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Henry Kissingers Tod: »Die Welt verliert einen besonderen Diplomaten«

November 30
12:26 2023

Bundeskanzler Olaf Scholz hat nach dem Tod des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger dessen Bedeutung für die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA hervorgehoben. »Henry Kissinger prägte die amerikanische Außenpolitik wie nur wenige andere«, schrieb Scholz bei X. »Sein Einsatz für die transatlantische Freundschaft zwischen den USA und Deutschland war bedeutend.« Kissinger, 1923 in Franken geboren, sei seiner deutschen Heimat stets verbunden geblieben, fügte Scholz hinzu. »Die Welt verliert einen besonderen Diplomaten.«

Kissinger war am Mittwoch im Alter von 100 Jahren in seinem Zuhause im Bundesstaat Connecticut gestorben. Kissinger gilt als einer der größten Diplomaten des 20. Jahrhunderts. Er wurde als Heinz Alfred Kissinger 1923 in Franken geboren. Als er 15 Jahre alt war, flüchteten seine jüdischen Eltern mit ihm nach New York. Zu den Erfolgen des Friedensnobelpreisträgers zählt die Annäherung der USA an China Anfang der Siebzigerjahre. Doch seine Karriere hatte auch Schattenseiten. Kritiker warfen ihm Skrupellosigkeit und Machtbesessenheit vor.

Steinmeier: Kissinger legte »Grundstein für das Ende des Kalten Krieges und für den demokratischen Wandel im Osten Europas«

»Wir verlieren mit Henry Kissinger einen beeindruckenden Mann mit einer unglaublichen Lebensgeschichte: den Zeitzeugen eines Jahrhunderts, die treibende geistige Kraft der US-Außenpolitik vieler Jahrzehnte, den Hüter der transatlantischen Beziehungen«, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Pressemitteilung. Steinmeier würdigte Kissingers klare Sprache und unerschrockene Diplomatie.

Der Diplomat habe mit seiner Entspannungs- und Abrüstungspolitik »den Grundstein für das Ende des Kalten Krieges und für den demokratischen Wandel im Osten Europas« gelegt. Steinmeier nannte es eine ganz besondere Ehre, Kissinger einen Freund zu nennen. »Mit Ihrem Mann verlieren wir einen großen Kämpfer für Freiheit und Demokratie«, schrieb er Bundespräsident an Kissingers Frau, Nancy Sharon Kissinger, und die Familie des Verstorbenen gerichtet.

»Mit dem Tod von Henry Kissinger hat Amerika eine der verlässlichsten und unverwechselbarsten Stimmen in Fragen der Außenpolitik verloren«, teilte Ex-US-Präsident George W. Bush mit. Kissinger habe in den Regierungen zweier US-Präsidenten gearbeitet und viele weitere beraten, schrieb Bush. Kissinger war einer seiner Berater. »Ich bin dankbar für diesen Dienst und Rat, aber am dankbarsten bin ich für seine Freundschaft.«

Er habe Kissinger, der als Junge vor den Nazis geflohen sei und sie dann in der US-Armee bekämpft habe, lange bewundert, schrieb Bush weiter. »Laura und ich werden seine Weisheit, seinen Charme und seinen Humor vermissen. Und wir werden immer dankbar sein für die Beiträge von Henry Kissinger.«

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin äußerte sich. In einem Telegramm an Kissingers Witwe nannte er den Verstorbenen einen »weisen und weitsichtigen Staatsmann«.

Beziehungen zu Israel

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf X, Kissingers Strategie und diplomatische Exzellenz hätten die globale Politik im 20. Jahrhundert geprägt. Kissingers Einfluss und Vermächtnis werde bis weit ins 21. Jahrhundert nachwirken.

Charles Michel, Präsident des Europäischen Rates, sagte: »Mein tiefstes Beileid für die amerikanische Bevölkerung und die Familie von Henry Kissinger. Ich hatte das Privileg, Henry einige Male zu treffen. Ein freundlicher Mensch mit einem brillanten Verstand. Ein Stratege, der seine Aufmerksamkeit auf die kleinsten Details richtete.«

Eine besondere Beziehung pflegte Kissinger nach China. In den Siebzigern war der damalige US-Außenminister dorthin gereist, um die Beziehungen zwischen den Ländern zu verbessern. Das vergisst man Kissinger bis heute nicht.

Chinas Präsident Xi Jinping schickte an US-Präsident Joe Biden eine Kondolenzbotschaft. Kissinger war zuletzt im Juli nach China gereist und hatte sich dort auch mit Xi getroffen. Kissinger werde wegen seiner aufrichtigen Hingabe zu der Beziehung zwischen beiden Ländern in Erinnerung bleiben, teilte das chinesische Außenministerium mit.

Der chinesische Botschafter in den USA, Xie Feng, twitterte, dass Kissingers Tod »ein großer Verlust für unsere beiden Länder und die Welt« sei. Die Geschichte werde sich daran erinnern, was der Hundertjährige für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen getan habe, schrieb Xie. »Er wird in den Herzen des chinesischen Volkes immer als ein geschätzter alter Freund weiterleben.«

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