Christian Drosten: »Wir müssen durchhalten – und vor allem: auf die Bremse treten«
Icon: vergrößernSPIEGEL: Herr Professor Drosten, die Pandemie ist in eine entscheidende Phase getreten. Der Beginn der Impfkampagnen lässt auf ein Ende des Ausnahmezustands hoffen – aber nun sind ansteckendere Virusmutanten aufgetaucht. Wie gefährlich ist die Situation derzeit in Deutschland?
Drosten: Natürlich beobachte ich das aufmerksam. Auch der Politik ist klar, dass man jetzt aufpassen muss. Am Anfang hatte ich noch, zugegeben, ein bisschen Zweifel daran, dass B.1.1.7, die neue Variante aus Großbritannien, tatsächlich so viel ansteckender ist, wie behauptet wurde. Aber jetzt gibt es eine neue Studie aus Oxford, wirklich solide Daten, die zeigen, dass diese Mutante bis zu 35 Prozent infektiöser ist als der Wildtyp des Virus. Es ist schon erstaunlich, dass das Virus derart an Ansteckungsfähigkeit zugelegt hat. Das ist leider gefährlicher, als wenn es tödlicher geworden wäre; denn jeder neue Infizierte wird dadurch mehr Menschen anstecken und jeder dieser Menschen wiederum mehr Menschen, sodass die Zahl der Infizierten exponentiell wächst.

