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Donald Trump: Erinnerungen an eine Amtszeit in Bildern, Clips & Tweets

November 02
05:07 2020
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Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten

Foto: Chip Somodevilla / Getty Images

Präludium: Rolltreppe abwärts

Andere Paare gehen shoppen, die Trumps bewerben sich um die Präsidentschaft. Zu einem der irrsten Popmomente im politischen Wirken Donald Trumps kam es, als er dieses politische Wirken ankündigte: Um seine Kandidatur für das Weiße Haus bekannt zu geben, fuhr er am 16. Juni 2015 mit seiner Frau Melania eine Rolltreppe in dem nach ihm benannten Hochhaus herunter. Die beiden wirkten wie ein Pärchen, das einen entspannten Nachmittag in einer Shoppingmall verbringt.

Andere Politaspiranten springen bei Auftritten aus Hubschraubern, um Aktionismus zu suggerieren. Trump aber sah aus wie jemand, der mit seiner Gattin vom Nagelstudio zu Pizza Hut rollt. Die Fahrtreppe steht als Symbol dafür, in US-Freizeitwelten mit größtmöglicher Passivität von einem Genuss- oder Einkaufsort zum nächsten getragen zu werden. Kurz: Die Bekanntgabe der Kandidatur war ein Statement für den Konsumismus.

Irre war der Moment auch, weil Trump ihn mit Neil Youngs Song "Rockin' in the Free World" konterkarierte – einem unmissverständlichen Statement gegen den Konsumismus. Dialektik oder Dummheit? Mit der Rolltreppe abwärts begann Trump an dem Zeichenchaos zu arbeiten, in das er die ermatteten USA nun für die nächste Präsidentschaftsperiode entlässt. Es sei denn, er wird wiedergewählt.

Christian Buß

"Tiny Hands": Die Anti-Grabbler-Hymne

Dass der Skandal um das "Access Hollywood"-Tape ("Grab 'em by the pussy") Trump im Oktober 2016 nicht den Wahlsieg gekostet hat, verschlägt einem auch nach vier Jahren Präsidentenirrsinn noch die Sprache. Popmuse Fiona Apple füllte dieses Vakuum im Januar 2017, pünktlich zum Women's March, mit einer Mini-Hymne. Der Song nutzte nicht nur das spöttische Trump-Meme der "kleinen Hände", sondern erfand mit dem Slogan "We don't want your tiny hands / Anywhere near our underpants" auch ein griffiges Antitoxin gegen Machismo und Sexismus.

Andreas Borcholte

Donald in Paris: Dinner auf dem Eiffelturm

Es war ein sommerlicher Abend in der französischen Hauptstadt und ein bisschen so wie in der amüsanten Netflix-Serie "Emily in Paris": Eine kompetente, gebildete Frau war erwartet worden, aber statt ihrer machte nun jemand anders die Reise über den Atlantik, gewissermaßen wurde die ahnungslose, aber begeisterte Emily an jenem Abend von Donald Trump gespielt. Das Ehepaar Macron lud Melania und ihn ins Restaurant Jules Verne ein, wo Chef Alain Ducasse in einer imposanten weißen Kochjacke regiert. Es entstanden schöne Bilder, Melania schien sogar genuin glücklich. Macron und Trump versuchten es kurz miteinander. Aber noch vor dem Dessert überlegten sie wohl beide, wie sie den anderen schnell wieder loswerden können.

Nils Minkmar

Saufen gegen Trump: Beim G20-Gipfel

Schnapsideen hatte in den vergangenen Jahren nicht nur Trump, Schnapsideen hatten auch seine Gegner. Diese war besonders schön: Ein paar Freunde hockten eines Nachts im Februar 2017 am Tresen der Hamburger Kneipe Zoo und dachten darüber nach, wie sie sich mit den richtig großen Tieren anlegen könnten, die bald zum G20-Gipfel in die Stadt kommen würden. Das Ergebnis hieß "Mexikaner gegen Trump", eine hochprozentige Antwort auf die Ankündigung des US-Präsidenten, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen.

Kneipen, so die Idee der linksextremen Freunde, sollten den in Hamburg weltberühmten Tomaten-Tabasco-Schnaps namens Mexikaner in den kommenden Monaten besonders bewerben – und dann einen Teil des Verkaufserlöses für die G20-Proteste spenden. Am Ende machten tatsächlich weltweit Kneipen mit, mehr als 150 an der Zahl, eine von ihnen aus Mexiko. Und Trump? Ließ sich in Hamburg weder von Tomatencocktails noch von vermeintlichen Molotowcocktails beeindrucken. "Die Polizeikräfte und das Militär haben einen spektakulären Job gemacht in Hamburg", twitterte er im Juli zum Abschied. "Alle haben sich total sicher gefühlt, trotz der Anarchisten." Das Schanzenviertel rauchte da noch.

