Der Weg in die Parallelwelt führt über Landstraßen im Süden Baden-Württembergs, die sich über Hügel schlängeln. Am Rand eines Dorfs steht ein Haus mit strahlend weißer Fassade, gefegtem Parkplatz und akkurat gestutztem Rasen. Die Verschwörung hat sich längst in die schwäbische Idylle hineingefressen. Ein freundlicher Mann öffnet die Tür, muskulös, bullig, er macht viel Kraftsport.
Es war nicht einfach, ihn zu treffen. Der Mann hegt eine tiefe Abneigung gegenüber Journalisten und anderen Angehörigen einer vermeintlichen Elite, die seiner Meinung nach ein weltweites Komplott zur Unterdrückung der Menschheit decken. Am Telefon hatte er mit schwäbischem Akzent gesagt, er hoffe, der Reporterin die Augen zu öffnen. "Vielleicht kann ich dich ja aufwecken." Seinen Namen möchte er nicht gedruckt sehen, er soll Martin Schmidt heißen.
Er sagt: "Das Ziel der Elite ist es, mächtig zu bleiben, reich zu bleiben und die Welt zu versklaven."
Schmidt ist 27, arbeitet als Elektriker und wohnt seit dem Ausbruch der Pandemie wieder bei seinen Eltern. Er führt ins Wohnzimmer, heller Fliesenboden, Raufasertapete, und sagt, er beschäftige sich schon länger mit den universellen Fragen. Der Tod von John F. Kennedy, die Anschläge vom 11. September, die Corona-Pandemie: All dies hält er für gefälscht und verdreht, als Teil einer riesigen Inszenierung.
