Anthony Fauci zur Corona-Krise: USA kommen auch ohne AstraZeneca aus
Bild vergrößernAnthony Fauci (im Januar)
Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS
Im Gegensatz zu zahlreichen europäischen Ländern, darunter Deutschland, haben die USA den Corona-Impfstoff von AstraZeneca bisher nicht freigegeben. Dieser ist günstig und leichter zu lagern als andere Präparate – allerdings gibt es immer wieder Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen.
Nun hat sich der US-Seuchenexperte Anthony Fauci zu dem Stoff geäußert. Er glaubt, dass die USA den AstraZeneca-Impfstoff nicht brauchen werden, selbst wenn er in den Vereinigten Staaten zugelassen werden würde. Fauci berät unter anderem das Weiße Haus in Corona-Fragen.
Der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten sagte der Nachrichtenagentur Reuters: »Mein allgemeines Gefühl ist, dass wir angesichts der vertraglichen Beziehungen, die wir mit einer Reihe von Unternehmen haben, genug Impfstoff haben, um alle unsere Bedürfnisse zu erfüllen, ohne AstraZeneca in Anspruch zu nehmen.«
In Deutschland wird der Stoff des schwedisch-britischen Konzerns nach einer Zwangspause wieder verabreicht. Allerdings hatte die Bundesregierung am Dienstag beschlossen, das Vakzin nur noch an Menschen über 60 Jahren zu verimpfen.
Hintergrund sind Thrombose-Fälle vor allem bei jüngeren Frauen. Bei 2,7 Millionen verabreichten AstraZeneca-Dosen wurden 31 Verdachtsfälle einer sogenannten Hirnvenenthrombose gemeldet. Jüngere Menschen in den Impfgruppen eins und zwei könnten »gemeinsam mit dem impfenden Arzt nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung entscheiden, mit AstraZeneca geimpft werden zu wollen«, hieß es in dem Beschluss.
Nach dem Inkrafttreten der neuen Altersempfehlung für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca hat die Ständige Impfkommission jüngeren Geimpften ein anderes Vakzin für die Zweitimpfung empfohlen. Unter 60-Jährigen solle nach zwölf Wochen anstelle der zweiten AstraZeneca-Impfstoffdosis eine Dosis der Vakzine von Biontech/Pfizer oder Moderna verabreicht werden, teilte das Gremium am Donnerstag mit.
Im SPIEGEL nahm der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, Stellung zu den wechselnden Empfehlungen seines Expertengremiums bezüglich des AstraZeneca-Vakzins. »Das in Deutschland für die Sicherheitsüberwachung zuständige Paul-Ehrlich-Institut hatte ein sehr deutliches Signal erkannt, darauf musste die Stiko reagieren«, sagte Mertens. Einen Imageschaden für die Impfkampagne sieht er nicht. »Die aktuelle Situation zeigt doch, dass das Sicherheitssystem in Deutschland funktioniert«.
Es komme jetzt auf die Umverteilung an, um das Impftempo nicht zu gefährden. »In Deutschland gibt es genug Menschen ab 60 Jahren, die sich gegen Covid-19 impfen lassen wollen und noch nicht geimpft sind. Sie können den Impfstoff von AstraZeneca erhalten. Es fallen also keine Impfdosen weg«, so Mertens.
Britische Behörde: Vorteile überwiegen beim Impfstoff
Aus Großbritannien liegen neue Zahlen zu den Risiken bei der Verwendung des Impfstoffs vor. Die dortigen Aufsichtsbehörden meldeten nach eigenen Angaben insgesamt 30 Fälle, die von seltenen Blutgerinnseln nach dem Einsatz des AstraZeneca-Vakzins betroffen waren. Dies seien 25 Fälle mehr als bisher gemeldet.
Die britische Arzneimittelbehörde (Medicines and Healthcare products Regulatory Agency) teilt mit, sie habe keine derartigen Berichte über Blutgerinnungen nach der Verwendung von BioNTech und Pfizer-Impfstoffen erhalten. Die Gesundheitsbehörde erklärt weiter, die Vorteile des AstraZeneca-Impfstoffs würden ihrer einschätzung nach dennoch das mögliche Risiko von Blutgerinnseln überwiegen.

