CDU: 50 Abgeordnete wollen K-Frage in Fraktion entscheiden
Bild vergrößernCDU-Chef Armin Laschet
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Bislang ist kein Kanzlerkandidat der Union gekürt, Armin Laschet hat aber als CDU-Chef das Zugriffsrecht. Viele in der CDU und CSU wünschen sich allerdings lieber den CSU-Vorsitzenden Markus Söder als Kanzlerkandidaten. Nun wird Laschet nach SPIEGEL-Informationen von 50 Bundestagsabgeordneten der eigenen Partei unter Druck gesetzt.
Sie fordern einen offenen Entscheid über die Kandidatur in der Unionsfraktion. In einer gemeinsamen Erklärung, die dem SPIEGEL vorliegt, verlangen sie, über die Frage der Kanzlerkandidatur eine »parteiübergreifende Fraktionssitzung« von CDU und CSU abzuhalten, »bevor eine Festlegung dieser Tragweite verkündet wird«. In der Runde solle »im Zweifel« auch entschieden werden, wer es am Ende macht. Zu den Unterzeichnern gehören prominente Namen wie der Spitzenkandidat in Berlin, Kai Wegner, und der Chef des Parlamentskreises Mittelstand, Christian von Stetten.
Der Aufruf kursiert derzeit weiter – und soll noch bis zur Fraktionssitzung am kommenden Montag offen bleiben. Weitere Unterzeichnende dürften so über das Wochenende hinzukommen. Für die CDU sitzen gegenwärtig 199 Abgeordnete im Bundestag.
Der Aufruf setzt vor allem den derzeit ohnehin angeschlagenen CDU-Chef Laschet unter Druck. Eigentlich ist es ihm als Parteivorsitzendem vorbehalten, den Prozess der Unions-Kanzlerkandidatur zu steuern. Auch für Fraktionschef Ralph Brinkhaus ist der Aufruf allerdings ein Alarmzeichen dafür, welches Eigenleben sich in der Fraktion gebildet hat.
Abweichler in der CDU
Die Frage Söder oder Laschet schwelt in der Union seit Längerem. Erst vor wenigen Tagen haben sich sieben Bundestagsabgeordnete aus der baden-württembergischen Landesgruppe für Söder ausgesprochen – und nicht für ihren eigenen Vorsitzenden Laschet. Söder genieße in weiten Teilen der Bevölkerung großes Vertrauen und wäre deshalb »ein kraftvoller und aussichtsreicher Kanzlerkandidat für die gesamte Union«, hieß es in der gemeinsamen Erklärung, die dem SPIEGEL vorliegt.
Auch der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber fordert eine schnelle Kür des Unions-Kanzlerkandidaten, um Schaden von CDU und CSU abzuwenden. Der »Süddeutschen Zeitung« sagte Weber: »Ein tägliches Schaulaufen nutzt dem öffentlichen Bild der Union nicht.« Eine Lagerbildung würde die Union »weit zurückwerfen«. Deshalb müsse bald eine Entscheidung über den Kanzlerkandidaten gefällt werden, so Weber.
Belastungsprobe für die Union
Die offene K-Frage belastet die Union zunehmend. Im Hintergrund sprechen führende Christdemokraten seit Tagen über mögliche Auswege. Selbst unter Unterstützern hat Laschets Ansehen zuletzt stark gelitten, sodass fraglich ist, mit welcher Kraft er nun eigentlich seine Kandidatur verkünden könnte.
Söder hingegen verfügt zwar über immer stärkeren Rückhalt in der Bundestagsfraktion. In der CDU-Führung gibt es jedoch massive Vorbehalte gegen dagegen, dass der CSU-Chef die Union in den Wahlkampf führt. Zu gut ist vielen dort noch in Erinnerung, mit welcher Skrupellosigkeit sich Söder in den vergangenen Jahren teilweise gegen die Schwesterpartei profilierte.
Laschet hatte zuletzt intern deutlich signalisiert, antreten zu wollen. Bei Söder schien es lange so, als würde er mit einer Kandidatur nur kokettieren.
Mittlerweile haben führende Christdemokraten kaum noch Zweifel daran, dass Söder kandidieren will. Seit Wochen schon fordert er von der CDU ein kraftvolleres Auftreten, scheint dabei auch Laschet persönlich nicht. Im SPIEGEL-Gespräch skizzierte der CSU-Vorsitzende gerade erst seine Pläne für Deutschland und verlangte von der Union eine klare »Führungsidee« für den Wahlkampf.

