Leere Strände, teurer Sprit: Iran-Krieg zwingt nicht nur Thailands Tourismus in die Knie
Wirtschaft
Leere Strände, teurer SpritIran-Krieg zwingt nicht nur Thailands Tourismus in die Knie
24.04.2026, 18:35 Uhr
Von Juliane KipperArtikel anhören(05:28 min)00:00 / 05:28
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Doppel-Schock für Thailand: Während die geopolitische Krise Urlauber verunsichert, setzt der Ölpreis-Schock der Wirtschaft zusätzlich zu. Kann eine radikale Strategie das Ruder noch rumreißen?
Die Eskalation im Nahen Osten bekommt besonders der thailändische Tourismussektor zu spüren. Das südostasiatische Land ist die bei weitem am stärksten vom Tourismus abhängige Volkswirtschaft in Asien – sie trägt etwa zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes bei.
Laut Ökonomen der Bank of America (BofA) haben im März 2,77 Millionen Touristen Thailand besucht. Das sind 15 Prozent weniger als im Vormonat. Ein Blick in die Zukunft verspricht keine Besserung: Frühe Indikatoren für April deuten darauf hin, dass die die Besucherzahl noch weiter sinkt.
Die jüngsten wöchentlichen Daten nach dem traditionellen Neujahrsfest Songkran zeigten nur 464.720 Touristenankünfte. "Dies ist die drittschwächste Woche seit Beginn des Jahres 2024 und trat viel früher ein als die übliche Nebensaison, die normalerweise Ende Mai zu beobachten ist", meinen die Ökonomen. Die Feiertage vom 13. Bis 15. April gehören zur Hochsaison für den Tourismus in Thailand. Einheimische und Urlauber liefern sich an diesen Tagen gleichermaßen ausgiebige Wasserschlachten.
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Die Staatssekretärin im Ministerium für Tourismus und Sport, Natthriya Thaweevong, rechnet laut einem Bericht des Finanzportals "Bloomberg" dieses Jahr mit drei Millionen Besuchern weniger, sollte der Iran-Krieg länger als sechs Monate dauern. Dieser Rückgang könnte die Wirtschaft umgerechnet 4,6 Milliarden US-Dollar kosten. Das entspreche etwa zehn Prozent der gesamten Einnahmen aus dem Auslandstourismus des Landes im vergangenen Jahr, sagt sie.
Die Entwicklung wirft auch einen Schatten auf die ambitionierten Ziele der Regierung. Diese hatte sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben, dieses Jahr 35 Millionen ausländische Besucher anzuziehen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr reisten rund 33 Millionen ausländische Touristen nach Thailand. Die anhaltende Krise könnte die Zahl jedoch etwa auf das Niveau von 2023 senken. Damals verzeichnete das Land rund 28 Millionen internationale Gäste.
Um den Einbruch abzufedern, will die Tourismusbranche besonders eine Zielgruppe ins Visier nehmen: wohlhabende Reisende aus dem Nahen Osten. Allein in diesem Jahr will Thailand dem Bericht zufolge mindestens 200.000 Besucher aus dem Nahen Osten anziehen. Das hat einen simplen Hintergedanken. Laut von Bloomberg ausgewerteten Regierungsdaten geben sie pro Reise durchschnittlich rund 2500 US-Dollar aus. Zum Vergleich: Europäische Besucher geben im Schnitt rund 1.800 US-Dollar aus, asiatische Touristen etwa 1.200 US-Dollar.
Dem Bericht zufolge plant die Regierung, noch mit anderen konkreten Maßnahmen gegenzusteuern. So sollen Steuerzahler beispielsweise Steuervergünstigungen für Tourismusausgaben geltend machen können, sagte Natthriya. Darüber hinaus werden auch niedrigere Steuersätze oder Zahlungsaufschübe für Hotelbetreiber diskutiert, und die Regierung erwägt Rationierungen an Tankstellen, um sicherzustellen, dass Reisebusunternehmen genügend Kraftstoff erhalten.
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Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) betont gegenüber ntv.de, dass geopolitische Eskalationen zwar Schockwellen durch die Branche senden, diese sich jedoch historisch als äußerst krisenfest erwiesen hat. "Tourismus ist eine sehr resiliente Branche. Sobald Stabilität zurückkehrt, kehrt auch die Reiselust der Menschen zurück."
Er erwartet daher ein bekanntes Muster: Auf eine Phase kurzfristiger Verunsicherung folgt eine langfristig robuste Nachfrage. "Sollte sich die geopolitische Lage nicht zuspitzen, ist im weiteren Verlauf eher mit einer Stabilisierung und Nachholeffekten bei Buchungen zu rechnen als mit einer nachhaltigen Abschwächung der Reisetätigkeit", sagt Schäfer.
Doch während die Reisebranche auf die Rückkehr der Urlauber setzt, droht Thailands Wirtschaft durch die geopolitischen Folgen an einer anderen Stelle ins Wanken zu geraten. Denn abseits der Tourismuszentren belasten auch die steigenden Rohstoffpreise das Land massiv. Laut J.P. Morgan machen Nettoimporte von Öl und Gas etwa 7 Prozent des thailändischen BIP aus – eine Abhängigkeit, die bei hohen Energiepreisen die Inflation anheizt und die Leistungsbilanz drückt. Laut Berechnungen von "Bloomberg" könnte ein Krieg, der länger als drei Monate dauert, das Wirtschaftswachstum Thailands halbieren.

