US-Präsidentschaftswahl: Die Angst vor dem wahlentscheidenden Medien-Hack
Icon: vergrößernUS-Newsroom: "Die Medien haben weiterhin Schwierigkeiten damit, die Veröffentlichung gestohlener Dokumente in einen Kontext zu stellen"
Foto:
John Greim / LightRocket / Getty Images
Am Dienstag ist in der "New York Post" genau der Artikel erschienen, vor dem Experten für Desinformation seit Wochen gewarnt hatten. Es geht darin um angebliche E-Mails aus einem zur Reparatur abgegebenen Computer, die den Präsidentschaftskandidaten Joe Biden und seinen Sohn Hunter vermeintlich belasten. Angeblich und vermeintlich, weil zu diesem Zeitpunkt unklar ist, ob der Zeitungsbericht so stimmen kann, ob die E-Mails echt sind, oder ob sich die "New York Post" für eine sogenannte Hack-and-Leak-Operation hat einspannen lassen.
Hack and Leak bedeutet: Jemand verschafft sich nicht autorisierten Zugang zu brisanten Dokumenten und sorgt für deren Veröffentlichung. Bei Geheimdiensten hat so etwas eine lange Tradition. Zu den dabei üblichen Methoden gehört auch, einen Teil der Dokumente zu fälschen oder zu verfälschen. Thomas Rid, Politikwissenschafter an der Johns Hopkins University, hat im April ein umfassendes Buch darüber veröffentlicht und war einer der Ersten, die am Dienstag auf Twitter darauf hinwiesen, wie vieles im Artikel der "New York Post" nach Hack and Leak aussieht: die zweifelhafte Quelle der Dokumente und Ungereimtheiten in den Bilddateien, auf denen die angeblichen Biden-Mails zu sehen waren.
Facebook und Twitter beschlossen kurz darauf, die Onlinereichweite des Artikels vorerst zu begrenzen. Twitter blockierte sogar die Möglichkeit, ihn weiterzuverbreiten, wegen eines Verstoßes gegen seine "hacked material policy", seine Richtlinie gegen die Verbreitung gehackter Informationen. Beide Unternehmen hatten geahnt, dass so ein Fall in diesem Herbst eintreten würde.

