CDU-Machtkampf: Fünf Stunden Selbstzerstörung – das Protokoll
Icon: vergrößernKandidat Merz
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Mirko Hannemann / action press
Irgendwann, draußen ist es schon dunkel geworden, steht eine Drohung im Raum, Friedrich Merz spricht sie aus. Wenn hier versucht werde, die Sache immer weiter zu verzögern, den Parteitag nach hinten zu schieben, dann werde es "eisige Luft" geben, sagt er – so erinnern sich später die einen. Andere berichten, er habe "bleihaltige Luft" gesagt.
Eisige Luft? Bleihaltige Luft? So oder so, Merz spricht seine Drohung am Sonntag im Konrad-Adenauer-Haus aus, in jenem Raum, in dem sonst der Vorstand tagt. Spätestens hier müsste eigentlich allen anderen Teilnehmern dieser Sitzung, seinen Kontrahenten, der Parteivorsitzenden, ihren Stellvertretern, dem Generalsekretär, klar sein: Das wird nicht gut gehen. Das eskaliert.
Die CDU befindet sich in einer tiefen Krise, seit Februar. Damals kündigte Annegret Kramp-Karrenbauer an, den Parteivorsitz aufzugeben. Seither gibt es drei Kandidaten für die Nachfolge, aber keine Entscheidung, weil es bislang keinen Parteitag gab, auf dem Armin Laschet, Friedrich Merz oder Norbert Röttgen hätten gewählt werden können. Am 4. Dezember sollte diese Phase enden, doch daraus wird nichts, am Montag hat die CDU-Spitze den Parteitag abgesagt, wegen Corona. Und die Krise hat sich noch verschärft.

