Ukraine: Kremltreue befürchten Einkesselung der Russen in Bachmut
Seit Wochen tobt der Kampf um Bachmut, ukrainische Soldaten haben die russisch besetzte Stadt in der Zange. Nun zeigen sich russische Korrespondenten alarmiert: Für die Soldaten drohe eine Falle.
Seit Monaten kämpft die russische Söldnertruppe Wagner im ostukrainischen Bachmut, die Verluste werden nach eigenen Angaben immer größer. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin drängt seit Tagen auf Abzug, dem Kreml wirft er Versagen vor. Nun scheinen russische Korrespondenten und prorussische Militärblogger die Sorgen Prigoschins zu bestätigen: Mehrere Akteure, die die Lage vor Ort verfolgen, zeigten sich am Donnerstagabend besorgt über ukrainische Truppenbewegungen.
Der prominente Kriegskorrespondent Jewgeni Poddubny schrieb auf Telegram, wegen der ukrainischen Angriffserfolge an den Flanken Bachmuts drohe eine umfassende Einkesselung. Ukrainische Durchbrüche habe es auch in der Umgebung von Soledar gegeben, das nur wenige Kilometer nordöstlich von Bachmut liegt. Dort sei es ukrainischen Kampfgruppen gelungen, die russischen Linien zu durchbrechen.
»Die Lage ist schwierig«, schrieb Poddubny. Die russischen Streitkräfte hatten Soledar erst Ende Januar nach wochenlangen schweren Kämpfen eingenommen. Auch andere prorussische Blogger, welche die Lage vor Ort verfolgen, gaben sich alarmiert.
Der Kreml verneint
Die ukrainische Militärführung machte zu den Erfolgen in Soledar bisher keine Angaben, sprach lediglich von schweren Kämpfen bei Bachmut. Laut Armeesprecher Serhij Tscherewatyj hätten die russischen Einheiten verzweifelt versucht, das weitere Vordringen der Ukrainer mit massiven Artillerieschlägen und Luftangriffen aufzuhalten. Die Intensität der Kämpfe habe zugenommen, sagte Tscherewatyj. Allein am Donnerstag seien 165 russische Soldaten getötet und weitere 216 verwundet worden, behauptete er.
Der Kreml selbst wies die Berichte seiner Militärblogger und von Wagner-Chef Prigoschin zurück. »Die einzelnen Erklärungen auf Telegram über einen ›Durchbruch‹ an mehreren Stellen der Frontlinie entsprechen nicht der Realität«, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau am Donnerstagabend. Einheiten würden »weiterhin den Westteil der Stadt befreien«. »Die allgemeine Lage im Gebiet der militärischen Spezialoperation ist unter Kontrolle«, hieß es.
Die Angaben konnten ebenso wenig überprüft werden wie die der ukrainischen Gegenseite.
»Wo, verdammte Scheiße, ist die Munition?«
Wagner-Chef Prigoschin berichtete bereits vor einer Woche von einer drohenden Niederlage in Bachmut und ging dabei vor allem Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow scharf an. »Schoigu, Gerassimow, wo, verdammte Scheiße, ist die Munition?«, schrie er in dem Video, das ihn vor Leichen angeblicher Wagner-Kämpfer zeigte.