Tobias Becker

Stramme Sträucher, steinerne Helden

Trump und seine First Lady haben etwas für Gärten übrig. Seit diesem Jahr jedenfalls. Melania Trump ließ im Sommer den Rosengarten des Weißen Hauses auf Vordermann bringen und hielt dort anschließend ihre Rede zum Parteitag der Republikaner. Die Sträucher waren akkurat geschnitten, alle Blumen standen stramm. Die Präsidentengattin selbst auch, sie trug ein Kleid im Militärstil – und in grüner Farbe.

Ihr Mann hatte Anfang Juli angekündigt, seinen eigenen Garten anzulegen, einen "Nationalen Garten für amerikanische Helden".

Im Land demontierten Protestler historische Statuen von Sklavenhaltern und anderen heiklen Gestalten – und Trump ließ Feinde und Freunde wissen, was ihnen nun blühte: ein Park voller altmodischer Skulpturen. Eine Taskforce wurde beauftragt. Nur fehlt ihr offenbar der grüne – beziehungsweise kalkfarbene – Daumen. Bisher wurden noch keine konkreteren Pläne veröffentlicht, dafür aber eine Website.

Ulrike Knöfel

Fotograf der Trump-Ära: Philip Montgomery

Trauernde Menschen recken im Juni 2020 vor einem Mahnmal für George Floyd die Fäuste in die Luft. Kurz zuvor ist Floyd beerdigt worden, getötet von einem weißen Polizisten. Auf der Beerdigung habe die Nichte Floyds das Wort ergriffen, schreibt Fotograf Philip Montgomery zu seinem Instagram-Post. Er zitiert sie: "Someone said, 'Make America great again', but when has America ever been great?", Jemand sagte "Macht Amerika wieder großartig", aber wann war Amerika je großartig?

Fotojournalist Philip Montgomery hat die Berichterstattung über die Regierungszeit Trumps visuell geprägt. (Hier sein Instagram-Account mit vielen Fotos) Für die "New York Times" und "The New Yorker", für "Vanity Fair" und "The Atlantic", auch für den "Guardian" und den "Stern" dokumentierte er Zeitgeschichte in intensiven Momentaufnahmen, darunter die Proteste gegen Polizeigewalt in Minneapolis, die Opioidkrise und die Corona-Pandemie.

Carola Padtberg

"Very fine people, on both sides": Kulturbruch in Charlottesville

Donald Trump hat sich, anders als man glauben mag, schon mehrfach von Rechtsextremen, Ku-Klux-Klan und Neonazis distanziert, übrigens auch in seiner Pressekonferenz nach der tödlichen Eskalation einer Demonstration in Charlottesville, Virginia, am 12. August 2017. Trotzdem markierte sein viel zitierter Satz, es habe bei den Protesten rechts wie links Gewalttäter gegeben, auf beiden Seiten aber auch "very fine people", einen Kulturbruch.

Die trotzig behauptete Äquidistanz des Präsidenten sollte vielleicht auf unbeholfene Weise versöhnen, sie dürfte jedoch den reaktionären Kräften im Land signalisiert haben: Solange ihr keine Autos in die Menschenmenge lenkt und es Tote gibt, ist es okay, rassistische und antisemitische Parolen zu skandieren, wie in Charlottesville geschehen. Ist es nicht. Aber diesen Konsens jeder aufgeklärten demokratischen Gesellschaft hat Trump an jenem Tag aufgekündigt.

Andreas Borcholte

Melanias Klaps: das "Handgate"

Die Beatles haben die schönste Form des Liebeswerbens im Song "I Want to Hold Your Hand" verewigt. Selten wurde es so phänomenal brutal zurückgewiesen wie durch Melania Trump in einer Abwehrbewegung, die in den sozialen Medien bald als #Handgate Anerkennung fand. Mehrmals verweigerte sie öffentlich ihre Hand der zum Händchenhalten bereiten Pfote ihres Gatten, einmal sogar mit einem eleganten Klaps.

Eine symbolische Geste nicht bloß für die Präsidentenehe, sondern für das Verhältnis der Geschlechter in der Gegenwart überhaupt. Die Zeit des Kuschelns und Tätschelns ist vorbei. Es tun sich, gerade in der Neuordnung der Balz- und Datingregeln nach #MeToo, eine Härte und neue Kälte auf, die wir nicht beklagen, sondern als neue Klarheit begrüßen sollten.

Wolfgang Höbel

"Covfefe" – wie bitte?

Mit seiner Wortneuschöpfung "covfefe" vereinte der Spalter Donald Trump im Mai 2017 für ein paar Stunden die Welt – in Ratlosigkeit und Gelächter. Hatte er sich beim Wort "coverage", also Berichterstattung, vertippt? Das Passwort für den Atomkoffer verraten? Einen Kaffee bestellt? Niemand wusste es. Ein Meme war geboren, das noch heute nachwirkt. Ein Zeichen, das in seiner Unausdeutbarkeit funktioniert wie sein Schöpfer: Alles könnte gemeint sein, aber letztlich bezieht es sich nur auf sich selbst.

