Diskussion über Corona-Impfpflicht bei Pflegekräften: »Vertrauensverhältnis ist kaputt«
Icon: vergrößernPflegerin mit Bewohnerin eines Altenheims (Symbolbild): »Viele Pflegekräfte wollen sich impfen lassen«
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Als der Leiter des Pflegeheims St. Klara im bayerischen Altötting ankündigte, seine Mitarbeiter könnten bereits zu Jahresanfang geimpft werden, teilten sich die Beschäftigten in drei Lager. Es gab die, die sich sofort impfen lassen wollten. Die, die unsicher waren und Zeit brauchten. Und die, die eine Impfung strikt ablehnten. In gewisser Weise steht das Pflegeheim in Oberbayern symptomatisch für die Einrichtungen im ganzen Land: Es ist kompliziert.
Hört man dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zu, ist es ganz einfach. Während sich viele Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen impfen ließen, gebe es unter ihren Pflegern eine zu hohe Impfverweigerung, erklärte Söder. Weil die Infektionsraten aber hoch blieben, forderte er eine Debatte über eine Impfpflicht für diese Berufsgruppe.
Seit dem Impfstart vor zwei Wochen wird scharf über eine angeblich geringe Impfbereitschaft unter Pflegekräften diskutiert. Doch genau genommen ist diese Verweigerung gar nicht belegt. Eine Studie, die die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin im Dezember vorgelegt hat, sagt zwar aus, dass die Impfbereitschaft unter Pflegekräften nur bei 50 Prozent liege. Doch sie ist nicht repräsentativ. Die Meldungen verschiedener Verbände und Arbeitgeber sind unterschiedlich. In manchen Bundesländern ist die Rede von einer Impfbereitschaft zwischen 50 und 95 Prozent, in anderen Gegenden wird eine Impfbereitschaft von 40 bis 50 Prozent gemeldet. Eine Umfrage des »Tagesspiegel« unter großen und kleinen Pflegeheimträgern in Berlin ergab, dass die Impfbereitschaft der Mitarbeitenden oft zwischen 50 und 80 Prozent liegt.

