfristige Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Bundeskanzler Olaf Scholz traf dazu am Montagabend in Paris Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron sowie den polnischen Staatschef Andrzej Duda. Duda appellierte vor den gemeinsamen Beratungen: »Die Ukraine wartet auf ein eindeutiges Signal bezüglich einer klaren Aussicht auf die Mitgliedschaft in der Nato.« Dies sei die Erwartung der ukrainischen Führung und der Soldaten, die das von Russland angegriffene Land verteidigen. Er hoffe, der bevorstehende Nato-Gipfel in Vilnius werde der Ukraine das von ihr ersehnte »Licht am Ende des Tunnels« bringen werde.
Scholz (SPD) sagte, gegenwärtig seien die Hauptanstrengungen darauf gerichtet, die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland zu unterstützen. »Wir werden das auch weiter machen, so lange wie das notwendig ist, darauf sind wir vorbereitet.« Trotzdem mache die intensive Debatte über Sicherheitsgarantien Sinn, sagte der Kanzler. »Das machen wir weiter sehr intensiv und das wird dann fertig sein, wenn da ein gemeinsames Gesprächsergebnis entstanden ist. Aber klar ist: Wir brauchen sowas, und wir brauchen es in sehr konkreter Form.«
Auch Macron zeigte sich zurückhaltender als Duda. Man wolle über die »Unterstützung der Nato für die Ukraine reden, um ihr alle Perspektiven zu geben, auf die sie ein Anrecht hat.« Er hoffe, dass der anstehende Nato-Gipfel es ermöglichen werde, einen Weg aufzuzeigen und eine klare Vision für die Zukunft der kollektiven Sicherheit zu entwickeln. Auf dem Nato-Gipfel in der litauischen Hauptstadt Vilnius am 11. und 12. Juli will die Ukraine eine konkrete Perspektive auf Aufnahme in das Verteidigungsbündnis bekommen.
Das passiert heute
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, reist in die Ukraine. Nach Gesprächen in Kiew ist auch ein Besuch im Atomkraftwerk von Saporischschja geplant, wo Grossi sich nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms ein Bild von der Lage machen will. Der Damm war vor einer Woche zerstört worden, daraufhin waren riesige Mengen Wasser aus dem Stausee ausgetreten, der auch zur Kühlung der sechs Reaktoren des AKWs genutzt wird.
Die Reaktoren des von Russland besetzten größten Atomkraftwerks Europas sind seit Monaten abgeschaltet. Der Brennstoff in den Reaktorkernen und in den Lagerbecken muss jedoch weiterhin ständig gekühlt werden, um eine Kernschmelze und die Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt zu verhindern.

