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Donald Trump vs. Joe Biden: So lief das erste TV-Duell in den USA

September 30
05:57 2020
Donald Trump (l.) und Joe Biden (r.) Icon: vergrößern

Donald Trump (l.) und Joe Biden (r.)

Foto: BRIAN SNYDER / REUTERS

Corona, Wirtschaft und das Oberste Gericht: Die erste TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden hat oft die gesteckten Themenfelder verlassen – und verlief mit persönlichen Angriffen.

Vor dem Duell schüttelten sich Trump und Biden nicht die Hände – wegen der Corona-Regeln. Im Publikum saßen nur wenige Dutzend Personen, darunter Trumps Ehefrau Melania.

Schon zu Beginn lieferte sich Trump einen Schlagabtausch mit Moderator Chris Wallace. "Ich bin der Moderator der Debatte, und ich möchte, dass Sie mir erlauben, meine Frage zu stellen", sagte Wallace, als Trump ihm beim Thema Krankenversicherung immer wieder ins Wort fiel. Trump sagte an Wallaces Adresse: "Ich schätze, ich debattiere mit Ihnen, nicht mit ihm. Aber das ist okay, ich bin nicht überrascht."

Während Trump oft direkt zu Wallace oder Biden sprach, schaute der Demokrat häufig direkt in die Kamera und sprach direkt zu den Wählern. Wallace hatte immer wieder Schwierigkeiten, das Gespräch zu ordnen.

Wallace hatte sich für sechs Themenfelder zu je 15 Minuten mit Statements und offener Diskussion entschieden:

  • Das Oberste Gericht: Wallace fragte nach der Nominierung von Amy Coney Barrett für den Supreme Court. Trump sagte, es sei sein gutes Recht als Präsident, die Nominierung noch vor der Wahl vorzunehmen. Biden kritisierte, man hätte mit der Nominierung bis nach der Wahl warten sollen, weil die Wähler so noch hätten Einfluss nehmen können.

  • Die Coronakrise: Biden kritisierte Trumps Corona-Management. Der Präsident habe von der tödlichen Gefahr des Coronavirus gewusst, es aber verharmlost, sogar die Einnahme von Bleichmittel empfohlen. "Das war sarkastisch", behauptete Trump. Man habe viel über das Virus gelernt und müsse nun keinen Shutdown mehr beschließen. Das aber sei das Ziel der Demokraten, so Trump.

  • Die Wirtschaft: Trump blieb bei seiner Kritik, Biden wolle das Land in den Lockdown schicken. Das würde der Wirtschaft aber schaden. Er stellte die haltlose Behauptung auf, mit einem Präsidenten Biden wären zwei Millionen Menschen an den Folgen des Virus gestorben. Er hingegen hätte die harte Entscheidung treffen müssen, eine Rekordwirtschaft zu schließen. Biden versprach mit seinem neuen Wirtschaftsprogramm Millionen neue Arbeitsplätze.

  • Das Verhältnis von Schwarz und Weiß und Proteste in den Städten: Biden ging Trump hart wegen dessen Haltung zu den rechtsextremen Aufmärschen in Charlottesville an, der Präsident sei ein Rassist. Trump erwiderte, Biden habe schwarze Menschen in der Vergangenheit "super predator", also Super-Raubtier, genannt. Biden warf Trump vor, "Öl ins Feuer zu gießen", der Präsident wolle nicht, dass sich die Unruhen in den Städten beruhigen. Trump distanzierte sich auf Nachfrage nicht von Vertretern der angeblichen weißen Vorherrschaft. Er sagte, die meiste Gewalt ginge von Linksextremen aus.

  • Trumps und Bidens Errungenschaften: "Wer hat mehr erreicht als ich in drei Jahren?", fragte Trump. Biden sagte, Barack Obama und er als dessen Vizepräsident hätten Trump eine hervorragende Wirtschaft hinterlassen. Trump habe seitdem nicht viel nennenswertes geleistet. Dazu sprach Wallace auch das Thema Klimawandel an, insbesondere in Bezug zu den Waldbränden in Kalifornien. Trump machte vor allem schlechtes Management der Wälder für die Feuer verantwortlich. Biden plädierte für eine Rückkehr ins Pariser Abkommen.

  • Integrität der Wahlen: Biden erklärte, die Wählerinnen und Wähler könnten der Briefwahl vertrauen. "Wenn ich gewinne, akzeptiere ich das, wenn ich verliere, akzeptiere ich das", sagte Biden. Trump tue das nicht. Der Präsident dagegen untermauerte seine haltlosen Befürchtungen von "einem Betrug, den man noch nicht gesehen habe." Stimmen würden bei der Briefwahl verloren gehen, das würde Betrug fördern.

Noch während des Duells wurde Moderator Chris Wallace in den sozialen Medien scharf kritisiert. Er habe die Kontrolle verloren, schrieb die CNN-Kommentatorin und einstige republikanische Strategin Ana Navarro-Cárdenas. Wallace erlaube Trump, sich wie ein Schulhofschläger aufzuführen. Dies sei eine Respektlosigkeit gegenüber den Zuschauern zuhause.

Trump und Biden debattierten nicht nur inhaltlich, beide wurden auch persönlich. So bezeichnete Biden Trump als "Clown" und den "schlechtesten Präsidenten, den Amerika je gesehen hat." Trump sprach Biden auf das Drogenproblem seines Sohnes Hunter an. Biden schien aus der Fassung, erwiderte aber, sein Sohn habe das Problem überwunden.

Das Duell endete mit den Wahlaufrufen der Kandidaten. Trump sprach erneut von einem drohenden Betrug, Biden untermauerte sein Vertrauen in die Wahl.

Icon: Der Spiegel

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