Icon: vergrößernBeirut nach der verheerenden Explosion
Foto: Marwan Naamani/ dpa
In Beirut suchen Einsatzkräfte einen Tag nach der Katastrophe in den Trümmern weiter nach Überlebenden. "Fast die Hälfte von Beirut ist zerstört oder beschädigt", sagte Gouverneur Marwan Abud. Bis zu 300.000 Menschen seien obdachlos geworden.
Libanons Präsident Michel Aoun bat die internationale Gemeinschaft um schnelle Unterstützung. Dringend notwendig sei Hilfe für Krankenhäuser, betroffene Familien sowie zum Wiederaufbau zerstörter Gebäude, sagte Aoun zu Beginn einer Kabinettssitzung, wie die staatliche Nachrichtenagentur NNA meldete. Die Unterstützung werde nicht zuletzt benötigt, weil das Land unter einer beispiellosen Wirtschaftskrise leide.
Bei der Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt wurden mindestens 100 Menschen getötet und mindestens 4000 Menschen verletzt. Die Regierung vermutet als Auslöser hochexplosives Material, das dort seit Jahren gelagert worden sei.
Die Bundesregierung und deutsche Hilfsorganisationen setzten umgehend Soforthilfen für den Libanon in Gang. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel kondolierten und sagten Unterstützung zu. "Deutschland wird tun, was es kann, um den Menschen im Libanon zur Seite zu stehen", schrieb Steinmeier an Präsident Aoun. Merkel schrieb, der Libanon könne "in dieser schweren Zeit" auf die "Hilfe und Unterstützung der Bundesregierung zählen".
Das Auswärtige Amt richtete nach Angaben des Sprechers einen Krisenstab ein, der am Mittwochvormittag zum ersten Mal tagte. Drei Themen stünden im Zentrum: die Lage der Deutschen vor Ort, die Hilfsersuchen der libanesischen Regierung sowie die Arbeitsfähigkeit der deutschen Botschaft.
Zur genauen Zahl der verletzten Deutschen konnte die Bundesregierung weiterhin keine Angaben machen. "Wir haben Hinweise auf einzelne verletzte Deutsche und viele Hinweise auf schwere Sachschäden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Eine "belastbare Zahl" der Verletzten könne aber noch nicht genannt werden. Insgesamt gebe es "eine erhebliche Anzahl von Deutschen", die im Libanon leben.
Mehrere deutsche Organisationen richteten Spendenkonten ein. Nach Angaben des Deutschen Spendenrates gehören unter anderen das Deutsche Rote Kreuz, der Verein Islamic Relief Deutschland und der Malteser Hilfsdienst dazu. Menschen können sowohl auf der jeweiligen Internetseite der Initiativen als auch per Überweisung für die Opfer spenden.
Über den EU-Krisenmechanismus machte sich unter anderem aus den Niederlanden ein Team aus 70 Spezialisten auf den Weg. Frankreich schickte zwei Militärflugzeuge mit 55 Angehörigen des Zivilschutzes und tonnenweise Material zur Behandlung von Verletzten. Tschechien schickte ein Team, das auf die Bergung von Verschütteten spezialisiert ist. Auch Griechenland und Zypern schickten Rettungsmannschaften mit Spürhunden. Russland schickte fünf Flugzeuge mit Ärzten und einem mobilen Krankenhaus.
Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron wollte am Donnerstag nach Beirut reisen. Der Libanon war früher Teil des französischen Mandatsgebiets, beide Länder sind immer noch eng verbunden. Aus Solidarität mit den Betroffenen wurden unter anderem der Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai und die Pyramiden in Ägypten in Libanons Nationalfarben beleuchtet. Auch das Rathaus von Tel Aviv sollte am Abend in den Farben der libanesischen Fahne erleuchtet werden. Der Libanon und Israel haben keine diplomatischen Beziehungen. Offiziell befinden sich die Nachbarländer im Krieg.
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