König Charles III.: Monarchie-Gegner protestieren bei Krönung – mehrere Festnahmen
»God Save the Poor« statt »God Save the King«: In Großbritannien sind auch jene auf die Straße gegangen, die sich nicht für die Royals begeistern können. Es gab Dutzende Festnahmen – und auch Unmutsäußerungen im Fußballstadion.
Tausende Menschen feierten in London die Krönung von König Charles III. und Königin Camilla – aber bei Weitem nicht alle Briten freuen sich über das Ereignis. In mehreren britischen Städten nutzen die Monarchiegegner den Tag zum Protest.
In London versammelten sich unweit der Prozessionsroute Hunderte Menschen und protestierten mit Sprechchören wie »Down with the Crown« (Nieder mit der Krone). Mitglieder der Organisation Republic schwenkten Fahnen mit der Aufschrift »Not my king« (Nicht mein König).
»God Save the Poor« statt »God Save the King«
Am Morgen hatte die Polizei Mitglieder der Antimonarchie-Gruppe »Republic« festgenommen, darunter auch deren Chef Graham Smith. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete die Festnahmen als »extrem alarmierend«. »Das ist etwas, das wir in Moskau erwarten würden, nicht in London«, teilte sie mit und kritisierte die britische Regierung für ihre zunehmend negative Haltung gegenüber Demonstrationen.
Für die Festnahmen habe die Polizei keine Begründung genannt, sagte ein Mitglied von »Republic«. Der Sender Sky News berichtete, die Einsatzkräfte hätten sich an einem mitgebrachten Megafon gestört. Das Gerät könne die Pferde erschrecken und außerdem die Royals-Fans in der Nähe stören, habe die Begründung gelautet. Das Megafon sei vor der Festnahme nicht benutzt worden, so Sky News weiter.
»Alle diese Personen bleiben in Gewahrsam«
Am Samstagabend teilte die Metropolitan Police mit, in Londons seien insgesamt 52 Menschen festgenommen worden. Grund seien Straftaten wie Körperverletzung, Verstöße gegen die öffentliche Ordnung, Landfriedensbruch und »Verschwörung zum Erregen eines öffentlichen Ärgernisses« gewesen. »Alle diese Personen bleiben in Gewahrsam«, teilte die Polizei weiter mit.
»Wir haben volles Verständnis für die Sorgen der Öffentlichkeit nach den Festnahmen, die wir heute Morgen vorgenommen haben«, sagte Einsatzleiterin Karen Findlay in Richtung der Kritiker. Proteste seien rechtmäßig und dürften stören. Die Polizei müsse aber eingreifen, wenn die Demonstrationen »kriminell werden und ernsthafte Störungen verursachen können«, sagte Findlay. »Das hängt vom Kontext ab. Die Krönung ist ein Ereignis einer Generation, und das ist ein wichtiger Aspekt bei unserer Bewertung.«
Innenministerin Suella Braverman dankte der Polizei für den Einsatz. »Es waren eine großartige Prozession und Zeremonie, die zehntausende Menschen in London genossen haben«, sagte die konservative Politikerin. »Es war eine große Hommage an unser Land und unsere Monarchie.« Die Regierung hatte das Demonstrationsrecht erst vor Kurzem erneut deutlich verschärft. So dürfen Polizisten Proteste untersagen, wenn sie dadurch Störungen der öffentlichen Ordnung erwarten.
Auch in der walisischen Hauptstadt Cardiff gingen Gegner der Monarchie auf die Straße. Hunderte beteiligten sich an einem Protestmarsch und riefen »God Save the Poor« (Gott schütze die Armen) statt dem traditionellen »God Save the King« (Gott schütze den König). Außerdem wurde ein »großer republikanischer Lunch« in einem Park angekündigt.
Britische Nationalhymne vor Spiel von FC Liverpool ausgebuht
Ebenfalls kritisch zeigten sich die Fans des FC Liverpool, die am Samstag beim Spiel gegen Brentford im Stadion an der Anfield Road die Nationalhymne ausbuhten. Zuvor war entschieden worden, an diesem Wochenende bei allen Premier League-Spielen in Großbritannien die Hymne »God Save The King« zu spielen. Liverpool-Teammanager Jürgen Klopp hatte sich hinter diese Entscheidung gestellt, er betonte, er wünsche dem König alles Gute, »nicht nur heute, sondern auch für die Zukunft«.

