Schwerer als Mediamarkt-Gründung: Diese Millionäre wollen den Wal retten
Wirtschaft
Schwerer als Mediamarkt-GründungDiese Millionäre wollen den Wal retten
16.04.2026, 13:09 Uhr
Von Christina LohnerArtikel anhören(05:03 min)00:00 / 05:03
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Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und Pferdesport-Unternehmerin Karin Walter-Mommert bezahlen die Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal. Gunz' Motto: Geld für das "Richtige und Gute" einsetzen. Klar ist ihm aber auch: Das Wichtigste im Leben lässt sich nicht kaufen.
Hinter dem Versuch, den gestrandeten Buckelwal doch noch zu retten, stehen Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert. Die Kosten scheinen keine große Rolle zu spielen: Das Ganze werde "schon nicht 100 Millionen kosten", sagte Gunz der Deutschen Presse-Agentur. "Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie, und man muss sorgfältig damit umgehen." Geld, Kraft und Energie müsse man für das Richtige und Gute einsetzen.
Gunz weiß auch: "Glück, Gesundheit, Liebe kann man nicht kaufen", wie er im Interview mit ntv sagte. Während des Gesprächs ist zweimal sein Handy zu hören. Der Klingelton: ein Quaken.
100 Millionen Euro wären allerdings selbst für Gunz viel Geld. 2018 tauchte er noch mit einem geschätzten Vermögen von 500 Millionen Euro im Reichsten-Ranking des "Manager Magazins" auf. Gunz wird in diesem Jahr 80 Jahre alt; Kinder, an die er sein Vermögen vererben könnte, hat er nicht. "Ich hab' leider keine, weil ich so ein Workaholic war", sagte er vor Jahren der "Bild"-Zeitung. "Meine Kinder waren der Betrieb, die Menschen, die Tiere, die Ideen."
Hinter dem "Betrieb" verbirgt sich Mediamarkt. Gunz gründete die Kette 1979 in München gemeinsam mit drei Mitstreitern und gehört damit zu den erfolgreichsten deutschen Handelsunternehmern. Seine Karriere begann er als Verkäufer in der Elektroabteilung bei Karstadt. Schon damals nahm er die Dinge selbst in die Hand: kündigte und machte sich mit einem Gegenentwurf – Mediamarkt – selbstständig, wie er vor 15 Jahren dem Arbeitgebermagazin "Faktor A" berichtete. Schon bei Karstadt habe es geheißen "Der Walter, der macht es anders", erzählte der erfolgsverwöhnte Unternehmer. Seine Mediamarkt-Anteile verkaufte er bereits um die Jahrtausendwende, später war Gunz unter anderem als Berater tätig.
Dass ihm Tiere wichtig sind, zeigt nicht nur die Aufzählung seiner "Kinder". Mit seinem Geld rettete Gunz auch schon ein Nashorn vor Jägern, das in einem Naturschutzgebiet weiterleben durfte – unter dem Namen Media.
Multimillionär zahlt RettungsaktionWie der Wal doch noch gerettet werden soll
Auch selbst sieht sich Gunz, der Philosophie studierte, als Freigeist. Zu seinen engsten Freunden zählte er den früheren FDP-Chef Guido Westerwelle. Gunz ist unter anderem Buchautor einer "spirituellen Reise durch Politik, Business, Ökologie, Philosophie, Glauben und Religion".
Die Idee, den vor der Ostseeküste gestrandeten Wal zu retten, hatte Gunz nach eigenen Angaben nicht selbst – er sei von Bekannten gefragt worden. Nun setzt er nach eigenen Angaben allerdings alles daran: Seit Tagen beschäftige er sich mit nichts anderem, sagte er am Wochenende der "Bild"-Zeitung. Gegen die Rettungspläne sei die Gründung von Mediamarkt "Pustekuchen" gewesen.
"Man muss doch einfach alles versuchen"
Experten sehen die Aktion kritisch und wenige Überlebenschancen für den Wal. Gunz hat eine andere Wahrnehmung: "Man muss doch einfach alles versuchen, was geht. Wenn er dabei stirbt, dann ist das der Lauf der Natur." Aber: "Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet."
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Gunz' Mitstreiterin formulierte es ein wenig anders: "Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie." Walter-Mommert ist aus dem Trabrennsport bekannt, in dem sie früher auch selbst aktiv war. Ihrem Mann Ulrich Mommert gehört die Trabrennbahn Berlin-Mariendorf, das Magazin "Forbes" schätzt sein Vermögen aktuell auf 1,7 Milliarden Dollar.
Sie wüssten, dass der Rettungsversuch letal – also tödlich – enden könne, sagte Walter-Mommert der Deutschen Presse-Agentur. "Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Dann sei das die Natur. "Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen."
Gunz zitierte seine Verbündete Walter-Mommert gegenüber ntv so: Entweder komme der Wal in den Atlantik oder in den Himmel. Wie der Rettungsversuch ausgeht, liegt schließlich nicht in der Macht der beiden Geldgeber: "Weil wir über Leben und Tod natürlich nicht bestimmen können."