Jonas Lages

"The Mooch" und andere Nieten: Trumps Umfeld

Anthony Scaramucci hatte schon früh auf einen Job im Weißen Haus gehofft, die Arbeit als Hedgefonds-Manager ließ er bald nach Trumps Wahl ruhen. Im Juli 2017 war es dann so weit, der New Yorker mit den Sprayhaaren und der Spiegelsonnenbrille wurde zum Kommunikationschef des Präsidenten – und blieb es nur elf Tage lang. Steve Bannon habe versucht, seinen eigenen Schwanz zu lutschen, hatte er einem Reporter anvertraut; weitere Schimpfwörter über Präsidentenberater fielen. Bloß nie der Hinweis, er wolle nicht zitiert werden.

Seither tingelt Scaramucci (Spitzname "The Mooch", der Schnorrer) durch die Medien, tauchte in "Big Brother" auf (auch wenn er nicht dauerhaft im Haus blieb), verfasste ein Enthüllungsbuch über Trump. Laut, narzisstisch, charakterlich unberechenbar: Viele der Figuren, die in den vergangenen vier Jahren rund um Donald Trump auftauchten, hatten Eigenschaften mit ihrem Chef gemeinsam.

Felix Bayer

Vor Gericht in Schweden: Trump und der Rapper

Umgab Barack Obama sich während seiner Präsidentschaft mit den größten Popstars der Welt, witterte Trump eine Chance, seinen Populismus popkompatibel zu machen, als 2019 der Rapper A$AP Rocky in Schweden vor Gericht stand: Trump twitterte Schwedens Premier erst Lob, dann Enttäuschung entgegen, schickte seinen Sondergesandten für Geiselangelegenheiten nach Stockholm.

Der Rapper wurde freigesprochen. Und Trump? Hatte eine mittlere diplomatische Krise ausgelöst, blieb aber weitgehend im Popmusikvakuum.

Jurek Skrobala

America not first? Der Oscar geht nach Korea

Manchmal konnte man während Trumps Amtszeit live mitverfolgen, wie die Überforderung mit der Gegenwart bei ihm und seinen Fans zum Vorschein kam. Zum Beispiel nach der Oscarverleihung, bei der in diesem Jahr der südkoreanische Film "Parasite" als bester Film ausgezeichnet wurde. "Was zum Teufel war da denn los?", fragte Trump kurz darauf rhetorisch bei einer seiner Rallys das Publikum, und: "Können wir bitte 'Vom Winde verweht' zurückhaben?" Ein dümmlicher Witz. Aber die Sehnsucht nach einer imaginierten goldenen Vergangenheit (inklusive Sklaverei) ist echt.

Oliver Kaever

#HeilenWieTrump: "Lachgas gegen Depression"

Als Donald Trump im April 2020 in seinem täglichen Corona-Briefing im Weißen Haus die Möglichkeit ins Spiel brachte, Desinfektionsmittel gegen das Virus zu verabreichen, gab es deutliche Reaktionen. Zwar relativierte er am nächsten Tag seine Idee und nannte sie sarkastisch, doch der Spott auf Twitter blieb: Unter #HeilenWieTrump ergänzten User ganz eigene Tipps wie "Abflussreiniger gegen Verstopfung", "Lachgas gegen Depression", "Entkalker gegen Demenz". Das Lachen blieb einem allerdings im Halse stecken, denn zahlreiche Experten bis hin zur Katastrophenschutzbehörde warnten die US-Bevölkerung nach der Äußerung Trumps vor der Einnahme von Wasch- und Desinfektionsmittel.

Carola Padtberg

Am Ende bleibt ein Regenschirm

Gleich dreifach verdichtet sich im Regenschirmvorfall Trumps Präsidentschaft. Erstens: Trump ist ein Kind, das erwartet, dass hinter ihm aufgeräumt wird. Zweitens: Man weiß bei Trump nie genau, ob er etwas einfach nicht kann und es sich also um Inkompetenz handelt – oder ob es ihm einfach egal ist. Man weiß auch nicht, was schlimmer wäre. Und drittens symbolisiert dieser von Trump zurückgelassene, nasse, im Wind schaukelnde Regenschirm hervorragend den Zustand der amerikanischen Gesellschaft. Nach 40 Sekunden erbarmte sich ein Secret-Service-Agent und sammelte den Schirm ein. Die USA werden allerdings mehr als nur einen fähigen Mitarbeiter brauchen, um die Sache wieder in Ordnung zu bekommen, wenn Trump sich längst schon aus dem Staub gemacht hat.

Xaver von Cranach

Icon: Der Spiegel

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