Ukraine: Vorbereitung der Frühjahrsoffensive laut Olexij Resnikow »in der Endphase«
Der Gegenschlag der Ukrainer kann laut offiziellen Aussagen jederzeit losgehen. Man werde entscheiden, »wie, wo und wann« man zuschlage, sagte Verteidigungsminister Resnikow – und nannte eine Forderung für die Zeit nach der Rückeroberung.
Die Vorbereitungen der Ukraine für die erwartete Frühjahrsoffensive zur Rückeroberung russisch besetzter Gebiete sind nach Worten von Verteidigungsminister Oleksij Resnikow »in der Endphase«. Er glaube an ihr Gelingen, sagte er im Staatsfernsehen. »Es ist viel für ihren Erfolg getan worden.«
Er glaube, »dass wir ab heute auf die Zielgerade einbiegen und sagen können: Ja, alles ist bereit«, so Resnikow. »Und dann werden der Generalstab, der Oberbefehlshaber und sein Team auf der Grundlage der Entscheidung und des Verständnisses der Lage auf dem Schlachtfeld entscheiden, wie, wo und wann«, sagte der Minister. Er sei ebenso wie die internationalen Partner der Ukraine vom Erfolg der Offensive überzeugt. Schließlich verstünden die Partner Kiews, dass ein Erfolg »im Sicherheitsinteresse ihrer Länder und ihrer Völker liegt«.
Nach der Rückeroberung der besetzten Gebiete durch seine Truppen setzt Resnikow auf eine Verurteilung der politischen und militärischen Führung Russlands. »Es muss ein Urteil eines internationalen Tribunals für die militärischen Verbrecher des Kreml und dieser Mafia-Bande geben«, forderte er. Kremlchef Wladimir Putin »und sein Umfeld müssen sitzen«. Eine Verurteilung wäre das wichtigste Signal für alle Nachfolger und Nachkommen in Russland: »Denkt nicht an Rache.« Vielmehr müsse sich in Russland die Führung grundlegend ändern, damit normale Menschen in einer zivilisierten Welt leben könnten, sagte er weiter.
Die ukrainische Führung bereitet seit Monaten eine Frühjahrsoffensive gegen die russischen Angreifer vor. Ziel ist es, die russischen Truppen aus den besetzten Gebieten im Süden und Osten des Landes zu vertreiben.
Ukrainischer General spricht von kleinen Gegenangriffen seiner Männer in Bachmut
Jewgeni Progoschin, der Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, sagte in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem russischen Militärblogger Semjon Pegow, er rechne für Mitte Mai mit dem Beginn der ukrainischen Gegenoffensive. Er warnte Moskau vor der möglichen Folgen der ukrainischen Offensive: »Diese Gegenoffensive könnte zu einer Tragödie für unser Land werden«, fügte er hinzu.
In der Ukraine ist die Wagner-Gruppe derzeit in erster Linie an der Schlacht um Bachmut beteiligt. Die erbitterten Kämpfe um die Stadt im Osten der Ukraine dauern seit Monaten an.
Der Kommandeur der ukrainischen Landstreitkräfte, Oleksandr Syrskyj, erklärte am Montag, seine Männer hätten kleine Gegenangriffe ausgeführt und dabei die Russen aus einigen Stellungen verdrängt. Ihm zufolge hat Russland zwar nicht die vollständige Kontrolle über die Stadt erlangt. Die Lage sei aber noch immer »ziemlich kompliziert«.
Offizielle in Kiew streiten über russische Pässe in besetzten Gebieten
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez hat Ukrainern in den von Russland besetzten Gebieten unterdessen zur Annahme russischer Pässe geraten. »Überleben, das ist die Hauptsache«, sagte der 41-Jährige im Fernsehen, wie örtliche Medien in der Nacht zum Montag berichteten. Die Regierung würde darauf verständnisvoll reagieren, da die Einbürgerungen unter Druck stattfinden. Lubinez sprach sich »kategorisch« gegen eine strafrechtliche Verfolgung von Ukrainern aus, die die russische Staatsbürgerschaft zum »Überleben« angenommen hätten. Ausgenommen von der Straffreiheit seien jedoch die Organisatoren des Einbürgerungsprozesses, die als »Kollaborateure« angeklagt würden.
Die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk widersprach dem Rat des Menschenrechtsbeauftragten. »Wer hat gesagt, dass die Russen lange in den temporär besetzten Gebieten sein werden?«, schrieb Wereschtschuk im Messengerdienst Telegram. Es sei ihrer Meinung nach unmöglich, aus Ukrainern Russen zu machen. Abschiebungen von Ukrainern aus den russisch kontrollierten Gebieten seien aufgrund fehlender »humanitärer Korridore« ebenso unmöglich.
Die 43-Jährige forderte Moskau und das Internationale Rote Kreuz auf, eine geregelte Ausreise in das ukrainisch kontrollierte Gebiet zu ermöglichen. Darüber hinaus blieben die Empfehlungen der Ministerin für die Menschen in den besetzten Gebieten bestehen. »Keine russischen Pässe annehmen, nicht mit den Besatzern kooperieren, wenn möglich ausreisen, auf die ukrainischen Streitkräfte warten«, so Wereschtschuk.

