Ukraine: Kadyrow bietet eigene Kämpfer als Ersatz für Wagner-Söldner an
Die Söldnertruppe Wagner droht mit einem Rückzug aus Bachmut – Tschetscheniens Machthaber Kadyrow könnte mit seinen Soldaten einspringen. Und: Russland vermeldet einen besseren Schutz des AKW Saporischschja. Die jüngsten Entwicklungen.
Das sagt Kadyrow
Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow hat angeboten, seine eigene Truppe »Achmat« in die ostukrainische Stadt Bachmut zu schicken, sollten sich der russische Söldnerführer Jewgeni Prigoschin und seine Leute aus dem Ort zurückziehen.
»Ja, wenn der ältere Bruder Prigoschin und 'Wagner' gehen sollten, dann verliert der Generalstab eine erfahrene Einheit und an ihre Stelle könnten dann der kleine Bruder Kadyrow und 'Achmat' treten«, schrieb Kadyrow am Freitag auf Telegram. Seine Kämpfer seien bereit, voranzugehen und die Stadt zu erobern. »Das ist nur eine Frage von Stunden.«
Die Gruppe Wagner ist an vorderster Front an den Kämpfen um Bachmut beteiligt. Russland setzt im Angriffskrieg gegen die Ukraine aber auch Einheiten aus Tschetschenien ein. Sie gehören formal zu Polizei und Nationalgarde, folgen aber faktisch vor allem Kadyrows Kommando.
Zuvor hatte Wagner-Chef Prigoschin die russische Armeespitze attackiert und mit einem Abzug seiner Söldner aus Bachmut gedroht. Prigoschin hatte am Freitag gleich drei Videos sowie eine schriftliche Erklärung veröffentlicht, in denen er Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow harsch anging.
Russlands Armeeführung sei für massive Verluste in der Ukraine verantwortlich. Prigoschin zeigte sich erbost über ausgebliebene Munitionslieferungen: »Schoigu, Gerassimow, wo, verdammte Scheiße, ist die Munition?«, schrie er.
Der Wagner-Chef kündigte einen Abzug seiner Söldnereinheiten am kommenden Mittwoch an. Diese müssten »ihre Wunden lecken«. Damit verschärfte er den seit Monaten schwelenden Konflikt mit der russischen Militärführung.
Das sagt die Ukraine
Das ukrainische Militär sieht trotz einer Ankündigung von Wagner-Chef Prigoschin keine Anzeichen für einen baldigen Abzug der russischen Söldner aus Bachmut. »Diese Erklärungen wurden vor dem Hintergrund gemacht, dass er ein weiteres Versprechen, Bachmut bis zum 9. Mai zu erobern, nicht erfüllen kann«, sagte ein Vertreter der Militäraufklärung der Nachrichtenagentur RBK-Ukrajina. Prigoschin versuche damit nur, die Verantwortung auf andere abzuschieben.
Das ukrainische Militär sieht bei den Russen auch – anders als von Prigoschin dargestellt – keinen Munitionsmangel. »Allein heute wurde in Bachmut und Umgebung 520-mal aus Artillerie unterschiedlichen Typs geschossen«, erklärte Armeesprecher Serhij Tscherewatyj. Der eigentliche Hintergrund der Erklärungen Prigoschins seien die hohen Verluste der Söldnertruppen von 100 und mehr Toten pro Tag.
Die ukrainischen Streitkräfte zerstörten nach Angaben von Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar bei Bachmut mehrere Munitionsdepots der Wagner-Truppe durch Artilleriebeschuss. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Die Stadt Bachmut ist seit Herbst der am schwersten umkämpfte Flecken in der Ukraine, in die Russland vor mehr als 14 Monaten einmarschiert ist.
Das sagt Moskau
Das von Russland gehaltene Atomkraftwerks Saporischschja soll besser vor einer Überflutung geschützt sein, berichtete die russische Nachrichtenagenur Tass. Ingenieure hätten das Risiko eines Dammbruchs am Kachowka-Wasserkraftwerk am Fluss Dnjepr senken können. Man habe damit begonnen, Wasser abzulassen.
»Ein Tor des Kachowka-Wasserkraftwerks wurde geöffnet und Reparaturarbeiten am Kachowka-Kanal haben begonnen«, sagte ein Vertreter das Konzerns Rosenergoatom laut Tass. Pumpen und Rohre würden repariert. Das Wasser werde abgelassen. »Die Überschwemmungsgefahr hat sich erheblich verringert.«
Zuvor hatte der russische Energiekonzern gewarnt, dass ein möglicher Dammbruch Leitungen am Kernkraftwerk Saporischschja überfluten könnte. Die Sicherheit des AKW sei deshalb in Gefahr. Satellitenbildern aus dem November letzten Jahres hatten erhebliche Schäden an dem Damm gezeigt.
Im März hatten ukrainische Experten die Befürchtung geäußert, dass am Kraftwerk in Saporischschja im Sommer das Wasser knapp werden könnte, da die russischen Streitkräfte Wasser aus einem Reservoir abgelassen hätten, das die Anlage versorgt. Eine stabile Wasser- und Stromversorgung sind essenziell für einen sicheren Betrieb von Atomkraftwerken.
Gericht erlaubt ukrainische Flaggen
Ukrainische Flaggen dürfen nun doch am 8. und 9. Mai rund um drei Sowjetischen Ehrenmale in Berlin zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 78 Jahren gezeigt werden. Das Verwaltungsgericht Berlin kippte am Freitagabend ein entsprechendes Verbot.
Die Berliner Polizei twitterte in der Nacht zu Samstag, das Gericht habe die Gefährdungsbewertung anders beurteilt und das Zeigen ukrainischer Flaggen und Fahnen sowie ukrainische Marsch- und Militärlieder an den benannten Örtlichkeiten erlaubt. »Wir werden gegen den Beschluss kein Rechtsmittel einlegen.«

