News zum Russland-Ukraine-Krieg: Das geschah in der Nacht zu Montag (12. Juni)
Das sagt Kiew
Die ukrainische Armee hat erste militärische Erfolge ihrer Gegenoffensive gegen die russischen Truppen verkündet: Die ukrainischen Streitkräfte meldeten am Sonntag die Rückeroberung von drei Dörfern in der Region Donezk im teilweise russisch besetzten Osten des Landes. Ukrainische Soldaten bestätigten derweil die Zerstörung vom Westen gelieferter Panzer durch russischen Beschuss in der weiter südlich gelegenen Region Saporischschja. In den südukrainischen Überschwemmungsgebieten wurden derweil nach Behördenangaben drei Menschen bei russischen Angriffen getötet und mindestens zehn weitere verletzt.
Zunächst erklärte das ukrainische Heer, ukrainische Soldaten hätten das Dorf Blagodatne »befreit«. Weniger als drei Stunden später meldeten die ukrainischen Grenzschutztruppen die Rückeroberung der Ortschaft Neskutschne: Über dem Ort wehe wieder »die ukrainische Flagge«. Am Abend erklärte schließlich Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar, auch die nahe von Blagodatne gelegene Ortschaft Makariwka sei wieder in ukrainischer Hand.
Es handelt sich um die ersten von ukrainischer Seite gemeldete Rückeroberung von Ortschaften seit Monaten. Zuvor hatte Kiew lediglich die Rückeroberung von einigen hundert Quadratmetern am Rande der monatelang umkämpften Stadt Bachmut gemeldet.
Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag berichtet hatte, die monatelang erwartete ukrainische Großoffensive sei bereits im vollen Gang, hatte der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Samstag lediglich von »Gegenoffensiv- und Defensiv-Aktionen« gesprochen, zu denen er aber »keine Einzelheiten« nennen werde.
Selenskyj hat die Schüsse auf Rettungsboote mit Zivilisten im gefluteten Kriegsgebiet Cherson im Süden des Landes scharf verurteilt. »Sogar Tiere haben mehr Moral als Sie, russischer Staat«, sagte Selenskyj in seiner am Sonntag in Kiew verbreiteten allabendlichen Videobotschaft. »Russische Terroristen beschießen weiter Evakuierungswege, Evakuierungspunkte, Boote, die die Menschen wegbringen.«
Ein Boot mit 21 Menschen war laut ukrainischen Behörden am Sonntag von Russen beschossen worden, während die Zivilisten sich aus dem von Moskau besetzten Teil des Gebiets Cherson in Sicherheit bringen wollten. Drei Menschen starben, zehn wurden verletzt.
Erst habe Russland den Staudamm gesprengt, dann die Menschen in dem Überschwemmungsgebiet ihrem Schicksal überlassen und nun werde noch auf sie geschossen, sagte Selenskyj. Er sagte, Vertreter des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag hätten sich in Cherson selbst ein Bild von der Lage gemacht. Das rechte Ufer des Dnipro-Flusses ist unter ukrainischer Kontrolle. Die Experten hätten mit der Untersuchung der Katastrophe begonnen.
»Diese Untersuchung ist sehr wichtig für die Sicherheit der ganzen Welt«, sagte Selenskyj. Eine Bestrafung Russlands sei Voraussetzung dafür, dass sich dieses Böse in der Welt nicht wiederhole. Selenskyj zufolge sind bisher etwa 4000 Menschen gerettet worden. Dutzende Städte und Dörfer seien noch überschwemmt, am schlimmsten sei die Lage weiter im russisch besetzten Teil des Gebiets Cherson auf der linken Dnipro-Uferseite. Die Evakuierung dauere an. Russland wiederum macht die Ukraine für die Zerstörung des Staudamms verantwortlich.
Selenskyj teilte in seiner Videobotschaft auch mit, dass er weitere 178 Menschen auf eine Sanktionsliste gesetzt habe, die »dem Bösen dienen, zu dem der russische Staat geworden ist«. Es gehe um Verantwortliche, die Freiheiten zerstört hätten und eine Schlüsselrolle spielten bei den Repressionen in den besetzten Gebieten der Ukraine und in Russland selbst. Jeder »Komplize der russischen Diktatur« werde zur Verantwortung gezogen, versprach er.
