Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff: »Wenige reichen, um eine Gesellschaft an ihre Grenzen zu führen«
Icon: vergrößernSachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff in der Staatskanzlei in Magdeburg
Foto: Harald Krieg / DER SPIEGEL
SPIEGEL: Herr Haseloff, Sie haben vor zwei Wochen gesagt, der Staat sei am Ende seiner Möglichkeiten, sollten die Infektionszahlen bis Februar nicht deutlich sinken. Wie haben Sie das gemeint?
Haseloff: Der Staat ist per definitionem nie am Ende, das ist etwas verknappt wiedergegeben worden. Worum es mir ging: Es gibt eine überschaubare Zahl an Instrumenten, mit denen wir die Pandemie bekämpfen können. Und im Prinzip haben wir bald alle Register gezogen.
SPIEGEL: Einen strengen Lockdown haben Sie zusammen mit den anderen Ministerpräsidenten und der Kanzlerin am Dienstag nicht verhängt. Experten und das Bundeskanzleramt wollten deutlich härtere Maßnahmen.
Haseloff: Wir könnten noch Ausgangssperren verhängen und die Fabriken stilllegen. Dann steht etwa in der Autoindustrie oder im Maschinenbau die Produktion still. Aber wollen wir das – und würden wir so das Infektionsgeschehen nachhaltig runterdrücken? Wir leben in einem offenen Europa. Wir können uns nicht einfach abkoppeln wie etwa Neuseeland.

