Funkverkehr ausgefallen: Störung legt Zugverkehr in der Nacht deutschlandweit lahm
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Funkverkehr ausgefallenStörung legt Zugverkehr in der Nacht deutschlandweit lahm
24.06.2026, 00:39 Uhr Artikel anhören(02:56 min)00:00 / 02:56
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Am späten Abend kommt der Bahnverkehr in Deutschland komplett zum Erliegen. Eine Störung im digitalen Bahnfunk legt den Betrieb lahm. Nach mehr als zwei Stunden rollen die ersten Züge wieder. Im frühen Berufsverkehr kann es aber noch Probleme geben.
Gestrandete Reisende und sehr lange Warteschlangen an den Bahnhofsinformationen: Eine deutschlandweite Störung des Funkverkehrs hat bei der Deutschen Bahn (DB) am späten Dienstagabend für rund zwei Stunden Stillstand gesorgt. Die Bahn hatte alle Züge angehalten. Viele wurden an Bahnhöfen zurückgehalten, einige kamen auch auf der Strecke zum Stehen.
Etliche Reisende waren betroffen. Gegen 0.30 Uhr fuhren die ersten Züge wieder. Danach lief der Verkehr am frühen Morgen Schritt für Schritt weiter an, wie ein DB-Sprecher mitteilte. Grund für den Stopp des Zugverkehrs war eine Störung des digitalen Bahnfunksystems GSM-R. Dabei handelt es sich um das zentrale Kommunikationsmittel zwischen Lokführern und den Leitstellen.
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Teils sollten die Probleme bis zum Berufsverkehr am Morgen anhalten. So teilte etwa die DB Regio Mitte auf X mit, bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert habe, müsse heute mindestens bis 06.00 Uhr mit hohen Folgeverspätungen und kurzfristigen Fahrtausfällen gerechnet werden. Auf der Regionalseite der DB für Nordrhein-Westfalen hieß es nach dem Ende der Störung: "Bis sich der Bahnverkehr wieder normalisiert hat, wird es jedoch noch einige Zeit dauern." Man solle mit hohen Verspätungen und Ausfällen rechnen.
Ratlosigkeit auch beim Personal
Viele Reisende saßen durch den Ausfall fest. Allgemein herrschte Ratlosigkeit, auch das Bahnpersonal konnte keine Auskünfte geben. Ein Zugbegleiter eines ICE, der auf der Strecke zwischen Frankfurt am Main und Berlin in Würzburg zum Stehen kam, sagte der Nachrichtenagentur AFP, eine Störung in dem Ausmaß habe er in seiner 20-jährigen Laufbahn bei der Bahn nicht erlebt. "Dass es mal passiert," das komme vor – "aber nicht deutschlandweit", betonte der Bahn-Mitarbeiter.
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Zwar wurden laut einem Bahnsprecher Taxi- und Hotelgutscheine ausgegeben – in Frankfurt am Main berichteten Menschen aber zum Beispiel, es gebe in der ganzen Stadt gar kein Hotelzimmer mehr. Und: Ein ICE nach Mannheim und Stuttgart fuhr dort nahezu ohne Passagiere los. Niemand hatte den vielen Wartenden vor der Abfahrt Bescheid gegeben. Unter anderem am Berliner Hauptbahnhof beklagten Fahrgäste, dass es keine Auskünfte gab. Aber die Bahn-Mitarbeiter seien freundlich und ansprechbar gewesen, hieß es.
Die Deutsche Bahn hatte die Ursache der Störung gegen Mitternacht identifiziert. Genauere Informationen gab es zunächst nicht. Die "Bild"-Zeitung meldete unter Verweis auf Sicherheitskreise, dass ein Software-Update der Auslöser des Ausfalls gewesen sein könnte – die Bahn hat das aber nicht bestätigt. IT-Experten der DB hätten pausenlos an der Entstörung gearbeitet, mit Erfolg, teilte die Bahn mit. "Die Störung konnte so innerhalb kurzer Zeit behoben werden", hieß es weiter. Man danke allen Fahrgästen für die Geduld. Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte der "Bild"-Zeitung, die Lage sei mit einem Notfallsystem stabilisiert worden.
GSM-R steht für "Global System for Mobile Communications – Railway". "Das GSM-R Mobilfunknetz ersetzt nahezu alle analogen Funksysteme der Deutschen Bahn AG", heißt es auf der Webseite der DB InfraGo, der Betreiberin der Infrastruktur der Deutschen Bahn. Demnach bietet es Vorteile wie etwa hohe Sicherheit in der betrieblichen Kommunikation, die Möglichkeit spezieller Gruppenanrufe und die Option zur gezielten Kontaktaufnahme mit den Fahrdienstleistern.
Auch S-Bahnen, Privatbahnen und Güterverkehr betroffen
Von der Störung betroffen waren nicht nur Fern- und Regionalverkehrszüge, sondern auch S-Bahnen, die von der DB betrieben werden, und Privatbahnen. In Berlin etwa war der Verkehr im gesamten S-Bahn-Netz eingestellt, ebenso in Stuttgart. In Hamburg hingegen fuhr die Hochbahn.
Still stand außerdem der Güterverkehr, der vor allem abends und nachts unterwegs ist. Der Verband der privaten Güterbahnen forderte deshalb eine genaue Aufarbeitung des zweistündigen Ausfalls. Die Ursache für den Ausfall am späten Dienstagabend dürfe "nicht allein durch eine "Selbstauskunft" der DB InfraGo als Betreiberin beantwortet werden", sagte Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger der dpa. Es brauche eine bessere Überwachung und Steuerung des Schieneninfrastrukturbetriebs.