Das sagt Moskau
Russlands Verteidigungsministerium will alle russischen Freiwilligenverbände per Anordnung unter seine Befehlsgewalt bringen. Bis zum 1. Juli müssten alle diese Einheiten einen Vertrag mit der Behörde unterzeichnen, teilte der stellvertretende Verteidigungsminister Nikolai Pankow in Moskau mit. Es gebe inzwischen mehr als 40 Freiwilligenverbände, deren rechtlicher Status so abgesichert werden solle. Der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, teilte am Sonntag mit, er weigere sich, solch einen Vertrag zu unterschreiben.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu könne über das Ministerium und die Soldaten bestimmen, sagte Prigoschin in einer über seinen Telegram-Kanal veröffentlichten Sprachnachricht. Der Minister sei aber schon bisher nicht in der Lage, seine eigenen Truppen zu führen. Wagner werde daher keine Verträge mit Schoigu unterzeichnen. Es könne sein, dass Wagner dann keine Waffen und Munition erhalte – doch nur so lange, bis das Ministerium die Hilfe der Privatarmee brauche.
Prigoschin betonte zugleich mit Blick auf die Befehlsgewalt, dass er sich Präsident Wladimir Putin als Oberbefehlshaber und den Interessen Russlands unterordne. Dagegen hatte er Schoigu und den russischen Generalstabschef Waleri Gerassimow angesichts einer Vielzahl an Niederlagen in Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine bereits zuvor Unfähigkeit vorgeworfen.
Lage am Kraftwerk Saporischschja
Angesicht von Diskrepanzen bei den gemeldeten Daten zur Wasserhöhe im ukrainischen Kachowka-Stausee hat die Atomenergiebehörde IAEA gefordert, selbst Messungen vor Ort vornehmen zu können. Ständig im Atomkraftwerk von Saporischschja präsente IAEA-Inspekteure müssten Zugang zu dem Stausee erhalten um klären zu können, warum es »bedeutende Unterschiede« bei den Messungen verschiedener Einrichtungen gebe, erklärte die Atomenergiebehörde am Sonntag.
Er hoffe, dass seine Mitarbeiter »sehr bald« Zugang bekämen, um die Lage unabhängig bewerten zu können, betonte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi.
Der Staudamm des Kachowka-Stausees war am Dienstag zerstört worden, riesige Mengen Wasser traten aus und Gebiete im weiten Umkreis wurden überschwemmt. Das Wasser des Sees wird auch zur Kühlung der sechs Reaktoren des Atomkraftwerks von Saporischschja genutzt. Dieses ist seit Monaten von russischen Truppen besetzt.
Laut IAEA gab die Verwaltung eines nahe des Akw Saporischschja gelegenen Heizkraftwerks die Wasserhöhe im Stausee am Sonntag mit 11,27 Metern an, gegenüber fast 17 Metern vor dem Dammbruch. Von anderen an den Stausee grenzenden Orten würden jedoch weiter zurückgehende Pegelstände gemeldet, betonte die Atomenergiebehörde. Der Unterschied liege bei bis zu zwei Metern gegenüber der in Saporischschja gemeldeten Wasserhöhe.
Die Reaktoren des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja sind seit Monaten abgeschaltet. Der Brennstoff in den Reaktorkernen und in den Lagerbecken muss jedoch ständig gekühlt werden, um eine Kernschmelze und die Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt zu verhindern.
Internationale Reaktionen
Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un sicherte dem russischen Präsidenten Putin eine verstärkte Zusammenarbeit zu. Er rufe zu einer »engeren strategischen Zusammenarbeit« auf, sagte Kim in der von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Botschaft. Er reiche Putin fest die Hand, »entsprechend dem gemeinsamen Wunsch beider Völker, das große Ziel des Aufbaus eines mächtigen Landes zu erreichen.«
Kim verteidigte auch Putins Einmarsch in die Ukraine und sichert ihm »volle Unterstützung und Solidarität zu«. »Die Gerechtigkeit wird siegen, und das russische Volk wird der Geschichte des Sieges weiterhin Ruhm hinzufügen.«
Was heute passiert
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Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) berät am Abend in Paris mit den Präsidenten Frankreichs und Polens, Emmanuel Macron und Andrzej Duda, über die Lage in der Ukraine (19.30 Uhr). Dabei geht es sowohl um weitere militärische Unterstützung als auch um humanitäre Hilfe nach der teilweisen Zerstörung des Kachowka-Staudamms.
Themen des Arbeitsessens sind nach Angaben des Elysée-Palasts zudem Sicherheitsgarantien für die Ukraine sowie die Vorbereitung der anstehenden Gipfel der EU und der Nato. Zuletzt hatte im Februar in München ein Treffen im Format des sogenannten Weimarer Dreiecks stattgefunden.

