Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

Corona in Alten- und Pflegeheimen: Sie fürchten die Einsamkeit mehr als das Virus

October 29
17:49 2020
Covid-Überlebende Breimhorst, Heimleiterin Dusch in Hövelhof: "Ein Albtraum" Icon: vergrößern

Covid-Überlebende Breimhorst, Heimleiterin Dusch in Hövelhof: "Ein Albtraum"

Foto: Michael Löwa / DER SPIEGEL

Anna Dusch sagt, sie bekomme Gänsehaut, wenn sie an die Szenen aus dem Frühjahr denke. Dusch leitet das Caritas-Altenzentrum in Hövelhof, einer Gemeinde bei Paderborn. Mitte März brach dort das Coronavirus aus, in kurzer Zeit hatten sich 21 Beschäftigte und elf Senioren infiziert, drei Menschen starben. Knapp zwei Monate lang war Besuch im Heim verboten. "Ein Albtraum", sagt Dusch.

Sie sitzt in einem Besprechungszimmer, die Hände frisch desinfiziert, FFP2-Maske auf Mund und Nase. Dusch erzählt, wie sich im März das Coronavirus auf der Demenzstation verbreitete, wie sie die Türen des Bereichs auf Anordnung umbauen und abriegeln, die Bewohner quasi einsperren mussten. Sie erzählt von "gestandenen Pflegekräften, die in Tränen ausbrachen". Von sterbenden Senioren, die keinen Besuch von Seelsorgern bekommen durften, wegen der strengen Auflagen. Und von Angehörigen, die noch heute litten, weil sie "ihre Mutter erst in einer Urne wiedergesehen" hätten.

Dusch schluckt einen Kloß im Hals herunter. "Diese Zeit hat uns traumatisiert", sagt sie und blickt aus dem Fenster. An vielen Orten explodieren gerade die Infektionszahlen. Noch ist alles ruhig in der Einrichtung in Hövelhof, es gibt keinen bekannten positiven Fall. Doch Dusch steht morgens "wieder mit schlechtem Bauchgefühl" auf. Alle im Heim seien "in ständiger Habachtstellung". Egal wie vorsichtig sie sind, es kann jeden Moment wieder losgehen.

Neueste Beiträge

22:26 Wenn die Waffenruhe bricht: Der Iran “stürzt in ein Trauma”

0 comment Read Full Article