Icon: vergrößernEinsatzkräfte am Beiruter Hafen
Foto: Hussein Malla/ AP
In Beirut ist ab sofort das Militär zuständig für die Sicherheit. Die Regierung rief nach den verheerenden Explosionen im Hafen einen zweiwöchigen Ausnahmezustand für die libanesische Hauptstadt aus. Eine Untersuchungskommission solle dem Kabinett innerhalb von fünf Tagen einen ersten Bericht vorlegen, sagte Informationsminister Abdel Samad.
Bei gewaltigen Explosionen waren am Dienstag mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen, mindestens 4000 wurden verletzt. Große Teile des Hafens und der umliegenden Wohngebiete wurden zerstört. Die genaue Ursache der Explosionen ist noch unklar. Ausgelöst worden sein sollen sie durch große Mengen Ammoniumnitrat, die dort nach Regierungsangaben seit 2013 ohne größere Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden waren (lesen Sie hier eine Analyse).
Die Regierung rief die Militärführung auf, die für das Unglück verantwortlichen Beamten unter Hausarrest zu stellen. Die Maßnahme müsse für alle gelten, die für die Lagerung der 2750 Tonnen Ammoniumnitrat im Hafen von Beirut zuständig gewesen seien. Die Substanz kann für Düngemittel oder zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden. Unklar ist bislang, wie viele Personen von dem Arrest betroffen sind.
Die schweren Schäden machten viele Häuser in Beirut unbewohnbar. Zwischen 200.000 und 250.000 Menschen hätten ihre Unterkunft verloren, sagte Gouverneur Abbud dem libanesischen Fernsehsender MTV. Sie würden mit Lebensmitteln, Wasser und Unterkünften versorgt. Es seien Schäden in Höhe von drei bis fünf Milliarden Dollar entstanden – "möglicherweise mehr", sagte er der Nachrichtenagentur NNA zufolge.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dem libanesischen Regierungschef Hassan Diab in einem Kondolenzschreiben Unterstützung zu. Auch aus anderen Ländern liefen Hilfsmaßnahmen an. Über den EU-Krisenmechanismus machte sich unter anderem aus den Niederlanden ein Team aus 70 Spezialisten auf den Weg. Frankreich schickte zwei Militärflugzeuge mit 55 Angehörigen des Zivilschutzes und tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten. Tschechien schickte ein Team, das auf die Bergung von Verschütteten spezialisiert ist. Auch Griechenland und Zypern schickten Rettungsmannschaften mit Spürhunden. Russland entsandte fünf Flugzeuge mit Ärzten und einem mobilen Krankenhaus. Die Türkei sendet Helfer der Katastrophenschutzbehörde und des Roten Halbmonds, zudem plant sie die Errichtung eines Feldlazaretts.
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