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Belarus: Bei Protesten gegen Alexander Lukaschenko – Blumen und Umarmungen für Soldaten

August 15
08:24 2020
Demonstratin in Minsk umarmt im friedlichen Protest einen Soldaten Icon: vergrößern

Demonstratin in Minsk umarmt im friedlichen Protest einen Soldaten

Foto: YAUHEN YERCHAK/EPA-EFE/Shutterstock

Trotz der Freilassung vieler Gefangener in Belarus haben Zehntausende Menschen in der Hauptstadt Minsk demonstriert. Auf dem Unabhängigkeitsplatz protestierten sie friedlich gegen Polizeigewalt, Behördenwillkür und die mutmaßliche Fälschung der Präsidentenwahl unter Staatschef Alexander Lukaschenko.

Videos auf tut.by und in Telegram-Kanälen zeigten, wie Frauen unter Jubel auf Sicherheitskräfte zuliefen, die auf dem Platz Stellung bezogen hatten. Sie umarmten die Soldaten und überreichten ihnen Blumen, andere Frauen legten vor ihnen Blumen auf den Boden. Auf Plakaten standen Parolen wie "wir sind nicht 20 Menschen, wir sind 16.000". Die Kundgebung endete am Abend.

Als Menschen 2010 auf dem Unabhängigkeitsplatz gegen Wahlfälschungen bei der Präsidentschaftswahl demonstrierten, ließ Lukaschenko den Protest brutal niederschlagen. Zehn Jahre später setzten sich viele Demonstranten auf den Boden, "Es lebe Belarus" und "Wir glauben, wir können, wir werden siegen", dazu machten sie die Taschenlampen ihrer Handys an. Später als sie den Platz verließen, riefen sie "Jeden Tag", die Menschen wollen nun täglich wieder kommen.

Später hielten sich weiter Tausende Demonstranten im Zentrum auf, vor der Zentrale des Geheimdienstes KGB stellten sie Kerzen auf und legten Blumen nieder. Beobachtern zufolge hielt sich die Polizei am Abend zunächst zurück – wie bereits tagsüber und am Donnerstag. Allerdings war das Internet erneut gestört. Die Behörden wollen mit dieser Taktik Proteste klein halten. Videos von den Aktionen werden im Internet verbreitet.

Demonstranten fordern Rücktritt von Lukaschenko

Die Demonstrationen begannen nach der Präsidentenwahl am Sonntag, die von massiven Fälschungsvorwürfen überschattet wurde. Viele Menschen fordern seither den Rücktritt von Lukaschenko, der seit 25 Jahren an der Macht ist.

Vor der Entscheidung der EU-Außenminister, Sanktionen gegen Unterstützer von Lukaschenko zu verhängen, hatte der Machtapparat mehr als 2000 Menschen aus Gefängnissen freigelassen. Sie waren in den vergangenen Tagen bei Protesten festgenommen worden. Fast 7000 kamen Polizeigewahrsam. "Wir tun alles nur Mögliche, um die Situation zu lösen", teilte das Innenministerium mit.

Zu Kundgebungen kam es landesweit. In vielen Städten bildeten Demonstranten Menschenketten. In Retschiza im Süden des Landes war auf Videos zu sehen, wie ein Soldat demonstrierenden Frauen Blumen überreichte. In vielen Staatsbetrieben legten Beschäftigte ihre Arbeit nieder. Für diesen Samstag sind erneut größere Proteste geplant

Icon: Der Spiegel

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