Icon: vergrößernOhne Abstand, ohne Maske: Das gefällt sogar der CSU nicht
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Eigentlich kennen sie sich beim FC Bayern mit Abstand bestens aus. Mit dem Abstand zur Konkurrenz vor allem, der nach dem 8:0-Auftakterfolg gegen Schalke 04 so groß geworden zu sein scheint wie selten. Sportlich ist demnach alles so ungetrübt, wie man es sich nur überhaupt vorstellen kann. Aber die Bayern schaffen es zuverlässig auch dann, ihre Aufregerthemen zu generieren.
Dass die Bayern-Führung am Freitagabend im ansonsten menschenleeren Münchner Stadion so eng aufeinander hockte, als sei sonst kein Platz im weiten Rund mehr frei, hat sogar die Politik auf den Plan gerufen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml erteilte den Bayern-Granden eine Rüge. Das Bild aus Fröttmaning habe das Ministerium "mit Blick auf die Vorbildfunktion" überrascht.
Eine Rüge aus der Regierung – das soll schon etwas heißen, wenn man das ansonsten so enge Binnenverhältnis der CSU zum bayerischen Vorzeigeverein kennt. Eine Nähe, die sich auch am Freitag noch einmal dokumentierte: Unter den Gerügten, die Abstandregeln ignorierten und ohne Schutzmaske beieinander saßen, war auch der frühere Parteivorsitzende und Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er ist Dauergast auf der Bayern-Tribüne. Aber Stoibers Nach-Nach-Nachfolger Markus Söder hat mittlerweile bundespolitische Ambitionen und geriert sich in der Corona-Zeit als durchgreifend, da hat dann auch die Freundschaft zum FC Bayern hinten anzustehen.
Imageschaden bereits angerichtet
Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge hat mittlerweile durchaus registriert, dass der Auftritt vom Freitagabend, der übrigens nicht nur die Führungsriege der Bayern, sondern auch die des Gastes aus Gelsenkirchen betraf, in der Öffentlichkeit gar nicht gut angekommen war. Am Sonntag gelobte er für die nächsten Heimspiele Besserung, sprach von einem Missverständnis. Der Imageschaden war da allerdings schon angerichtet.
Zumal die Bayern in Sachen Corona noch eine andere Baustelle vor der Tür haben. Am Donnerstag soll der Champions-League-Gewinner gegen den Europa-League-Sieger FC Sevilla den europäischen Supercup ausspielen. Als Austragungsstätte hat die Uefa Budapest auserkoren und dort auch die Zulassung von Zuschauern in Aussicht gestellt. Budapest wird mittlerweile von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft. Die Uefa weist allerdings darauf hin, dass für Spieler, Delegation und Fans, die sich weniger als 72 Stunden in Ungarn aufhalten, eine Quarantäne nach der Rückreise nicht zwingend sei – wie das sonst bei einer Rückkehr aus Risikogebieten vorgeschrieben ist.
20.000 Besucher sollen im Ferenc-Puskás-Stadion Platz nehmen dürfen, unter ihnen auch 2100 Bayernfans. In Ungarn schnellen die Infektionszahlen in die Höhe, die Grenzen sind seit dem 1. September für Deutsche, die einreisen wollen, eigentlich geschlossen. Dass das Spiel trotzdem mit einem zu einem Drittel gefüllten Stadion stattfinden soll, hat bei den Bayern Kopfschütteln ausgelöst: "Es ist schon eine Sache, die man nicht so ganz versteht", sagt Trainer Hans-Dieter Flick.
"Wir haben kein Interesse daran, dass Leute Corona-infiziert nach München zurückkehren und hier nicht erkannt werden", sagt Rummenigge. Er kündigte daher an, reisende Bayern-Anhänger könnten sich vor und nach dem Ausflug nach Budapest kostenlos testen lassen. Am Montag und am Dienstag würden in der Arena entsprechende Testkapazitäten für Fans geschaffen.
DFL-Boss Seifert saß direkt nebenan
Die Sorge um die Gesundheit von Delegation und Fans formulieren, da ist das Bild eines Abstandsregeln ignorierenden Vorstands in der Liga wenig hilfreich. Das hat auch Rummenigge in der Zwischenzeit verstanden: "Wir sind uns alle einig, dass das Bild nicht unbedingt vorbildlich war." Wobei man sich schon fragen darf, warum das den Bayern nach all den Debatten dieses Jahres um die Fortsetzung des Spielbetriebs in Pandemiezeiten nicht vorher hätte klar sein können. Noch einen Tag vor dem Spiel hatte die Stadt München Zuschauern den Stadionbesuch angesichts der deutlich gestiegenen Infektionszahlen in der Stadt untersagt. Die Bayern waren also sensibilisiert genug.
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat mittlerweile angekündigt, man sei deswegen "in Gesprächen mit den Bayern". Die hätte DFL-Boss Christian Seifert allerdings auch schon während des Spiels führen können. Er saß am Freitag nur zwei Sitzreihen über dem Bayern-Vorstandsblock. Zu Rummenigge, Kahn, Hoeneß und Co. wahrte er allerdings den angemessenen Abstand.
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