Alexej Nawalny verurteilt: Mehr als tausend Festnahmen bei Protesten
Icon: vergrößernIn Moskau kam es zu einigen Festnahmen
Foto: YURI KOCHETKOV/EPA-EFE/Shutterstock
Bei Protesten gegen die Verurteilung von Kremlgegner Alexej Nawalny sind offenbar mehr als tausend Menschen festgenommen worden. Videos in sozialen Netzwerken zeigten, wie Anhänger Nawalnys im Zentrum Moskaus von Sicherheitskräften abgeführt und zu Polizeibussen gebracht wurden. Die Menschenrechtsorganisation OVD-Info zählte zwischen Dienstagmorgen und der Nacht auf Mittwoch in mehreren Städten insgesamt mehr als 1050 Festnahmen. Bereits während der mehrstündigen Gerichtsverhandlung nahm die Polizei immer wieder Menschen in Gewahrsam.
Die Sicherheitskräfte riegelten kurz vor der Urteilsverkündung am Abend den Roten Platz in der Hauptstadt ab. An einer viel befahrenen Straße davor wurden Absperrgitter aufgestellt. Die Polizei forderte die Menschen auf, nach Hause zu gehen. Auf Bildern waren Hundertschaften von Einsatzkräften zu sehen. Nawalnys Team hatte die Unterstützer über soziale Medien aufgerufen, im Stadtzentrum zu protestieren.
Tausende Menschen beteiligten sich nach Schätzungen von Beobachtern an den Protestzügen. Dabei skandierte die Menge »Putin ist ein Dieb!«, weil ihnen Präsident Wladimir Putin demokratische Freiheiten raube. Sie forderten zudem die Freilassung Nawalnys. Autos hupten aus Solidarität mit den Demonstranten.
Die Demonstrierenden riefen »ohne Waffen« und standen mit erhobenen Händen an einer Wand – dennoch gingen Beamte der Sonderpolizei Omon mit Brutalität gegen die Menschen im Zentrum von Moskau vor. Die Sicherheitskräfte prügelten mit Schlagstöcken auf die Protestierende ein, wie Bilder verschiedener Medien zeigten, etwa der investigativen Internetseite Projekt.
Oder des wirtschaftsliberalen Mediums »RBK«, aufgenommen in einer kleiner Straße.
Am Dienstagabend hatten sich in der russischen Hauptstadt Hunderte Menschen friedlich versammelt, um gegen das Urteil gegen Kremlkritiker Alexej Nawalny zu protestieren. Hundertschaften der Sonderpolizei Omon hatten in der Innenstadt Stellung bezogen.
Der Zugang zum Roten Platz wurde abgeriegelt. Die Demonstrierenden, überwiegend junge Menschen, riefen unter anderem »Freiheit«. Zahlreiche Beamten folgten den Demonstrierenden, jagten zum Teil hinter den Protestierenden hinterher. Sie nahmen etwa 300 Menschen in den ersten Stunden fest. Die Sicherheitskräfte gingen dabei immer wieder brutal vor, auch gegen Journalisten, obwohl sie durch ihre gelb-leuchtenden Westen klar erkennbar waren. Bilder zeigten auch, wie Beamte einen Mann aus einem Taxi holten.
Auch in St. Petersburg im Norden des Landes stellten die Sicherheitsbehörden Absperrgitter im Zentrum auf. Dort gab es Menschenrechtlern zufolge zunächst rund 30 Festnahmen.
Zuvor hatte ein Gericht in Moskau Kremlgegner Nawalny zu dreieinhalb Jahren Straflagerhaft verurteilt. Aus Sicht der Richterin habe Nawalny nach seiner Vergiftung mehrfach gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren von 2014 verstoßen. Nach Darstellung seiner Anwälte wird ihm womöglich ein früherer Hausarrest angerechnet. Dann müsste er zwei Jahre und acht Monate in ein Straflager. Das Urteil wurde international scharf kritisiert, unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderten die Freilassung Nawalnys.
Icon: Der Spiegel

